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Nikon FM: reduziert auf das Wesentliche

Die Nikon FM: kompaktes Vollmetallgehäuse mit Messing-Patina. So viel Charme hat sonst nur die Leica M6.

18.10.2026 · Kamera
Alter Holzanhänger auf einer Wiese im Nebel, dahinter ein Koppelzaun
Anhänger im Nebel

Gestern habe ich einen Farbfilm vom Labor abgeholt, den ich mit meiner Nikon FM in Lübbenow und in Hinterpommern geschossen habe. Alle Fotos sind technisch einwandfrei; sie sind scharf und richtig belichtet. Da sind Aufnahmen bei Nebel und in der Dämmerung, auf Waldwegen, Spiegelungen in Glasscheiben – also einige Situationen, in denen eine Kameraautomatik auch mal versagen kann. Nicht so die Nikon FM, denn sie hat keine Automatik, sondern eine manuelle Belichtungseinstellung mit Nachführmessung. Drei Leuchtdioden im Sucher zeigen an, ob das Bild über- oder unterbelichtet wird, und man muss mit Blende und Verschlusszeit nur die mittlere LED zum Leuchten bringen. Oder man weicht davon ab, wenn man dem Foto etwas mehr Licht spendieren möchte, zum Beispiel bei Gegenlichtaufnahmen oder in Situationen, wo viel Himmel im Bild ist. Herrje, das ist so einfach!

Blick durch ein Fenster: In der Scheibe spiegeln sich Wolken und Windräder, dahinter ein Innenraum
Spiegelung in einer Fensterscheibe

Diese Nachführmessung ist natürlich keine Pionierleistung der Nikon FM, sondern das Prinzip vieler Kameras mit manueller Belichtungssteuerung. Mit dem Einzug der Belichtungsautomatiken (Zeit-, Blenden- oder Vollautomatik) wurden Kameras mit rein manueller Belichtungseinstellung zur Ausnahme – es blieben wenige Modelle für Liebhaber der klassischen, manuellen Fotografie.

Gräser im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne
Gräser im Gegenlicht

Nikon hatte neben der FM mit manueller Belichtungssteuerung auch die FE mit Zeitautomatik und elektronischer Zeitsteuerung im Sortiment. Beide Linien wurden durch eine zweite Generation abgelöst (FM2 und FE2), die eine beachtliche 1/4000 Sekunde als kürzeste Verschlusszeit bieten.

Die Nikon FM3A führte dann beide Linien zusammen.

Die FM und die FE richteten sich an die ambitionierten Amateure, während die F-Linie (F, F2, F3 … F6) Kameras für Berufsfotografen umfasste.

In diesem Bericht soll es ja um die FM gehen, deswegen sparen wir uns die Auflistung des umfangreichen Komplettprogramms der Nikon F Kameras.

Besonderheiten der Nikon FM

Die Kamera kam 1977 auf den Markt, also vor knapp 50 Jahren, und auf den ersten Blick unterscheidet sie sich nicht von anderen Modellen dieser Ära:

  • Verschlusszeiten von 1 bis 1/1000 Sekunde und B
  • Selbstauslöser
  • aufrechtes, seitenrichtiges Bild im fest verbauten Spiegelreflexsucher
  • Suchereinblendung von LED-Lichtwaage, Verschlusszeit und Blende
  • nicht wechselbare Mattscheibe mit Schnittbildkeil und Mikroprismenring

Eine Besonderheit der Nikon FM ist ihr kompaktes Vollmetallgehäuse. Zur Zeit ihres Erscheinens bemühten sich die Hersteller um kleinere Gehäuse; die Kameras sollten handtaschentauglicher werden. Die Deckkappe und die Bodenplatte der Nikon FM sind aus einer Messinglegierung gebaut. Bei Kameras mit jahrelanger Nutzung kommt das goldgelbe Metall zum Vorschein und sieht wunderschön aus.

Zwei schwarze Nikon FM schräg von oben, an den Kanten schimmert Messing durch; vorne mit dem Nikon Series E 50 mm f/1,8
Zwei Nikon FM mit Patina, vorne mit dem 50 mm f/1,8 der Serie E

Die andere Besonderheit ist der Verschluss: Wie schon die Nikkormat-Modelle setzt die FM auf einen vertikal ablaufenden Metall-Lamellen-Schlitzverschluss von Copal statt auf einen horizontal laufenden Tuchverschluss. Seinerzeit lag der Vorteil dieser Bauart vor allem in der kürzeren Blitzsynchronzeit: 1/125 Sekunde statt der bei Tuchverschlüssen üblichen 1/50 oder 1/60 Sekunde. Aber der Verschluss ist auch ausgesprochen robust und altert nicht so wie Tuchverschlüsse – das Tuch kann porös werden und die Fettung an den Tuchrollos verharzen.

