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Zwischen Oppeln und Kattowitz

Goldene Kornfelder, Opole und die Schwarze Madonna von Tschenstochau

15.7.2026 · Polen · Oppelner Land

Als wir letztes Jahr von unserer zweiwöchigen Polenreise zurückgekommen sind, war uns klar, dass wir wiederkommen würden.

Diesmal haben wir uns drei Stationen vorgenommen, und die Reise soll uns noch weiter nach Osten führen.

Die erste Station ist Oppeln (polnisch Opole). Knapp fünf Stunden benötigen wir für die Fahrt von Berlin. Anders als im vergangenen Jahr auf unserer Fahrt nach Glatz herrscht diesmal jedoch dichter Verkehr.

Unsere Unterkunft liegt ungefähr zwischen Oppeln und Kattowitz, sodass wir beide Städte gut mit dem Auto erreichen können. Die Umgebung – das Oppelner Land – ist überwiegend flach und von weiten Kornfeldern geprägt.

Alles anders in diesem Jahr

In diesem Jahr sind wir nicht in klassischen Tourismusregionen unterwegs. Entsprechend fällt es auch nicht leicht, passende Unterkünfte zu finden. Dass wir relativ spät buchen, macht die Suche nicht einfacher.

Unsere Unterkunft – ein Ferienhaus im Wald – entpuppt sich als zu einem Tiny House umgebauter Container. Es ist alles vorhanden, was man benötigt, sogar eine Waschmaschine und ein Geschirrspüler (beide haben wir nicht gebraucht). Der Container steht auf einer kleinen umzäunten Wiese an einer Landstraße, daneben einige Häuser und Datschen. Tagsüber fahren immer wieder Autos vorbei, gelegentlich auch Radfahrer. Abends und nachts wird es dagegen angenehm ruhig. Ich bekomme Sehnsucht nach unserer kleinen Waldhütte im Kamienica-Tal. Sie war zwar kleiner, aber deutlich uriger. Sie hatte uns Geschichten erzählt, sie gehörte genau dorthin. Der Container dagegen könnte mitsamt der Einrichtung aus einem Katalog stammen und genauso gut auf einem Dauercampingplatz in NRW stehen.

Am Nachmittag machen wir noch einen ausgedehnten Spaziergang im nahe gelegenen Wald. Kiefern, Birken, Blaubeersträucher und sandige Wege – das könnte genauso gut Brandenburg sein.

Oppeln

Gleich am nächsten Tag fahren wir nach Oppeln. Wir nehmen die direkte Strecke über die DK46. Auf der viel befahrenen Straße schiebt sich der Verkehr in langen Kolonnen aus Autos und Lastwagen nur langsam voran.

Nach reichlich einer Stunde kommen wir schließlich an und finden einen Parkplatz direkt am Rynek, dem Marktplatz. Der Platz ist großartig. Das Rathaus erinnert mit seinem Turm an italienische Vorbilder und wird deshalb manchmal auch als „venezianisch“ bezeichnet. Ringsum stehen farbenfrohe Bürgerhäuser, in den Kolonnaden finden sich Geschäfte.

Wir umrunden den Platz und schlendern anschließend durch die angrenzenden Straßen. Sie wirken allerdings deutlich unspektakulärer, als wir erwartet hatten. Wir besuchen noch eine Kirche östlich des Zentrums und gehen anschließend zur Oderinsel, finden dort jedoch ebenfalls nicht das, was wir uns erhofft hatten, sondern vor allem viel Autoverkehr.

Erwartungen

Bei Moni macht sich eine Spur von Enttäuschung breit, sie hatte ja die Regionen ausgekundschaftet. Erwartet hatten wir eine südpolnische Region abseits der großen Tourismuspfade, in der wir mit offenen Augen unsere eigenen Entdeckungen machen und uns an den kleinen Besonderheiten erfreuen können.

Ich würde sagen: Das Oppelner Land hat diese Erwartungen erfüllt – im Wortsinn. Wie ich später gelesen habe, gehört die Woiwodschaft Opole zu den Regionen mit der geringsten touristischen Bedeutung in Polen. Wir aber tun uns schwer damit, der geschäftigen Alltäglichkeit dieses Landstrichs ihre Geheimnisse zu entlocken.

