Wandern in den Inselbeskiden
Zu Fuß über Gipfel und durch Täler - Die Hausrunde in Szczawa und der Aufstieg zum Mogielica
Die Inselbeskiden sind eine Berglandschaft, gegliedert durch ein Netz von Flusstälern. Wie ein Nervensystem verbinden sich die kleinen Bergbäche zu den großen Flüssen und münden schließlich in der Weichsel, die ihr Wasser bei Danzig der Ostsee übergibt.
Dieser Bericht befasst sich mit den Wanderungen in den Inselbeskiden während unserer Reise durch den Süden Polens.
Kamienica-Runde bei Szczawa
Der rund zehn Kilometer lange Rundweg führt auf den Kiczora Kamienicka. Startpunkt ist die Kirche in Szczawa.
Die gut 500 Höhenmeter Aufstieg ziehen ordentlich in den Beinen, belohnen uns aber mit schönen Ausblicken auf die Gebirgszüge südwestlich von Szczawa.
Ein weiteres Mal fallen wir auf die unzuverlässigen Routen von Komoot herein. Eine augenscheinliche Abkürzung verliert sich im Nirgendwo, und Komoots schnarrende Feldwebelstimme kommandiert: „Umkehren!“
Wir kraxeln stattdessen steil den Hang hinauf. Zum Glück haben wir Wanderstöcke dabei.
Die Landschaft gehört hier bereits zu den Gorce, einem eigenen Gebirge innerhalb der Westkarpaten.
Sie unterscheiden sich deutlich von den Inselbeskiden. Statt einzelner, wie Inseln aus den Tälern aufragender Berge prägen hier langgezogene Bergrücken und ausgedehnte Wälder das Landschaftsbild. Von den höheren Gipfeln reicht der Blick bei klarem Wetter sogar bis zur Hohen Tatra.
Immer wieder passieren wir einzelne Gehöfte. Fast überall bellt ein Hund, fast überall wird irgendwo gebaut.
Kurz vor dem bewaldeten Gipfel finden wir einen verwitterten Rastplatz. Brote und Nüsse schmecken nach dem Aufstieg ausgezeichnet.
Eigentlich soll es wieder regnen. Moni bekommt immer wieder Unwetterwarnungen aufs Handy. Doch außer fernem Donnergrollen und ein paar einzelnen Tropfen bleibt es trocken.
Der Abstieg verläuft fast vollständig durch den Wald. Der steinige Untergrund ist von den nächtlichen Schauern noch feucht und verlangt Konzentration.
Zurück in Szczawa belohne ich mich mit einem Eis. Anschließend kaufen wir bei einem Händler auf dem Parkplatz frische Pfifferlinge und Blaubeeren, bevor wir zu unserem Refugium zurückfahren.
Dort setzt schließlich das angekündigte Unwetter ein. Der Wind rüttelt am Haus, prasselt gegen die Scheiben, und das Gebälk knackt und knarzt. Hier oben auf dem Bergrücken, fast ohne Nachbarn, lässt einen die Natur deutlich spüren, welche Kraft sie besitzt.
Gegen Abend reißt der Himmel wieder auf. Nebelschwaden ziehen über unseren Hügel und werden von der tief stehenden Sonne zum Leuchten gebracht. Ein fantastischer Abschluss unseres Tages.
Die Mogielica
Die Mogielica ist mit 1.171 Metern der höchste Berg der Inselbeskiden und liegt ganz in der Nähe unserer Unterkunft.
Wir laufen zunächst ein Stück auf der schmalen Straße von Szczawa nach Zalesie und erreichen zu Fuß den Parkplatz Leśny Wyrębiska. Was für ein Glück, das Auto stehen gelassen zu haben – unterwegs eröffnen sich immer wieder wunderbare Blicke auf die bewaldeten Hänge und Freiflächen der Berglandschaft.
Vom Parkplatz beginnt dann der Aufstieg. Der Weg führt fast ausschließlich durch den Wald und verläuft über längere Strecken auf steinigen Pfaden. Kurz vor dem Gipfel brauche ich eine Pause und verdrücke den Großteil unseres Proviants, der eigentlich für oben vorgesehen war.
Der Gipfel selbst ist bewaldet. Deshalb wurde dort ein Aussichtsturm errichtet. Die letzten Stufen lohnen sich: Oben eröffnet sich eine großartige Rundumsicht. Ganz im fernen Süden zeichnet sich die scharfkantige Linie der Hohen Tatra ab, während sich nach Norden die bewaldeten Kuppen der Inselbeskiden langsam dem polnischen Flachland zuwenden.
Lange halte ich es dort oben allerdings nicht aus. Ein eiskalter Wind pfeift mir um die Ohren und lässt Arme wie Beine schlottern.
Vielleicht zwanzig Menschen haben an diesem Tag wie wir den Weg hinauf gefunden und genießen den Höhepunkt ihrer Wanderung.
Nicht, dass Wanderstöcke auf dem Hinweg wirklich notwendig wären. Beim Abstieg helfen sie jedoch, auf dem losen Geröll die Balance zu halten.
Kurz vor dem Parkplatz entdecken wir schließlich eine große Wiese mit hölzernen Liegebänken. Wir machen es uns bequem und beobachten, wie Berge und Wälder im Wechselspiel von Licht und Schatten ständig ihre Farben und Konturen verändern und die Schatten der Wolken langsam über ihre Rücken ziehen.
Spaziergänge rund um unser Haus
Komoot ist leider kein besonders guter Routenplaner in Polen – das hatten wir schon im vergangenen Jahr festgestellt. Als Alternative habe ich Mapy.cz aufs Handy geladen, das hier deutlich bessere Wege kennt.
Da wir gern direkt von unserer Unterkunft loslaufen, ohne jedes Mal das Auto bewegen zu müssen, suche ich einige Touren in unmittelbarer Umgebung. Eine davon soll um den Gipfel eines kleinen Berges direkt neben unserem Haus führen. Den Weg, den sowohl Komoot als auch Mapy.cz vorschlagen, gibt es allerdings inzwischen nicht mehr – vielleicht ist er auch einfach nur vom sommerlichen Grün überwuchert. Nicht wissend, ob wir das alles wieder zurücklaufen müssen, stapfen wir durch hohe, feuchte Gräser entlang einer Stromleitung, am Rand von Wiesen und Wäldern und auch gänzlich im Wald, bis wir schließlich doch den Weg finden.
Mit den knapp sieben Tagen, die wir in dieser Gegend unterwegs waren, können wir uns sicherlich nicht als Experten bezeichnen. Was ich aber mitgenommen habe: Reine Wanderwege sind eher selten. Häufig läuft man auf Schotterpisten, auf denen ab und zu ein Auto oder ein Traktor vorbeikommt.
Einem konsequenten Outdoor-Puristen mag das nicht unter die Wanderschuhe kommen. Für uns ist es eher ein Vorteil. Die Wege führen an Höfen und kleinen Siedlungen vorbei, erzählen mit ihren dunklen Holzscheunen und Wohnhäusern ebenso Geschichten wie mit den modernen Häusern, die gerade entstehen oder erst vor wenigen Jahren gebaut wurden.
Die vielen Spaziergänge auf dem Bergrücken oberhalb unserer Unterkunft haben uns mit dieser Landschaft vertraut gemacht: mit den wilden Blumen, dem Duft frisch gemähten Heus und dem Nebel, der aus dem jenseitigen Tal heraufkriecht, durch eine Lücke im Wald zieht und sich auf unserer Seite wieder auflöst wie der Dampf aus einem Teekessel.
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