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Nikon FM3A: die beste analoge SLR

15.5.2026 · Kamera
Nikon FM3A Vorderansicht

Aufgewachsen bin ich mit einer Canon, der Canon AT-1. Mit ihr lernte ich richtig zu fotografieren.

Nikon dagegen war für mich eine verbotene Welt. Wer eine Nikon besaß, so dachte ich jedenfalls in jungen Jahren, musste eigentlich Berufsfotograf sein. Eine Nikon war ein Werkzeug, kein Spielzeug. Und Werkzeuge dieser Klasse waren für andere Leute gedacht.

Umso stärker brannte Jahrzehnte später der Wunsch, endlich eine analoge Nikon zu besitzen.

Wenn schon Nikon, dann richtig

Wenn schon eine analoge Nikon, dann natürlich idealerweise eine mechanische aus der goldenen Zeit der Spiegelreflexkameras. Also eine FM2. Robust, klassisch, zuverlässig. Eine Kamera, die man auch dann noch benutzen kann, wenn die Batterie leer ist. Eine Kamera für Enthusiasten. Oder für Prepper, wenn in einer dystopischen Zukunft die digitale Welt zusammenbricht.

Ich fand eine generalüberholte Nikon FM2 mit Garantie bei Nikon Classics. Als ich dort anrief, um mich nach ein paar Details zu erkundigen, sagte man mir, dass diese Kamera leider bereits vergeben sei. Er habe aber gerade eine FM3A auf dem Tisch. Noch nicht im Shop. Quasi neuwertig, originalverpackt. Ein sehr schönes Exemplar.

Die Kamera war ungefähr doppelt so teuer wie die FM2, die ich eigentlich hatte kaufen wollen. Aber es war die Zeit kurz nach Corona, in der die Inflation das Ersparte ohnehin sichtbar dahinschmelzen ließ. Und ich dachte mir: Bevor ich dubiose Aktien kaufe, könnte ich es auch in eine analoge Kamera stecken. In etwas, das man benutzen kann, das vielleicht sogar an Wert gewinnt. Und vor allem in etwas, das mir mehr Freude macht als ein Depot auf dem Handy.

Ich kaufte die Nikon FM3A.

Vier Jahre ist das jetzt her. Ich habe einige Filme mit ihr belichtet, nehme sie immer wieder gerne in die Hand, lasse sie dann aber doch oft zu Hause und nehme eine andere Kamera mit auf einen Ausflug. Das liegt auch daran, dass ich eine Menge anderer Kameras habe, die ich ausprobieren möchte. Aber es liegt nicht nur daran. Denn ich habe auch eine simple Nikon FM, die ich mir lieber um den Hals hänge.

Warum?

Zeit für einen Blogpost über die wunderbare Nikon FM3A. Und darüber, warum eine Traumkamera nicht automatisch eine Alltagskamera ist.

Was die FM3A besonders macht

Die Nikon FM3A ist gewissermaßen der späte Höhepunkt der klassischen, manuell zu fokussierenden Nikon-Spiegelreflexkameras. Sie erschien 2001 und wurde bis 2006 produziert — also zu einer Zeit, in der die digitale Fotografie deutlich am Horizont stand und die Geschichte analoges Spiegelreflexkameras auserzählt war.

Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie zwei Linien zusammenführt: die mechanische FM-Linie und die elektronisch gesteuerte FE-Linie. Die Nikon FM und FM2 stehen für mechanische Verschlusssteuerung und maximale Unabhängigkeit. Die FE und FE2 stehen für elektronische Belichtungssteuerung und Zeitautomatik. Die FM3A vereint beides.

Das klingt zunächst wie ein technisches Detail, ist aber im Grunde der Kern dieser Kamera. Sie besitzt einen hybriden Verschluss. Im manuellen Betrieb laufen die Verschlusszeiten mechanisch ab, von 1 Sekunde bis 1/4000 Sekunde sowie B. In der Zeitautomatik dagegen steuert die Elektronik den Verschluss stufenlos von 8 Sekunden bis 1/4000 Sekunde. Selbst bei vollständig erschöpfter Batterie bleiben im manuellen Modus alle Verschlusszeiten funktionsfähig.

Das ist schon außergewöhnlich. Viele Kameras sind entweder mechanisch oder elektronisch. Die FM3A ist beides.

Bedienung und Sucher

Die Verarbeitung der FM3A ist hervorragend. Nichts wirkt wie eine Sparmaßnahme. Der Filmtransporthebel läuft weich und satt. Der Verschluss klingt gedämpft.

Wie bei vielen Nikon-Kameras dieser Art wird der Belichtungsmesser aktiviert, sobald der Filmtransporthebel leicht angewinkelt wird. Wird der Hebel wieder zurückgeklappt, ist die Kamera gegen versehentliches Auslösen gesperrt.

