Im Schatten von Potsdam, Werder, Lehnin: Das Vogelparadies Strengsee im Naturschutzgebiet Rietzer See

Südlich der Havel zwischen Werder und Brandenburg liegt das Kloster Lehnin, und der dort gelegene Klostersee sitzt in einer Kette aus Seen, die über das Flüsschen Emster verbunden sind: Vom Lehniner Klostersee geht es nördlich in den Netzener See, den Strengsee und den Rietzer See.

Mich hatte es vor ein paar Monaten hierher verirrt, als ich eine Radtour von der Havel zum Kloster Lehnin gemacht hab. Bei dieser Tour habe ich diese Seenkette umrundet, bin aber weder dem Rietzer- dem dem Strengsee wirklich nahe gekommen. Aber Salzwiesen wie an der Küste soll es dort geben, und das hat mein Interesse geweckt, also geht es heute noch mal dort hin. Was mich dort wohl erwartet? Grasende Schafe an Nordseedeichen? Diesmal soll es aber keine Radtour werden, sondern ein Ausflug auf Schusters Rappen, zusammen mit meinem Hund Milli. Moni beschwert sich, sie will mit muss aber Bürokram erledigen. “Na dann schau ich erst mal ob es was taugt, dann machen wir das nochmal zusammen”, versuche ich zu trösten.

Tourstart in Netzen

Los geht es in Netzen. Der Ort liegt westlich am Netzener See, 2 Kilometer von der Autobahnausfahrt Netzen der A2 entfernt. Ein Parkplatz in der Straße “Am See” Ecke Lerchenweg ist ein guter Startplatz. (Google Maps Link)

Durch den Bruchwald zum Emster Kanal

Vom Parkplatz aus geht es zunächst die Straße “Am See” weiter, dann links am Feld in den Weg “Am Einstich” hinein. Hier findet sich ein kleiner Bootsanleger, links un diesen herum führt ein Pfad durch einen hübschen Bruchwald. Der Weg schlängelt sich zwischen BBaumstämmen hindurch, das Wasser des Netzener Sees glitzert zwischen den Blättern. Die heißen Tage mit der elendig langen Dürreperiode scheinen erst einmal zu Ende zu sein - es geht ja auf September zu - und der Weg ist tatsächlich matschig von den Gewitter-Regengüssen der letzten Tage.

Der Hobbit-Wald geht zu Ende, und der Weg geht nun ein Stück am Emster Kanal entlang. So schnurgerade, wie er verläuft, ist klar dass es kein natürliches Fließgewässer ist, aber immerhin ist er von üppig grünen Bewuchs besäumt.

Idyllischer Waldpfad im Erlenbruch bei Netzen
Idyllischer Waldpfad im Erlenbruch bei Netzen
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f5.6; 1/45 sec; ISO 1600
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Brücke über den Emster Kanal

Nach 500 Metern erreichen wir die Brücke über den Kanal. Ich bin überrascht eine breite Brücke vorzufinden - ich hatte mehr mit einem ollen Steig gerechnet, der mich ins Niemandsland führt. Auf der Brücke sprintet meine Milli erst mal los und begutachtet und beschnüffelt eine Frau, die ebenfalls hier in den Morgenstunden unterwegs ist.

Brücke über den Emster Kanal
Brücke über den Emster Kanal
Fotografiert mit: iPhone 13 Pro Max 5.7mm (≙ 26mm Vollformat); f1.5; 1/440 sec; ISO 50
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Blick von der Brücke in den Emster Kanal
Blick von der Brücke in den Emster Kanal
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f5.6; 1/125 sec; ISO 200
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Beobachtungsturm am Strengsee

Nach der Brücke geht es links am Kanal weiter, und dann folgt auch gleich rechts ein Stichweg zum Vogel-Beobachtungsturm. Die Frau von der Brücke hat den gleichen Weg, in der Hand eine Kamera mit langem Tele, aber “Das wird heute wohl nix”, sagt sie. Zu spät, nix los. Um gute Fotos von den Vögeln zu machen, muss man zum Sonnenaufgang vor Ort sein. Und tatsächlich - gähnende Leere. Auf den Turm gehts es dann natürlich dennoch, wir plaudern über Fotografie (“Einen Eisvogel will ich mal fotografieren!”, schwärmt sie) und Grundstückspreise (sie ist gerade erst aus Brieselang hierher gezogen,), dann trennen sich die Wege. Ich gehe weiter am Kanal lang, sie geht zurück ins neue Heim in Netzen.

