detmans world
Projekte Fotografie Reiseberichte Wanderungen Radtouren Über

Die Inselbeskiden in Kleinpolen

Berge wie Inseln im grünen Meer - Heilquellen, Holzkirchen und der wilde Dunajec

23.7.2026 · Polen · Kleinpolen

Anreise in die Inselbeskiden

Dies ist der zweite Teil unserer Reise durch Südostpolen: unsere Station in den Inselbeskiden. Vom Oppelner Land aus brauchen wir für die rund 240 Kilometer fast fünf Stunden. Immer wieder geraten wir in Staus. Wir fahren über die A4, die hinter Kattowitz mautpflichtig ist, und werden anschließend durch die Vororte von Krakau geleitet, einer Großstadt mit rund 800.000 Einwohnern.

Unseren ursprünglichen Plan, Krakau ebenfalls einen Besuch abzustatten, haben wir inzwischen verworfen. Diese Stadt verdient eine eigene Reise – einer kurzen Visite würde man ihr kaum gerecht werden.

Südlich von Krakau wird die Landschaft zunehmend bergiger und einsamer. Schließlich erreichen wir Szczawa, einen kleinen Ort im Tal der Kamienica. Das Navi möchte uns über eine Fußgängerbrücke führen, doch wir finden eine Umfahrung. Anschließend geht es auf einer schmalen Straße steil den Berg hinauf, und Moni verkrampft sich zunehmend neben mir.

„Oh, diese schmalen Straßen! Hoffentlich kommt uns keiner entgegen!“

Nach rund 300 Höhenmetern folgt ein Abzweig auf eine Schotterpiste – dann sind wir angekommen, und Moni kann erst einmal wieder tief durchatmen. An diese Anfahrt werden wir uns wohl gewöhnen müssen, denke ich. Tatsächlich stellt sich schon nach wenigen Tagen eine gewisse Routine ein. Doch einem breiten Familienvan in einer engen Waldkurve rückwärts bergab Platz machen zu müssen – auf einer Straße, auf der gerade einmal zwei Radfahrer aneinander vorbeikämen –, gehört zu den Erfahrungen, auf die ich auch künftig gut verzichten kann.

Aber die mühsam erklommenen Höhenmeter belohnen uns mit einem traumhaften Refugium.

Mangels freier Unterkünfte haben wir dieses Haus gebucht, obwohl es eigentlich oberhalb unseres Budgets liegt. Das schlechte Gewissen über den Preis ist inzwischen längst verflogen. Stattdessen genießen wir den großzügigen Grundriss und die großen Panoramafenster.

Ein Meer von Inseln

Es gibt geografische Namen, die man im Laufe seines Lebens immer wieder hört und dennoch nicht richtig einzuordnen vermag. So ging es mir mit den Beskiden. Arm an Geografiewissen, aber reich an Fantasie, hielt ich die Beskiden früher tatsächlich für Inseln. Kykladen, Hebriden, Beskiden – das kann doch kein Zufall sein.

Spätestens seit unserer diesjährigen Reise durch Südpolen weiß ich endlich, dass es sich um einen Gebirgszug handelt, der zu den Karpaten gehört. Unser Standort befindet sich in den Inselbeskiden, dem Beskid Wyspowy.

Die Inselbeskiden sind geprägt durch ein Netz langer, schmaler Täler. In nahezu jedem Tal fließt ein Bach oder Fluss, an dessen Ufern Straßen und Dörfer liegen. Dazwischen erheben sich bewaldete Einzelberge wie Inseln aus einem grünen Meer. Wer durch die Region reist, folgt fast immer zunächst einem Flusstal, bevor die Straße über einen Sattel in das nächste Tal wechselt. Die Landschaft wirkt dadurch weniger wie ein zusammenhängendes Gebirge als wie ein Mosaik aus Tälern und isolierten Bergkuppen.

Gut acht Tage werden wir in dieser Landschaft verbringen. Wir werden auf den Bergen wandern und uns die Dörfer in den Tälern anschauen.

Da es viel zu sehen und zu erzählen gibt, habe ich zwei Berichte verfasst. Dieser hier behandelt die Orte.

Unser Refugium in den Bergen

Die Hügel und Berge erreichen meist Höhen zwischen 800 und gut 1.000 Metern und sind fast vollständig bewaldet. An unserem Haus führen zwar keine markierten Wanderwege vorbei, dafür aber Forst- und Schotterwege, auf denen nur gelegentlich ein Auto unterwegs ist.