Auch das Zeitenwahlrad ist klassisch Nikon. Es besitzt eine verriegelte A-Stellung für die Zeitautomatik. Um sie zu verlassen, muss ein kleiner Entriegelungsknopf gedrückt werden.

Der Sucher der FM3A ist hell und für Brillenträger gut nutzbar. Nikon gibt eine Sucherbildabdeckung von etwa 93 Prozent an. Die Einstellscheibe ist wechselbar; serienmäßig wurde eine K3-Scheibe mit Schnittbildindikator und Mikroprismenring geliefert.

Links sitzt die Rückspulkurbel, kombiniert mit der Einstellung für Filmempfindlichkeit und Belichtungskorrektur. Die Belichtungskorrektur reicht von -2 bis +2 EV in Drittelstufen. Sie ist funktional, aber für meine Finger etwas hakelig. Um sie zu verstellen, muss man einen kleinen Knopf drücken und gleichzeitig den Ring drehen. Mit einer Hand alleine geht das nicht besonders elegant.

Allerdings stört mich diese fummelige Belichtungskorrektur in der Praxis nicht allzu sehr, denn man kann mit dem Zeitenrad ja ganz einfach auf die manuelle Nachführmessung umschalten.

In der Zeitautomatik zeigt im Sucher eine Nadel die von der Kamera gewählte Verschlusszeit an. Im manuellen Betrieb erscheint zusätzlich ein Balken für die eingestellte Zeit. Wenn beide übereinanderliegen, stimmt die Belichtung. Das ist wunderbar anschaulich, und man sieht sofort, um wie viele Lichtwerte Einstellung und Messwert voneinander abweichen.

Außerdem wird stets die Blendenzahl des Objektivs oberhalb vom Sucher eingeblendet. Man kann, wenn man will, das Auge am Sucher belassen. Eine SLR lädt ja dazu ein, die Welt durch das Objektiv der Kamera zu sehen und die Schärfezonen wandern zu lassen.

Nikon FM3A Aufsicht

Der Haken: linksäugig fotografieren mit der FM3A

Was auf dem Papier sehr durchdacht klingt, hat allerdings einen Nachteil, wenn man wie ich eher mit dem linken Auge durch den Sucher schaut. Dann liegt die rechte Gesichtshälfte genau dort, wo Nikon einige Bedienelemente platziert hat.

Der leicht angewinkelte Filmtransporthebel steht nach hinten heraus. Für rechtsäugige Fotografen ist das vermutlich praktisch: Der Hebel entsperrt die Kamera, schaltet den Belichtungsmesser ein und liegt bedienbereit hinter dem Daumen. Für mich als Linksäuger wird diese elegante Lösung aber zu einem ergonomischen Störfaktor. Die rechte Gesichtshälfte liegt vor dem herausstehenden Transporthebel und verhindert, dass ich ganz selbstverständlich nah genug an den Sucher komme.

Dieses Problem habe ich mit vielen Kameras. Auch die Leica M funktioniert am besten, wenn man mit dem rechten Auge durchschaut, weil man dann mit dem linken Auge bei Bedarf an der Kamera vorbei die ganze Szenerie sehen und mitbekommen kann.

Bei der FM3A kommt noch der Messwertspeicher hinzu. Man muss nicht unbedingt in den manuellen Modus gehen, sondern kann auch die kleine Taste auf der Rückseite nutzen. Solange diese gedrückt wird, bleibt der Messwert gespeichert. Leider liegt diese Taste rechts neben dem Sucher und ist damit für mich kaum sinnvoll zu benutzen. Ein einfacher Ein/Aus-Schalter an dieser Stelle wäre kein Problem. Aber wenn der Daumen während der Aufnahme dort liegen muss, kommt mein Auge nicht nah genug an den Sucher heran. Einfacher wäre es für mich gewesen, diese Funktion auf eine Druckstufe des Auslösers zu legen.

Die FM3A ist damit nicht schlecht konstruiert. Sie ist nur sehr eindeutig für eine bestimmte Art des Haltens und Sehens gebaut. Und mein Gesicht passt nicht ganz zu dieser Logik.

Nikon FM3A Rückseite

Kleine Zusatzfunktionen

Auf der linken Vorderseite neben dem Objektivanschluss sitzt ein weiterer kleiner Knopf, die TTL-Blitzbelichtungskorrektur. Sie reduziert die TTL-Blitzbelichtung um eine Blendenstufe und soll Blitzlicht natürlicher wirken lassen, etwa wenn der Blitz nicht alles niederbügeln soll.

Daneben gibt es natürlich den klassischen Objektiventriegelungsknopf, den Anschluss für ein Synchronkabel und den Abblendhebel zur Schärfentiefe-Kontrolle. Der Selbstauslöser ist mechanisch, die Mehrfachbelichtung wird über einen kleinen Hebel neben dem Filmtransporthebel aktiviert.

