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Konica FC-1 und Hexanon Pancake

21.5.2026 · Kamera

Ich habe vor ein paar Jahren eine Konica Autoreflex T4 mit Objektiven bekommen, darunter das 40mm f/1,8, welches häufig gelobt wird.

40mm ist eine spannende Brennweite, die in letzter Zeit wieder öfter zu sehen ist, zum Beispiel von Voigtländer als 40mm f/1,2 Nokton für Nikon Z und Leica M oder – nicht ganz 40 – als 43mm an der Leica Q3 43.

Leider ist die Autoreflex für mich nicht zu benutzen, denn obgleich die Verschlusszeiten korrekt ablaufen, offenbart der Blick durch den Sucher zwei dicke braune Linien, die in der Mitte von oben nach unten verlaufen. Irgendeine Beschädigung des Dachkantprismas liegt hier vor. Abgesehen davon verlangt der Belichtungsmesser der Autoreflex nach alten Quecksilberbatterien mit 1,35 Volt, und zudem hat sich die Belederung des Gehäuses zusammengezogen.

Ich möchte das Objektiv gerne einmal nutzen, doch einen Adapter für die Sony will ich mir dafür nicht extra kaufen. Dann lieber einen neuen Body, denn als funktionierendes analoges Gesamtpaket macht das einfach mehr Sinn, schließlich ist die Kombination Adapter + Objektiv kein Pancake mehr.

Das Hexanon 40mm f/1,8

Das 40mm f/1,8 ist eigentlich der Grund, warum ich mich überhaupt weiter mit Konica beschäftige. Es ist klein, flach und lichtstark genug, um nicht nur als Beigabe zu einer alten Kamera durchzugehen. An einer SLR ergibt sich damit fast das, was man heute als Immer-dabei-Kamera bezeichnen würde: nicht so eng wie ein 50mm, nicht so weit wie ein 35mm, sondern irgendwo dazwischen.

Gerade diese Brennweite macht das Objektiv interessant. Sie zwingt einen nicht so stark in eine bestimmte Bildsprache, sondern lässt sich für Alltag, Spaziergänge, Straßenszenen und halbe Porträts verwenden. Gleichzeitig bleibt die Kamera mit dem Pancake so kompakt, dass der eigentliche Reiz des Objektivs erhalten bleibt. Genau deshalb wollte ich es nicht einfach über einen Adapter an eine digitale Kamera hängen, sondern an einem passenden analogen Gehäuse benutzen.

Die Konica FC-1

Meine Wahl fällt dabei auf die Konica FC-1. Sie nutzt moderne Batterien (4 LR44) und ist leicht und handlich, so dass sich zusammen mit dem flachen 40mm Objektiv eine kompakte Kamera ergibt.

Die FC-1 kam 1980 auf den Markt als abgespeckte Variante der Konica FS-1, die wiederum als erste Kleinbild-SLR einen eingebauten Motor für den Filmtransport hatte. Die FC-1 verzichtete auf den Motor und war damit als Einsteigerkamera gedacht.

Der Unterschied zur FS-1 ist damit ziemlich klar. Die FS-1 war der technische Wurf, mit dem Konica zeigen konnte, dass man mehr konnte als nur solide Kameras und gute Objektive bauen. Der eingebaute Filmtransport machte sie moderner und komfortabler als viele andere SLRs ihrer Zeit. Die FC-1 dagegen nimmt diese Grundidee einer elektronisch gesteuerten Kamera, streicht aber das auffälligste Merkmal wieder heraus. Dadurch wird sie leichter, einfacher und vermutlich auch günstiger, verliert aber genau das, was die FS-1 besonders machte.

Man kann die FC-1 deshalb nicht ganz losgelöst von der FS-1 betrachten. Sie ist keine neue Spitzenkamera, sondern eher die vernünftige, abgespeckte Variante für Leute, die eine moderne Automatik-SLR wollten, aber keinen eingebauten Motor brauchten oder bezahlen wollten. Das muss nicht schlecht sein, erklärt aber den Charakter der Kamera ziemlich gut.

Bei Ebay Kleinanzeigen gibt es eine solche FC-1 für kleines Geld in der Nachbarschaft, und nach einem fehlgeschlagenen Versuch den Verkäufer anzutreffen klappt es beim zweiten Mal. Aber oh je; die Kamera hat korrodierte Batteriekontakte und außerdem auch merkwürdig korrodierte Auflageflächen für den Film im Inneren. Die Batterien bekommen wir zum Laufen, aber für das kratzige Innenleben will ich nichts ausgeben, zumal das dazu mit angebotene Objektiv so gelb und undurchsichtig ist, dass ich mich frage, wie so etwas überhaupt passieren kann. Schließlich gibt er mir die Kamera umsonst mit; ich kann das nachvollziehen. Wenn man den Kram loswerden will, mag man nicht für ein paar Euro permanent fremde Leute in die eigene Wohnung lassen.