Die Wege sind steil, 20 % Steigung und mehr sind keine Seltenheit. Immer wieder öffnet sich der Wald und gibt den Blick frei auf eine Landschaft, in der sich die Hügel bis zum Horizont staffeln und das Abendlicht die Kronen der Bäume plastisch hervortreten lässt. Oder Wolken steigen die Hänge hinauf, schweben zwischen Himmel und Erde und legen sich wie Wattebäusche auf die Gipfel.

Szczawa

Der Ort Szczawa liegt rund drei Kilometer von unserer Unterkunft entfernt und etwa 300 Höhenmeter tiefer im Tal. Wir entscheiden uns für eine Wanderung dorthin, um den Ort einmal richtig kennenzulernen und ihn nicht nur durch die Autoscheibe zu erleben.

Google verrät uns, dass es dort zwei Kirchen und eine Trinkhalle für Mineralwasser geben soll. Den Rückweg wollen wir später über die Straße nehmen, die wir bereits mit dem Auto gefahren sind. Für den Hinweg suche ich mit Komoot und Mapy.cz einen Waldweg.

Unterwegs kommen wir an zwei großen ehemaligen Unterkunftskomplexen vorbei, die offenbar schon seit vielen Jahren leer stehen. Vielleicht sind sie auch nie in Betrieb gegangen. Kurz darauf überqueren wir die Kamienica.

Links von uns liegt die Pijalnia Wód Mineralnych Szczawa, eine Trinkhalle, in der verschiedene natürlich mineralisierte Heilwässer ausgeschenkt werden. Für ein paar Złoty erhält man einen Liter. Ich darf mehrere Sorten probieren und entscheide mich schließlich für „Szczawa I“.

Das Wasser schmeckt ausgesprochen ungewöhnlich: leicht salzig, etwas säuerlich und durch natürliche Kohlensäure angenehm prickelnd. Es soll eine hohe Konzentration an Mineralstoffen enthalten und bietet sich deshalb nicht als reiner Durstlöscher an. Eine solche Trinkhalle würde man eigentlich in einem klassischen Kurort erwarten. Szczawa bemüht sich zwar seit Jahren um den offiziellen Status eines Heilbades, den Namenszusatz Zdrój trägt der Ort jedoch noch nicht.

Neben der Trinkhalle steht eine große moderne Kirche. Wir setzen uns wettergeschützt auf ihre Stufen und warten auf das mehrfach angekündigte Gewitter, das schließlich doch nur aus ein paar Regentropfen besteht.

Irgendwo soll es hier auch eine Holzkirche geben. Bevor wir umkehren, gehe ich noch einmal um die moderne Kirche herum – und entdecke sie direkt dahinter.

Von außen wirkt sie wie ein historisches Gotteshaus. Im Inneren ist sie farbenfroh gestaltet. Im Vorraum und außen an den Wänden befinden sich zahlreiche Informationstafeln.

Eine davon enthält auch einen Abschnitt auf Englisch. Dort erfahren wir, dass Szczawa während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiges Zentrum des polnischen Widerstands war. Die bewaldeten und schwer zugänglichen Berge boten den Partisanen gute Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. Englische Piloten versorgten sie mit Hilfsmitteln aus der Luft.

Die Partisanen gehörten zur Armia Krajowa (AK), der Heimatarmee des polnischen Untergrundstaates. Ehemalige Kämpfer der AK halfen später beim Bau der Kirche. Im benachbart gelegenen Museum befinden sich Gegenstände und Informationen zur Heimatarmee – leider bleibt die Tür während unseres Besuchs verschlossen.

Weitere Tafeln am Kirchengebäude beschäftigen sich mit der Geschichte der polnischen Kirche. Während wir lesen, kommt eine Gruppe Jugendlicher. Sie wollen in die Kirche und müssen vorher natürlich erst unsere Hündin Milli begrüßen.

Kurz darauf spricht uns ein Ordensmann an. Zu unserer Überraschung spricht er ausgezeichnet Deutsch. Fünf Jahre, erzählt er, habe er in Niedersachsen gearbeitet und auch im Raum Bielefeld gepredigt.