Datenrückwand und Motorantrieb

Die Rückwand der FM3A ist abnehmbar. An ihrer Stelle kann die Nikon MF-16-Datenrückwand montiert werden. Mit ihr lassen sich Datum, Uhrzeit oder Bildnummern auf den Film einbelichten. Außerdem gibt es den Motorantrieb MD-12, der bis etwa 3 Bilder pro Sekunde erlaubt.

Warum die alte FM öfter mitkommt

Ein Jahr nachdem ich die FM3A erwarb, bekam ich von einem Berufsfotografen einen Nikon-Koffer für sehr wenig Geld. Darin lagen zwei Nikon FM, vier Objektive und eine Menge abgelaufener Filme. Allein die Filme hatten den Kaufpreis der gesamten Ausrüstung fast wieder eingespielt.

Die beiden Nikon FMs sind alt, haben Beulen und Kratzer, und an den Ecken kommt das Messing durch. Ich mag das. Diese Gebrauchsspuren erzählen, dass sie benutzt wurden.

Sie sind auch technisch viel simpler. Ihre kürzeste Verschlusszeit beträgt 1/1000 Sekunde, nicht 1/4000. Sie haben keine Zeitautomatik, sondern nur eine Nachführmessung über Leuchtdioden.

Der entscheidende Unterschied liegt aber woanders: Die Nikon FM kann ich mir bedenkenlos um den Hals hängen. Ich kann sie in eine Fototasche werfen. Ich kann sie mitnehmen, ohne innerlich eine Versicherungspolice mitlaufen zu lassen. Denn wenn sie eine weitere Macke bekommt, dann ist das kein Wertverlust, sondern Patina. Sie hat ohnehin schon lange aufgehört, sich vor Kratzern zu fürchten.

Nikon FM mit Patina

Fazit

Ich habe definitiv zu viele Kameras, wenngleich nicht allzu viele wirklich gebrauchsfähige. Die Nikon FM3A ist wie meine Leica R8 ein eher junges Exemplar, und das macht auch ein Stück ihres Reizes aus. Sie fühlt sich wertig und neu an. Alles läuft frisch wie am ersten Tag. Das alleine macht schon Freude.

Vielleicht wird die FM3A eines Tages meine Alltags-Analoge, wenn die Nikon FMs einmal den Geist aufgeben. Womit ich allerdings nicht allzu zeitig rechne.

Bis dahin bleibt sie für mich eine Traumkamera mit Hemmschwelle. Technisch ist sie der alten FM überlegen. Sie kann mehr, sie misst komfortabler, sie hat die schnellere Verschlusszeit, die Zeitautomatik und diesen wunderbaren hybriden Verschluss. Aber im Alltag zählt nicht nur, was eine Kamera kann. Es zählt auch, ob man sie ohne Nachdenken mitnimmt.

Nikon FM3A und Nikon FM

Beispielfotos

Technische Daten

  Nikon FM3A
Modell Nikon FM3A
Herkunftsland Japan
Objektivanschluss F Mount
Filmformat Kleinbild (135 / 24×36)
Produktionszeitraum 2001 – 2006
Verschluss elektronisch und mechanisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten 1s – 1/4000s
Selbstauslöser Mechanisch
Blitzsynchronzeit 1/250
Blitzsteuerung TTL-Blitzsteuerung mit passenden Nikon-Blitzen
Belichtungssteuerung Zeitautomatik, Manuell
Belichtungskorrektur ± 2 Stufen
Belichtungsmessung mittenbetont integral
ASA 12 – 6400
Fokussiermethode Manuell
Mattscheibe Mattscheibe mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator
Sucher Pentaprisma-Sucher
Sucherinformationen Verschlusszeit, Belichtungsmesseranzeige, direkt eingespiegelter Blendenwert, Belichtungskorrekturmarke, Blitzbereitschaft
Stromversorgung 2x LR44
Gewicht 570g
Modell
Nikon FM3A
Herkunftsland
Japan
Objektivanschluss
F Mount
Filmformat
Kleinbild (135 / 24×36)
Produktionszeitraum
2001 – 2006
Verschluss
elektronisch und mechanisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten
1s – 1/4000s
Selbstauslöser
Mechanisch
Blitzsynchronzeit
1/250
Blitzsteuerung
TTL-Blitzsteuerung mit passenden Nikon-Blitzen
Belichtungssteuerung
Zeitautomatik, Manuell
Belichtungskorrektur
± 2 Stufen
Belichtungsmessung
mittenbetont integral
ASA
12 – 6400
Fokussiermethode
Manuell
Mattscheibe
Mattscheibe mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator
Sucher
Pentaprisma-Sucher
Sucherinformationen
Verschlusszeit, Belichtungsmesseranzeige, direkt eingespiegelter Blendenwert, Belichtungskorrekturmarke, Blitzbereitschaft
Stromversorgung
2x LR44
Gewicht
570g

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