Ich will der Konica noch eine Chance geben und schleife die korrodierten Filmschienen mit Stahlwolle ab. Vorher habe ich den Verschluss mit passend zugeschnittenem Papier abgedeckt und alle anderen mechanischen Teile abgeklebt. Stahlwolle ist ein Teufelszeug, denn sie produziert nicht nur Abrieb vom Werkstück, sondern auch haufenweise Mini-Stahlwollfäden. Hoffentlich bleibt der Verschluss geschützt.

Bei unserem betrieblichen Seminarausflug nach Lübbenow habe ich sie dabei, um sie und das Objektiv auszuprobieren.

  Konica FC-1
Modell Konica FC-1
Herkunftsland Japan
Objektivanschluss Konica AR
Filmformat Kleinbild (135 / 24×36)
Produktionszeitraum 1980 – 1983
Verschluss Elektronisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten 1s – 1/1000s
Selbstauslöser Elektronisch
Blitzsynchronzeit 1/60s
Blitzsteuerung Mittenkontakt
Belichtungssteuerung Blendenautomatik, Manuell
Belichtungskorrektur -
Belichtungsmessung mittenbetont integral
Fokussiermethode Manuell
Mattscheibe Mattscheibe mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator
Sucher Pentaprisma-Sucher
Sucherinformationen Blende
Stromversorgung 4x LR44
Gewicht 515g
Modell
Konica FC-1
Herkunftsland
Japan
Objektivanschluss
Konica AR
Filmformat
Kleinbild (135 / 24×36)
Produktionszeitraum
1980 – 1983
Verschluss
Elektronisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten
1s – 1/1000s
Selbstauslöser
Elektronisch
Blitzsynchronzeit
1/60s
Blitzsteuerung
Mittenkontakt
Belichtungssteuerung
Blendenautomatik, Manuell
Belichtungskorrektur
-
Belichtungsmessung
mittenbetont integral
Fokussiermethode
Manuell
Mattscheibe
Mattscheibe mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator
Sucher
Pentaprisma-Sucher
Sucherinformationen
Blende
Stromversorgung
4x LR44
Gewicht
515g

Film laden

Das Laden des Films soll bei der Konica besonders einfach gehen; man muss den Film nicht umständlich in eine Spule stecken, es reicht ihn darüber zu legen. Bei mir geht das nicht ganz so einfach; der erste Versuch schlägt fehl, die Kamera transportiert den Film nicht. Also sanft etwas zurückspulen, Rückwand wieder auf und den Film großzügiger über die rechte Spule legen. Jetzt geht es.

Ein kleines Sichtfenster ist mit einer eigenen Walze gekoppelt; wenn sich im Sichtfenster etwas bewegt, wird der Film transportiert.

Belichtungsautomatik

Die Kamera arbeitet mit Zeitvorwahl. Man wählt also die Verschlusszeit vor, und die Kamera schließt die Blende auf den für die korrekte Belichtung passenden Wert. Im Sucher befindet sich auf der linken Seite eine Skala der Blendenwerte; eine LED zeigt dabei den gewählten Wert an.

Ich habe lieber eine Zeitautomatik, weil ich die Blende vorwählen möchte; vorzugsweise fotografiere ich offenblendig.

Die Verschlusszeiten der Kamera werden elektronisch gebildet. Ohne Batterie löst sie nicht aus. Das ist im Grunde dieselbe Logik wie bei der sehr erfolgreichen Canon AE-1.

Selbstauslöser

An der Vorderseite der Kamera befindet sich eine kleine LED, die, wenn man sie hineindrückt, den Selbstauslöser startet. Die LED beginnt zu blinken, und dann klickt es und nach zehn Sekunden wird ausgelöst. Man kann den Selbstauslöser nicht stoppen oder abbrechen.

Belichtungskorrektur

Die Konica FC-1 bietet weder einen Messwertspeicher noch eine Belichtungskorrektur. Wenn man eine Korrektur vornehmen möchte, kann man das machen, indem man auf manuelle Blendeneinstellung schaltet und den eingestellten Blendenwert mit dem gemessenen Wert abgleicht, um gezielt unter- oder überzubelichten.

Blöd ist dabei, dass man die vorgeschlagene Blende im Sucher sieht, die eingestellte Blende und Zeit aber auf dem Objektiv bzw. der Gehäuseoberseite. So oder so, man muss bei der Kamera schon etwas mitdenken, wenn man mehr als nur knipsen will.

Eine Alternative zur manuellen Belichtungseinstellung wäre, temporär die ASA-Zahl zu verändern.