Reduziert auf das Wesentliche

Die Nikon FM nehme ich sehr gerne in die Hand und nutze sie – sie ist wie eine Leica M reduziert auf das Wesentliche. Gut, sie hat keinen Messsucher, aber das kühle, schwere Metall, die kompakte Bauform, bei der das Messing durchkommt, und der mechanische Verschluss sind schon sehr nah dran am Gefühl einer Leica M6. Wobei die M6 einen Tuchverschluss hat. Kürzer als 1/1000 Sekunde belichten beide nicht, und bei beiden wird die Belichtung mit der Nachführmessung gesteuert.

Die Nikon FM gibt es aber für ein Zehntel des Preises einer M6, und das verschafft einen erfrischend sorglosen Umgang mit der Nikon.

Kompakte mechanische Vollmetall-SLR

Man möchte meinen, dass es eine Menge vergleichbarer Kameras gibt, also solche, die ein kompaktes Vollmetallgehäuse und eine mechanisch-manuelle Steuerung besitzen. Doch wenn meine Recherchen richtig sind, kommen gar nicht so viele andere Kameras in Frage: die Olympus OM-1, der Pionier der kompakten SLR, und die Pentax MX. Die Olympus kenne ich gar nicht, die MX hatte ich vor Jahrzehnten mal in der Hand. Ihre elektronische Schwester aus derselben M-Serie, die Pentax ME Super, nutzte ich viele Jahre.

Aber sowohl die Olympus OM-1 als auch die Pentax MX haben Tuchschlitzverschlüsse, die sie etwas anfälliger für Altersprobleme machen. Und der Belichtungsmesser der Olympus OM-1 ist auf 1,35-Volt-Quecksilberbatterien ausgelegt, die heute nicht mehr erhältlich sind, weswegen man auf Adapterlösungen ausweichen muss. Die Kamera selbst funktioniert auch ohne Batterie.

Frühere Kameras waren größer und schwerer, spätere verbauten zunehmend Kunststoff und Elektronik – ein Trend, den zeitgleiche Modelle wie die Canon AE-1 (1976) und die Canon AT-1 (1977) bereits einläuteten. Später gab es nur noch wenige Nachzügler dieser Art, etwa die Contax S2 (1992) mit Titanhülle oder Nikons eigene FM2 und FM3A.

Der Vorteil des Nikon-Systems

Der für mich entscheidende Vorteil der Nikon FM ist das Objektivprogramm. Ich denke, dass alle namhaften japanischen Hersteller hervorragende Objektive im Programm hatten – sei es Canon, Minolta, Pentax, Konica oder Ricoh. Aber Nikon (wie auch Canon) bot Systeme für Berufsfotografen; erstklassige Linsen waren hier nicht nur Einzelfälle, sondern systemweit vorhanden und wurden in extrem großer Stückzahl produziert: 2016 feierte Nikon das 100-millionste Nikkor-Wechselobjektiv, der weitaus größte Teil davon mit F-Bajonett.

Im Gegensatz zu Canon, die 1987 vom FD- zum EF-Bajonett wechselten, behielt Nikon das F-Bajonett über Jahrzehnte hinweg bei und modernisierte es schrittweise. Erst im Jahr 2020 stellte Nikon die Produktion der analogen Nikon F6 offiziell ein. Da setzte Nikon bereits seit zwei Jahren auf das spiegellose Z-Bajonett.

Eine dieser Modernisierungen kam 1977, im selben Jahr wie die FM: die Ai-Blendenkupplung. Mit Ai-, Ai-S- oder auf Ai umgebauten Objektiven misst die FM bei offener Blende. Aber auch ältere Nicht-Ai-Objektive lassen sich verwenden, denn die originale FM hat – anders als ihre Nachfolgerin FM2 – einen hochklappbaren Ai-Kupplungshebel. Man drückt einen kleinen Entriegelungsknopf am Bajonett und klappt den Hebel aus dem Weg, dann lässt sich das alte Objektiv gefahrlos ansetzen. Die Belichtung misst die FM dann allerdings nur noch mit Arbeitsblende: Zum Messen drückt man den Abblendhebel. Ohne hochgeklappten Hebel sollte man ein Nicht-Ai-Objektiv nicht ansetzen, sonst kann der Hebel Schaden nehmen.