Er erzählt von der Rolle der katholischen Kirche während der kommunistischen Zeit. Sie sei weit mehr gewesen als eine religiöse Institution – sie habe Freiräume geschaffen, in denen sich eine unabhängige Gesellschaft entwickeln konnte.

Auf mehreren Fotos sehen wir Papst Johannes Paul II., der hier in der Gegend privat in Wanderkleidung unterwegs war. Ein weiterer großer Abschnitt ist Franciszek Blachnicki gewidmet. Der Priester gründete die sogenannte Licht-Leben-Bewegung, organisierte große Jugendtreffen und geriet dadurch zunehmend in Konflikt mit dem kommunistischen Staat. 1987 starb er im Exil in Deutschland. Heute gilt es als sehr wahrscheinlich, dass er von Mitarbeitern des polnischen Geheimdienstes vergiftet wurde.

Wir sprechen auch darüber, wie viel stärker der Glaube in Polen noch im Alltag verankert ist als in Deutschland.

„Ja“, sagt er, „noch.“

In Deutschland gehe es mit dem Glauben dagegen rasant bergab. Er denkt kurz nach und ergänzt: „Ziemlich genau seit der Zeit, als ich dort gepredigt habe.“ Dann blitzen seine Augen schelmisch auf, und er beginnt herzlich zu lachen.

Langsam beginnen wir zu verstehen, warum die katholische Kirche in Polen für viele Menschen weit mehr bedeutet als Religion. Sie ist eng mit dem Freiheitsstreben, dem Widerstand gegen den Kommunismus und damit auch mit der nationalen Identität des Landes verbunden.

Dem Dunajec folgend

Hügelketten und Gipfel, Täler und Bäche – auch durch unser Tal fließt mit der Kamienica ein Gebirgsfluss. Er mündet wenige Kilometer weiter in den Dunajec. Dem Fluss folgen wir auf unseren nächsten Ausflügen. Er gehört zu den bekanntesten Flüssen Kleinpolens. Berühmt ist er für seine Floßfahrten durch das Gebirge der Pieninen, aber auch für Kajak- und Raftingtouren.

Krościenko nad Dunajcem

Wir machen uns auf den Weg nach Krościenko nad Dunajcem, einem kleinen Ort direkt am Fluss.

Die kurze Anfahrt zieht sich wegen mehrerer Baustellen. Wir parken auf dem großen Parkplatz vor dem Ortszentrum und brauchen fast zehn Minuten, um ein Ticket zu lösen. Der Automat zeigt nur Polnisch an, das Display ist bei Sonnenlicht kaum zu erkennen, und genau in dem Moment, in dem man Google Translate zücken möchte, springt die Anzeige wieder zurück.

Der Ort liegt direkt am Fluss, der hier bereits recht breit ist und eine kräftige Strömung besitzt. Immer wieder sehen wir Schlauchboote, die mal schneller, mal gemächlicher vorbeiziehen.

Das Tal öffnet sich hier spürbar. Zwischen älteren Holzhäusern stehen Ferienbungalows, Einfamilienhäuser und kleinere Pensionen.

Ein Rad- und Fußweg führt am Dunajec entlang. Wir spazieren bis zur Kinga-Kapelle, die sich als winziges Bauwerk entpuppt – kaum größer als eine Telefonzelle.

Hier beginnt auch der Pieninen-Nationalpark. Hunde sind dort nicht erlaubt, und für eine längere Wanderung sind wir ohnehin nicht ausgerüstet. Also schlendern wir zurück und setzen uns in ein Café. Dort bestellen wir Jagodzianki, süße Hefebrötchen mit Blaubeerfüllung.

Szczawnica

Nur ein paar Kilometer weiter östlich liegt der Ort Szczawnica, den wir einige Tage später besuchen. Auch Szczawnica liegt am Dunajec; hier starten außerdem die bekannten Floß-, Paddel- und Raftingtouren.

Wir folgen der Straße bergauf, die uns in den höher gelegenen Ortsteil führt, und stellen das Auto auf einem großen Parkplatz an der Talstation der Seilbahn ab. Oben soll es schöne Wanderwege und eine Aussicht auf den markanten Felsen der Drei Kronen geben. Das entfällt für uns – Hund und Sessellift passen nicht so recht zusammen.