Handling

Die Kamera ist größtenteils aus Plastik gebaut, was ihr aber weniger negativ anzumerken ist, als es sich anhört – mit Ausnahme des Transporthebels. Dieser sitzt etwas labberig, vielleicht liegt es auch nur an meinem Modell.

Man muss den Auslöserknopf relativ weit durchdrücken, um auszulösen. Das ist blöd, weil man dazu neigt, die Kamera etwas zu verziehen. Auch das Spiegelauf- und zuklappen wirkt etwas zeitverzögert.

Der schwammige Druckpunkt des Auslösers, der zeitverzögerte und laute Spiegelschlag der Kamera und der etwas labberige Verschlussaufzug wirken im Gegensatz zur ansonsten guten Verarbeitung billig und vermitteln nicht das Gefühl, ein Qualitätswerkzeug in den Händen zu halten.

Die Zeitvorwahl mit automatischer Blendeneinstellung hatte ich zunächst als Nachteil empfunden; schließlich gab es zur Zeit des Erscheinens der Kamera (1980) bereits Kameras mit Zeitautomatik bei der Konkurrenz, etwa die Nikon FE oder die Minolta XD-7. Aber im Laufe der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Man stellt die Zeit auf eine sichere Verschlusszeit wie 1/125, blickt durch den Sucher und korrigiert dann die Verschlusszeit, bis die Blende passt. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Zusammenhänge zwischen Blende und Zeit kennt.

Konica FC-1 heute kaufen?

Wenn man heute eine FC-1 kaufen möchte, würde ich sehr genau hinschauen. Ohne Batterien ist die Kamera kaum sinnvoll zu prüfen, weil der Verschluss elektronisch gesteuert wird. Also sollte man testen, ob die Anzeige im Sucher funktioniert, ob der Auslöser sauber reagiert und ob der Filmtransport wirklich greift.

Außerdem lohnt sich ein Blick in das Filmfach. Korrodierte oder zerkratzte Filmschienen sind kein schöner Fund, und auch alte Lichtdichtungen können nach Jahrzehnten problematisch sein. Der Sucher sollte klar sein, die Batteriekontakte sauber, und der Transporthebel sollte nicht so wirken, als würde er gleich ausleiern. Gerade weil die Kamera günstig ist, sollte man nicht zu viel Restaurierungsromantik hineinlegen. Wenn das Gehäuse Probleme macht, ist oft die nächste FC-1 billiger als die Reparatur.

Interessant wird die Kamera vor allem dann, wenn ein gutes Hexanon-Objektiv dabei ist. Mit einem beliebigen Zoom ist sie nur eine einfache elektronische SLR unter vielen. Mit dem 40mm f/1,8 bekommt sie dagegen einen eigenen Reiz.

Für wen ist die Kamera geeignet

Bleibt die Frage, für wen die Kamera eigentlich geeignet ist. Gebaut wurde sie für Einsteiger, die eine moderne SLR mit elektronischer Steuerung und automatischer Belichtung wollten. Und genau das funktioniert heute auch noch ganz gut; speziell mit dem schönen und handlichen Pancake-Objektiv ist sie sehr alltagstauglich.

Aber es ist halt eine Einsteigerkamera. Nicht verwackeln und scharf stellen, dann kommen gute Bilder heraus. Wem das reicht, für den kann die Konica FC-1 eine gute Wahl sein. Wer aber mit den Belichtungskombinationen spielen will, lieber die Blende einstellt und die Zeit automatisch bilden lässt und auch Wert auf eine einfache Belichtungskorrektur legt, der sollte zu anderen Systemen greifen.

Störung am Verschluss

Ich habe an trüben Tagen schwarz-weiß fotografiert; die Ergebnisse sind entsprechend flau und mussten von mir in Lightroom digital angepasst werden. Die Belichtungssteuerung war OK - wobei das an trüben Tagen auch eher unproblematisch ist.

Aufgefallen ist mir, dass das Objektiv bei Offenblende ziemlich weich zeichnet.

Leider hatte ich Licheinfall, der sich durch einen überbelichteten Streifen am unteren Bildrand bemerkbar macht.

Lichteinfall am unteren Rand

Da diese zusätzliche Belichtung nicht auf der Perforation, sondern nur auf dem Bildausschnitt zu sehen ist, handelt es sich vermutlich nicht um ein Lichtleck, das durch eine undichte Rückwand hervorgerufen wird.
Ich tippe eher auf einen defekten Verschlussvorhang. Vielleicht habe ich ihn durch die Stahlwolle verursacht, oder er hat eine andere Ursache. Schade. Diese Kamera empfiehlt sich somit nicht für eine weitere Nutzung.

Ergebnisse

Die folgenden Fotos sind in Lübbenow, in der Uckermark entstanden.

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