Praktica PLC3


Kürzlich habe ich über meinen Versuch geschrieben, die Kiste mit den Prakticas in meinem Keller auszudünnen, und über die ernüchternde Erkenntnis, dass von all den mechanischen Kameras aus der Praktica-L-Serie eigentlich keine so richtig funktioniert.
Also hatte ich die Praktica EE2 auf ein Geschwisterwochenende nach Blankenburg mitgenommen. Die Praktica EE2 hat eine automatische elektronische Verschlusssteuerung, und bei meinen Tests funktionierte auch der Belichtungsmesser.
Leider hatte die Kamera aber gleich bei den ersten Bildern die Belichtungszeiten völlig falsch gebildet – statt der angezeigten Werte bildete die Kamera absurd kurze oder lange Zeiten.

Wieder zu Hause, nahm ich den Film aus der Kamera und lud ihn in eine PLC3. Bei dieser funktionierte zwar der Belichtungsmesser nicht, aber die Zeiten werden mechanisch über Federwerke gebildet. Mit einem externen Handbelichtungsmesser wie dem Gossen Sixtomat digital kann ich dann wenigstens dieser Praktica eine Aufgabe geben.
Bei einem Familienausflug nach Annenwalde hatte ich dann die Praktica dabei, und gestern habe ich den Farbfilm (Kodak Gold) entwickelt zurückbekommen. Und siehe da – die Bilder sind etwas geworden!
Dann darf ich die Kamera hier auch in meinem Blog einer kleinen Würdigung unterziehen.
Kennst du eine, kennst du alle
Die Praktica PLC3 ist ein Modell der Praktica-L-Serie, hergestellt in der DDR im VEB Pentacon. Die Kameras der L-Serie wurden modular konzipiert und unterscheiden sich kaum voneinander (wenn wir mal die späten Elektronikmodelle wie die EE2 beiseite nehmen): Sie haben das kantige Ziegelsteindesign, den Auslöser an der Frontseite, einen mechanischen Verschluss bis zu einer 1/1000 Sekunde und das M42-Schraubgewinde für den Anschluss der Objektive.
Variationen gibt es bei den Belichtungsmessern, allerdings funktionieren diese bei meinen Prakticas nicht.
Würde die Belichtungsmessung funktionieren, dann sollte man bei der PLC3 auch die sogenannten electric-Objektive verwenden – diese haben kleine Kontaktstifte, mit denen die Blendeneinstellung des Objektivs an die Belichtungsmessung der Kamera übertragen wird (Offenblendmessung). Wenn man aber eh einen externen Belichtungsmesser nimmt, ist das egal.

Erfahrungen mit der Praktica PLC3
Ich hatte die Kamera drei Tage dabei: auf dem Hof unserer Unterkunft, bei Ausflügen am See und bei Spaziergängen in Templin. Die Kamera ist etwas größer und schwerer als die japanischen Systeme wie Pentax MX/ME, Nikon FM oder Olympus, aber auch nicht so viel, dass ich mich über das Gewicht geärgert hätte.
Das Verschlusszeitenrad lässt sich gut einstellen, und der Verschluss schnurrt wie ein hungriger Kater. Der Auslöser, der Praktica-typisch an der Vorderseite sitzt, hatte mich früher immer an den Prakticas abgestoßen, weil er wie das Horn eines Rhinozeros aus der Stirn ragt. In der Praxis ist das aber tatsächlich ganz praktisch. Nein, nicht praktisch – es fällt einfach nicht auf, es fühlt sich normal an.
Der Filmtransport ratscht ebenfalls zuverlässig. Womit wir auch schon am Ende der Funktionen sind, die die Kamera bereitstellt.
Genervt hat mich nur der scharfkantige Blitzschuh, der sich immer im Filz meiner Tasche verfing und mich sorgen ließ, beim Herausnehmen der Kamera die Tasche zu ruinieren.

Erfahrungen mit dem Objektiv Pentacon Auto 50mm f/1,8
An der Kamera hatte ich den Klassiker, das Pentacon 50mm mit der vernünftigen Offenblende f/1,8. Eine größere Öffnung wäre schön, aber Luxus, und Luxus ist nicht das Attribut, das man mit Praktica verbindet. Das meine ich übrigens gar nicht despektierlich, die Kamera und das Objektiv sind im wertvollen Sinne bodenständig.
Diese Objektive sind wirklich gut, ich nutze sie auch gerne adaptiert an meiner Sony. Offenblendig haben sie ein schönes Bokeh, aber bei einer 1/1000 muss man im Freien meistens abblenden (Graufilter hatte ich nie an meinen analogen Kameras genutzt, bestenfalls Polfilter).
Das Pentacon Auto 50mm f/1,8 steht in der Tradition des Meyer-Optik Oreston 1,8/50, das nach der Eingliederung von Meyer-Optik unter Pentacon-Namen weitergeführt wurde. Zum Vergleich des Orestons mit anderen 50mm Optiken.
Unterwegs mit einem externen Belichtungsmesser
Man kann für die externe Belichtungsmessung ja das Handy nutzen, aber ich finde das blöd, zu fummelig. Außerdem nervt es mich, dass ich dann das Bild schon auf dem Display des Handys sehe. Da bin ich dann ja schon in der digitalen Aufnahme. Der Gossen Sixtomat ist flach, zuverlässig und auch mit einer Hand gut zu bedienen. Ich nutze ihn ansonsten bei meinen Mittelformatkameras (wo ich weniger Fotos mache). Bei den vielen Fotos eines Kleinbildfilms lernt man automatisch, die Zeit zu schätzen – mir geht es zumindest so, dass ich, bevor ich den Gossen einschalte, im Kopf die Belichtung rate, und je häufiger man das macht, umso besser werden die Schätzungen.
Kurz bevor der Film voll war, versagten dann die Batterien des Gossen. Ja, auch das kann passieren! Also belichtete ich die letzten Fotos nach Schätzung, und sie sind auch etwas geworden.
Fazit
Die Prakticas sind herrlich befreiend, weil man sich um sie nicht sorgen muss. Sie sind ja kaum mehr wert als ein Film plus Entwicklung: 13 € für den Kodak Gold, 20 € für Entwicklung und Prints. Analoge Farbfotografie ist echt teuer geworden. Aber der Moment, wenn man den Film dann abholt und die Fotos zum ersten Mal sieht, das ist einfach großartig.










Kommentare
Lade Kommentare …