Blick vom Beobachtungshaus auf den Strengsee
Blick vom Beobachtungshaus auf den Strengsee
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f7.1; 1/200 sec; ISO 200
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Farbenfrohe Früchte am Wegesrand: Gewöhnlicher Schneeball
Farbenfrohe Früchte am Wegesrand: Gewöhnlicher Schneeball
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/180 sec; ISO 200
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Durch die Moorwiesen am Strengsee nach Trechwitz

750 Meter nach dem Beobachtungsturm geht der Weg dann zwischen zwei eingezäunten Wiesen weiter. Hier ist kein Baumbestand, der Wind bläst mir ins Gesicht. Für 1 Kilometer geht der Weg durch die Landschaft, bis er dann nach einer Rechtskurve sich dem See nähert. Großes Vogelgeschrei hinter den Büschen, ich hab eeine Gruppe Kormorane gestört, die das Weite suchen. Schwalben flattern mir um den Kopf, und oben am Himmel ziehen die Kraniche. Aha, also doch ein Vogelparadies!

Das Naturschutzgebiet hört hier nun auf, es geht auf einem Feldweg schnurgerade weiter Richtung Trechwitz. Der Mais steht meterhoch und hat Hitze- und Dürre gut überstanden, was wohl an der Beregnungsanlage liegt, unter der wir hindurchgehen.

Weg durch die Wiesen am Strengsee
Weg durch die Wiesen am Strengsee
Fotografiert mit: iPhone 13 Pro Max 1.6mm (≙ 13mm Vollformat); f1.8; 1/440 sec; ISO 32
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Weg durch die Wiesen am Strengsee
Weg durch die Wiesen am Strengsee
Fotografiert mit: iPhone 13 Pro Max 5.7mm (≙ 26mm Vollformat); f1.5; 1/1250 sec; ISO 50
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Beregnungsanlage am riesigen Maisfeld
Beregnungsanlage am riesigen Maisfeld
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f10; 1/110 sec; ISO 200
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Zugvögel am Himmel
Zugvögel am Himmel
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f10; 1/420 sec; ISO 200
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Von Trechwitz nach Trechwitz Siedlung

Für einen Kilometer geht es etwas eintönig durch das Maisfeld, dann stehen wir vor einem großen landwirtschaftlichen Betrieb, der sich sorgsam vor neugierigen Blicken schützt. Vor dem Betrieb geht es rechts, und plötzlich laufen wir auf einer Straße. Hund muss an die Leine, allerdings kommen kaum Autos. Die Straße kenne ich, dämmert es mir, hier bin ich auf meiner besagten Radtour von Lehnin aus Richtung Götz geradelt.

Für 1 Kilometer geht es auf der Allee weiter, die Kastanien hängen grün und stachelig an den Zweigen, doch die Blätter sind kraftlos und braun. Es scheint gerade noch Kraft da gewesen zu sein, dem Kastanien-Nachwuchs einen guten Start ins Leben mitzugeben.

Verbindungsstraße nach Trechwitz
Verbindungsstraße nach Trechwitz
Fotografiert mit: iPhone 13 Pro Max 5.7mm (≙ 26mm Vollformat); f1.5; 1/640 sec; ISO 50
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Kastanien am verdurstetem Baum
Kastanien am verdurstetem Baum
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f3.6; 1/110 sec; ISO 200
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Durch die Salzwiesen zur Brücke

Kurz vor dem Ortsteil Trechwitz-Siedlung geht rechts ein Weg ab, in den wir einbiegen. Es folgen ein paar Datschen am Netzener See, dann sind wir wieder ungestört in der Einsamkeit der Landschaft. Nach rund 700 Metern macht der Weg eine Linkskurve, und ein Schild informiert uns über die besondere Fauna der Salzwiesen. Ehrlich gesagt, kann ich nicht erkennen, dass hier jetzt irgendwas nach Küstenlandschaft aussieht. Aber der Blick zum Netzener Sees streift über Feuchtwiesen, auf denen das Wasser steht. Im Frühjahr sind hier bestimmt Heerscharen von Vögeln.

Nun geht es noch 1,3 Kilometer weiter; links erscheint ein Acker, und vor uns liegt wieder der Emster Kanal. Die Brücke folgt alsbald, und wir wechseln wieder die Seite.

Infotafel zu den Salzwiesen in Brandenburg
Infotafel zu den Salzwiesen in Brandenburg
Fotografiert mit: iPhone 13 Pro Max 5.7mm (≙ 26mm Vollformat); f1.5; 1/1800 sec; ISO 50
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Feuchtwiese in der Moorlandschaft zwischen Strengsee und Netzener See
Feuchtwiese in der Moorlandschaft zwischen Strengsee und Netzener See
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f3.6; 1/800 sec; ISO 200
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Salzwiesen
Salzwiesen
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f8; 1/170 sec; ISO 200
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Salzwiesen
Salzwiesen
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/1250 sec; ISO 200
(ungefährer) Kamerastandpunkt auf Google Map

Zurück zum Parkplatz

Den Weg zum Parkplatz gehe ich auf dem gleichen Weg wie zu Beginn der Tour. Am Parkplatz ist jetzt etwas mehr los; Kanus werden aufgeblasen und zum Wasser getragen. Milli springt springt ins Auto, ich hinterher. Ab nach Hause, und Moni erzählen wie es war, und überlegen wann wir noch mal zusammen herkommen.

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