Schließlich setzen wir uns in Oppeln am Rynek in ein Café, essen leckere Pierogi, trinken einen Kaffee und genießen einfach die Atmosphäre des Platzes. Neben uns sitzen eine junge Frau und ein älterer Herr. Milli lässt sich bereitwillig kraulen und versetzt die Frau in Entzücken, und ich bedaure erneut, dass ich kein Polnisch spreche.

Für die Rückfahrt wähle ich bewusst eine andere Strecke. Sie führt durch schöne Landschaften, vorbei an Kornfeldern, kleinen Dörfern und Wäldern – deutlich entspannter als die Hinfahrt.

Jasna Góra

Einen Tag haben wir noch im Oppelner Land, bevor es weitergeht. Wir nutzen ihn für einen Besuch von Jasna Góra in Tschenstochau.

Jasna Góra gehört zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Europas und ist vor allem für die Ikone der Schwarzen Madonna bekannt.

Jährlich pilgern drei bis vier Millionen Menschen hierher. Das Heiligtum ist eng mit der Geschichte Polens verbunden und besitzt bis heute eine große religiöse und nationale Bedeutung.

Auch Tschenstochau erreichen wir über die stark befahrene DK46, diesmal in östlicher Richtung. Wir parken am oberen Ende der rund zwei Kilometer langen Allee, die auf das Paulinerkloster zuführt. Das Kloster liegt auf dem Hügel Jasna Góra – dem „Hellen Berg“ – und sein Kirchturm ist schon von weitem sichtbar.

Die gesamte Anlage erinnert an eine Festung, deren Ecken wie spitze Pfeile herausragen. Mächtige Mauern und Bastionen umgeben das Kloster und verleihen ihm einen wehrhaften Charakter.

An diesem Tag ist überraschend wenig Betrieb. Wie so oft gehen wir nacheinander hinein, denn Milli muss draußen bleiben. Hunde sind in den Kirchen nicht erlaubt.

Mehrere Torbögen führen in den inneren Klosterhof, in dem die große Basilika und die kleinere Gnadenkapelle mit der Schwarzen Madonna unmittelbar nebeneinander liegen.

Die prachtvolle Ausstattung der Basilika ist beeindruckend. Gold, Marmor und aufwendige Verzierungen prägen den Innenraum. Gleichzeitig fällt auf, wie viele Menschen hier still beten. Manche sitzen in den Bänken, andere knien mitten im Mittelgang. Alle Altersgruppen, alle gesellschaftlichen Schichten sind vertreten. Schnell wird deutlich, dass dies vor allem ein Ort des Glaubens und nicht einfach eine Touristenattraktion ist. Deshalb beschränke ich mich auf einige wenige Fotos und verzichte darauf, jeden Winkel zu erkunden.

Ähnlich empfinde ich es in der Gnadenkapelle. Auch sie ist in erster Linie ein Ort für Gläubige. Moni entdeckt noch an der Seite eine Wand voll mit Gehstöcken, die von den Pilgern und Besuchern als Zeichen ihrer Heilung abgegeben wurden.

Am äußeren Festungsring finden wir schließlich ein kleines Café. Milli bekommt Wasser, wir Kaffee und Kuchen, während uns die kräftige Klimaanlage fast einfriert.

Danach geht es zurück zur Allee. Bevor wir ins Auto steigen und die Rückfahrt antreten, schlendern wir noch ein Stück die breite Promenade hinunter und durch einige Seitenstraßen wieder zurück zum Parkplatz.

Weiter geht’s

Am Abend summt das Handy mehrfach. Wir erhalten Unwetterwarnungen. Das große Unwetter bleibt jedoch aus. Nur wenige Tropfen trommeln auf das Blechdach unseres Containers – sie klingen, als würde ein Hagelsturm niedergehen.

Am nächsten Morgen wird gepackt. Unsere erste Station liegt hinter uns. Weiter geht es in das Bergland südlich von Krakau, in die Beskiden.

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