Bajonett der Nikon FM in Nahaufnahme: Der Ai-Kupplungshebel liegt flach am Ring, darunter der kleine weiße Entriegelungsknopf
Ai-Kupplungshebel in Mitnahmeposition für Ai-Objektive, darunter der kleine weiße Entriegelungsknopf
Bajonett der Nikon FM in Nahaufnahme: Der Ai-Kupplungshebel ist hochgeklappt
Nach Druck auf den weißen Knopf hochgeklappt: So lassen sich ältere Nicht-Ai-Objektive ansetzen

Die Nikon-F-Objektive passen bis heute an Nikons digitale Spiegelreflexkameras und lassen sich mit Nikons eigenem Adapter an die spiegellosen Z-Kameras anbringen. Das sorgt trotz der riesigen Stückzahlen der Objektive für eine anhaltend hohe Nachfrage. Genau das macht die Nikkore auf dem Gebrauchtmarkt spürbar teurer als vergleichbare Optiken von längst abgekündigten Systemen wie Minolta MD oder Canon FD.

Das bedeutet aber nicht, dass „Brot-und-Butter“-Optiken überteuert sind. Hervorragende Objektive wie das kompakte 50 mm f/1,8 Pancake, das 28 mm f/2,8 oder das 135 mm f/2,8 sind auf dem Gebrauchtmarkt nach wie vor für unter 100 Euro zu haben. Selbst der beliebte Reportage-Klassiker, das 35 mm f/2, kostet oft nur knapp über 100 Euro. Trotz des „Nikon-Aufpreises“ bleibt der Einstieg in das System also absolut erschwinglich.

Eine griffbereite Analogkamera

Ich probiere ja sehr gerne Analogkameras aus, und jede dieser Kameras bringt irgendwas mit, was sie zu etwas Besonderem macht. Häufig ist es auch der Fall, dass man etwas mehr um die Ecke denken muss. Das finde ich gut, denn es bringt mich aus der Routine und zwingt mich, neu zu denken.

Die Nikon FM ist etwas anders. Sie ist so einfach, so vertraut, und so zuverlässig, ich muss ihr nicht erst das Geheimnis entlocken. So wie eine Leica M - das ist pure Freude am Fotografieren.

Ich habe ein paar Fototaschen bzw. Regalflächen, in denen die Kameras bereitliegen, die ich ohne nachzudenken mitnehmen kann. Meine Fuji X-T5 mit Standardzoom, die kleine X-E4 mit Festbrennweiten. Im Regal liegen auch meine zwei Nikons mit Film geladen, ein Schwarzweiß-, ein Farbfilm. Die Leica dagegen ist mir für den sorglosen everyday use zu wertvoll, sie bleibt gut verwahrt.

Beispielfotos

Technische Daten

  Nikon FM
Modell Nikon FM
Herkunftsland Japan
Objektivanschluss F Mount
Filmformat Kleinbild (135 / 24×36)
Motorisierter Filmtransport MD-11 oder MD-12 als Zubehör (bis 3,5 B/s)
Produktionszeitraum 1977 – 1982
Gebrauchtpreis ca 150 - 250 €
Verschluss mechanisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss, vertikal ablaufend
Verschlusszeiten 1s – 1/1000s
Selbstauslöser Mechanisch
Blitzsynchronzeit 1/125
Blitzsteuerung Mittenkontakt (ISO-Blitzschuh), Synchronbuchse
Belichtungssteuerung Manuell
Belichtungsmessung mittenbetont integral
ASA 12 – 3200
Fokussiermethode Manuell
Mattscheibe Mattscheibe K mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring, nicht wechselbar
Sucher Pentaprisma-Sucher
Sucherinformationen Verschlusszeit, Belichtungsmesseranzeige (LED + o −), direkt eingespiegelter Blendenwert
Stromversorgung 2x LR44 (nur für den Belichtungsmesser)
Gewicht 590g
Modell
Nikon FM
Herkunftsland
Japan
Objektivanschluss
F Mount
Filmformat
Kleinbild (135 / 24×36)
Motorisierter Filmtransport
MD-11 oder MD-12 als Zubehör (bis 3,5 B/s)
Produktionszeitraum
1977 – 1982
Gebrauchtpreis ca
150 - 250 €
Verschluss
mechanisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss, vertikal ablaufend
Verschlusszeiten
1s – 1/1000s
Selbstauslöser
Mechanisch
Blitzsynchronzeit
1/125
Blitzsteuerung
Mittenkontakt (ISO-Blitzschuh), Synchronbuchse
Belichtungssteuerung
Manuell
Belichtungsmessung
mittenbetont integral
ASA
12 – 3200
Fokussiermethode
Manuell
Mattscheibe
Mattscheibe K mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring, nicht wechselbar
Sucher
Pentaprisma-Sucher
Sucherinformationen
Verschlusszeit, Belichtungsmesseranzeige (LED + o −), direkt eingespiegelter Blendenwert
Stromversorgung
2x LR44 (nur für den Belichtungsmesser)
Gewicht
590g