Macht nichts, Wandererlebnisse werden wir noch genügend haben (dazu später mehr). Uns interessiert heute vor allem der Ort. Wir spazieren weiter den Hügel hinauf und erreichen das historische Kurviertel, das Mitte des 19. Jahrhunderts entstand.

Oberhalb des eigentlichen Ortes verändert Szczawnica seinen Charakter. Die Straße steigt in ein schmales Seitental hinauf und mündet in einer Welt aus hölzernen Kurvillen, Veranden, geschnitzten Giebeln und alten Pensionen. Die Häuser wirken ein wenig schweizerisch, ein wenig wie ein polnisches Bergdorf und zugleich wie die Kulisse eines Kurtheaters aus dem 19. Jahrhundert. Einige Häuser sind renoviert, viele warten noch auf ihre Wiedererweckung. Das Ambiente spricht uns sehr an – diese eigenwillige Mischung aus handwerklich gefertigten Häusern, historischem Flair und dem morbiden Charme des Alterns und der Vergänglichkeit.

Wir spazieren durch die Straßen, vorbei am Inhalatorium, einer in den 1930er Jahren erbauten Kurklinik. Damals galt sie als eine der modernsten Lungenfachkliniken Polens und verfügte sogar über Druckkammern für Atemwegspatienten.

Oberhalb liegt der Kurpark mit seinen Skulpturen aus den 1960er Jahren. Fast automatisch gelangen wir schließlich auf den zentralen Plac Dietla, dessen Platzfläche den ursprünglichen Bachlauf überdeckt und der von liebevoll restaurierten Kurhäusern eingerahmt wird. Wir finden einen Platz im Café Helenka, essen Salat und Burger – die regionalen Spezialitäten sind leider bereits ausverkauft – und beobachten das gemütliche Treiben. Eine Handvoll Touristen schlendert über den Platz, eine Bimmelbahn fährt vorbei, und zwei Nonnen machen vor dem großen Brunnen Selfies. Direkt neben dem Café befindet sich die Trinkhalle. Zwei Frauen in weißen Kitteln stehen hinter einer Reihe von Zapfhähnen und füllen das Mineralwasser aus den Heilquellen in Flaschen.

Wieder ein Stück bergab gelangen wir zur Pfarrkirche St. Adalbert (Św. Wojciech). Rund um das Gotteshaus gruppieren sich in kleinen hölzernen Häuschen die Stationen des Kreuzwegs.

Überall gibt es Details zu entdecken. Vor einigen Häusern stehen noch in die Jahre gekommene Informationstafeln, an einem anderen Gebäude entdecken wir das Symbol der religiösen Licht-Leben-Bewegung.

Im traditionsreichen Café Martha gönnen wir uns schließlich Kaffee und Kuchen – genauer gesagt Käsekuchen mit einer Kugel Vanilleeis. An der Wand prangt ein großes Bild eines rotbäckigen Kaisers Franz Joseph, der zufrieden auf einige Flaschen Żywiec-Bier blickt.

Szczawnica gehörte zur Zeit der Entstehung des Kurortes zur Habsburgermonarchie, genauer gesagt zum Kronland Galizien. Das augenzwinkernde Werbeplakat der Brauerei Żywiec spielt auf diese Epoche an und verbindet die regionale Biertradition mit der nostalgischen Erinnerung an die kaiserlich-königliche Zeit.

Gern würden wir auch im Eglander Caffe einkehren. Das historische Café in der Villa Engländer wirkt etwas jünger und ist stärker auf Kaffee und Kuchen als auf herzhafte Mittagsgerichte ausgerichtet. Doch es ist bis auf den letzten Platz besetzt, und auf einen freien Tisch wollen wir nicht warten.

Am Czorsztyn-Stausee

Westlich von Krościenko nad Dunajcem öffnet sich ein weites Tal, das uns zum Czorsztyn-Stausee führt. Er entstand in den 1990er Jahren und staut den Dunajec vor allem zum Hochwasserschutz, dient aber auch der Stromerzeugung und der Wasserversorgung. Mit dem Bau des Stausees verschwand ein Teil des ursprünglichen Flusstals unter Wasser. Einige Häuser wurden abgetragen und an anderer Stelle, unter anderem im Ort Czorsztyn, wieder aufgebaut. Wir halten danach Ausschau, können sie jedoch nicht eindeutig ausmachen.

