Nirgends lässt sich die entbehrungsreiche Geschichte des einsamen Havelländischen Luch besser erleben als auf dem Buckower Pilgerweg.

Eine Insel im Sumpf

Seit jeher wehrt sich das Westhavelland gegen die Unterwerfung durch den Menschen. Aus den Abschürfungen der eiszeitlichen Gletscher geformt, den Fluten von Havel und Elbe widerstandslos ausgesetzt, bestand das Land aus Sümpfen und Mooren mit sandigen Inseln mittendrin, die bald nach gewaltsamen Christianisierung der Mark Brandenburg durch Albrecht den Bären im 12. Jahrhundert von Germanen besiedelt wurden.

Eine solche Insel im Luch ist auch Buckow im Havelland, seinerzeit nur durch einen Damm mit dem Umland verbunden. Einer blutenden Hostie in der alten Dorfkirche ist es zu verdanken, dass Buckow zu einem Pilgerort wurde, und mit den über Ablasszahlungen erworbenen Mitteln konnte dann im 14.ten Jahrhundert die Wallfahrtskirche erbaut werden, die heute immer noch dort steht. Fackeln und Lichter im Turm wiesen den Pilgern in der Dämmerung den Weg durch die Sümpfe.

Karges Land und bescheidener Lohn

Nach der Trockenlegung der Moore und Sümpfe im 18.ten Jahrhundert war zwar Land gewonnen, doch für die Bauern blieb der Lohn der Arbeit spärlich - die sauren und mageren Böden ließen intensive Landwirtschaft nicht zu.

Allenfalls Grünland gedeiht hier, und so blieb das Havelländische Luch weiterhin eine Art Meer - spärlich durchzogen von Straßen erstreckt sich Grünland von Horizont zu Horizont.

Der Pilgerweg

Ein wunderbarer Pilgerweg führt von der Wallfahrtskirche westwärts durch einen Hain aus Kiefern, Eichen und Birken, und in sieben Stationen wird die Geschichte lebendig. Den Weg kann man auf eigene Faust gehen, aber zu einem Erlebnis wird er, wenn man den Flyer aus dem Kasten an der Kirche Buckow mitnimmt, an den vorgesehenen Stationen innehält, und die eindrücklichen Erläuterungen liest.

Die Stationen Eis - Wasser - Kampf - Sand - Glück - Erde - Feuer greifen die geologischen und kulturhistorischen Ereignisse auf, die diesen Landstrich formten.

Und mit jedem Schritt tritt man ein in die Geschichte und entwickelt die Liebe zu diesem märkischen Flur, dem - einem Aussenseiter gleich - die allgemeine Aufmerksamkeit bislang versagt ist. Denn wer in Brandenburg von Buckow schwärmt, meint meistens jenes Buckow in der Märkischen Schweiz, und nicht dieses Buckow im Luch, das sich so grausam auf Fluch reimt.

Für Vogelkundler indes ist das Märkische Luch auch heutzutage ein Wallfahrtsort, da hier die stark gefährdete Großtrappe ansässig ist und im Frühjahr beim Balztanz seine Unterwäsche zeigt.

Am Ende der Welt

Wenn man dann an der Station 4 - “Glück” - auf der Bank sitzt und in das wogende Meer der Grashalme vor einem blickt, dem Zirpen der Grillen und dem Gezwitscher der Vögel lauscht, da glaubt man fast, dass die Erde flach ist. Denn hier ist sie ganz offensichtlich zu Ende.

Pilgerweg-Flyer

Der Inhalt des Pilgerweg-Flyers ist in diesem Artikel nicht abgebildet - er gehört in die Hand des Wanderers, um vor Ort in den Kopf, und vielleicht auch ins Herz zu gelangen.

Die Buckower Wallfahrtskirche
Die Buckower Wallfahrtskirche
Fotografiert mit: X-T2 10.0mm (≙ 15mm Vollformat); f8; 1/340 sec; ISO 250

Eichen, Kiefern, Birken und sandiger Boden - Buckower Pilgerweg
Eichen, Kiefern, Birken und sandiger Boden - Buckower Pilgerweg
Fotografiert mit: X-T2 90.9mm (≙ 136mm Vollformat); f4.5; 1/600 sec; ISO 1000

Grünland bis zum Horizont - das trockengelegte Luch
Grünland bis zum Horizont - das trockengelegte Luch
Fotografiert mit: X-T2 35.0mm (≙ 53mm Vollformat); f1.4; 1/4000 sec; ISO 200

Schilder markieren die Stationen auf dem Buckower Pilgerweg
Schilder markieren die Stationen auf dem Buckower Pilgerweg
Fotografiert mit: X-T2 35.0mm (≙ 53mm Vollformat); f1.4; 1/2900 sec; ISO 250

Pferdekoppel an der ehemaligen Uferlinie der Insel
Pferdekoppel an der ehemaligen Uferlinie der Insel
Fotografiert mit: X-T2 105.5mm (≙ 158mm Vollformat); f5.6; 1/1250 sec; ISO 250

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