Grywald

Dafür entdecken wir im kleinen Dorf Grywałd eine der alten Holzkirchen, für die diese Region bekannt ist. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und steht etwas erhöht auf einem Hügel unmittelbar neben der neuen Pfarrkirche. Leider ist die Tür verschlossen, doch schon ihr Anblick von außen lohnt den kleinen Abstecher. Das honigbraune Holz, die Schindeln, das steile und tief heruntergezogene Dach und der eigenwillige Turm wirken wie ein Bild aus vergangenen Zeiten. Auf dem steinernen Mäuerchen an der Kirche sitzt ein Paar im selben Alter wie wir, das die Kirche zeichnet, dann trifft noch ein weiteres Paar ein.

Dębno

Am Westufer des Stausees, im Ort Dębno, besichtigen wir eine weitere Holzkirche. Sie gehört sogar zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Holzkirchen Europas. Wie die Kirche in Grywałd ist auch sie römisch-katholisch. Der Grundriss und die Anordnung des Kirchenraums erscheinen uns vertraut, doch die reiche Bemalung der Wände und Decken sowie die kunstvollen Schnitzereien verleihen ihr einen ganz eigenen Charakter. In unserer dritten Reisestation, den Niederen Beskiden, werden wir schließlich die Kirchen der Lemken kennenlernen. Jene gehören überwiegend der griechisch-katholischen Tradition an und beeindrucken ebenfalls durch farbenprächtige Malereien und meisterhafte Holzschnitzereien. Mit ihren Zwiebeltürmen und den Ikonostasen zeigen sie jedoch deutlich ihre Wurzeln in der slawischen Ostkirche. Die Kirche hier in Dębno wird sich für uns rückblickend wie ein Einstieg in die Ostkirchen lesen lassen. Und welch ein Kontrast zu dem Prunk und Gold der Wallfahrtskirche in Tschenstochau – diese Kirche ebenso wie die in Szczawa!

Am Nordufer des Stausees legen wir eine kleine Pause ein. Eigentlich hatten wir auf ein Café gehofft, stattdessen finden wir nur einen kleinen Foodtruck mit Kaffee und Limonade. Also spazieren wir ein Stück am Wasser entlang. Zwei Mädchen verkaufen ebenfalls selbstgemachte Limonade, unzählige Radfahrer ziehen auf dem Uferweg an uns vorbei, und eine muslimische Familie stellt Kaffee und Limonade beiseite, breitet Decken aus und kniet sich zum Gebet nieder. In einem überwiegend katholisch geprägten Land wie Polen ist das noch immer ein eher seltener Anblick. Gerade deshalb wirkt die Selbstverständlichkeit, mit der hier alle ihren Nachmittag verbringen, besonders schön.

Wir befinden uns hier in Podhale, dem Land am Fuß der Hohen Tatra. Südlich von uns liegen die Pieninen mit ihren markanten Kalkfelsen, dahinter erhebt sich bereits die Tatra. Ganz in der Nähe befindet sich Zakopane, der bekannteste Wintersportort Polens. Podhale ist zugleich die Heimat der Goralen, der polnischen Bergbewohner, deren Trachten, Musik und Traditionen bis heute das kulturelle Leben der Region prägen. Um manche von ihnen ranken sich Geschichten über Räuber und Freiheitskämpfer, die in den Bergen Zuflucht suchten. Von hier stammt auch der Oscypek, ein geräucherter Schafskäse, der traditionell über dem Feuer hergestellt wird. Warm serviert und mit Preiselbeeren gegessen gehört er inzwischen zu unseren Lieblingsgerichten.

Für die Rückfahrt wählen wir nicht denselben Weg, sondern überqueren die Gorce. Das bewaldete Gebirge erhebt sich nördlich von Podhale und bildet den Übergang zu unseren Inselbeskiden. Immer wieder bieten sich wunderbare Ausblicke, auf denen man am liebsten hinter jeder Kurve noch einmal anhalten möchte.

Szczawnica

Kommentare

Lade Kommentare …


Kommentar schreiben

Dein Kommentar wird nach Freischaltung veröffentlicht. Dein Name wird angezeigt, deine E-Mail-Adresse nicht. Werbliche oder themenfremde Kommentare werden nicht veröffentlicht.

Formatierung möglich: **fett**, *kursiv*, `code`, Listen, Absätze.