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Voigtländer Bessa L und Super-Wide-Heliar 15mm f4.5

Eine Superwide Kamera für das Kleinbild ohne Schnickschnack. Analog only.

15.8.2026 · Kamera

Ich habe mir die Voigtländer Bessa L im Jahr 2000 gekauft – allerdings nicht der Kamera, sondern des Objektivs wegen, das sich auch an Messsucherkameras nutzen lässt.

Eine Kamera mit Aufstecksucher und einem Superweitwinkel-Objektiv war ungewöhnlich und fand einiges Presseecho. Und auch heute noch ist sie eine ganz besondere Analogkamera. Cosina brachte sie 1999 als erstes Gehäuse des neuen Voigtländer-Systems auf den Markt. Sie hatte weder Sucher noch Entfernungsmesser und war damit konsequenter reduziert als fast jede andere Kleinbildkamera ihrer Zeit.

Meine Motivation

Im Jahr 2000 wollte ich mir endlich einen Traum erfüllen und eine Leica M6 anschaffen. Ein Baustein meines geplanten Objektivsystems sollte dabei das 15-mm-Super-Wide-Heliar von Voigtländer sein. Das Objektiv bekam ausgezeichnete Kritiken: scharf, kontrastreich, erstaunlich verzeichnungsarm und weitgehend unempfindlich gegenüber Streulicht.

Anders als vergleichbare Superweitwinkel für Spiegelreflexkameras lassen sich Objektive für Messsucher- und Kompaktkameras sehr kurz bauen, weil kein Spiegelkasten berücksichtigt werden muss. Das Super-Wide-Heliar wiegt gerade einmal gut 100 Gramm.

Eine gute Rechtfertigung also für den Einstieg in das Leica-M-System – auch wenn das Objektiv das Leica-Schraubgewinde M39 besitzt, für die Leica M einen Adapter braucht und zudem nicht mit dem Entfernungsmesser gekoppelt ist.

Aber einen Entfernungsmesser braucht man bei 15 Millimetern ohnehin kaum. Schon bei Anfangsblende f/4,5 ist die Schärfentiefe enorm. Auf ungefähr zwei Meter eingestellt, reicht sie nach klassischer Kleinbildrechnung etwa von einem Meter bis unendlich. Man stellt die Entfernung einmal ein und kann sie anschließend weitgehend vergessen.

Die Kamera

Man nehme eine bewährte Cosina-Kamerakonstruktion und streiche alles weg, was man für ein solches Objektiv nicht braucht: Spiegel, Prisma, eingebauten Sucher und erst recht den Entfernungsmesser.

Heraus kommt eine sehr leichte Kamera mit Aufstecksucher, einem mechanisch gesteuerten Metalllamellenverschluss bis 1/2000 Sekunde und mittenbetonter TTL-Belichtungsmessung.

Da es keinen Sucher gibt, in den sich Belichtungsinformationen einspiegeln ließen, sitzen drei Leuchtdioden einfach schräg in der hinteren Kante des Gehäuses: Überbelichtung, korrekt, Unterbelichtung.

Und einen mechanischen Selbstauslöser gibt es auch noch.

Für den Belichtungsmesser braucht die Kamera zwei Knopfzellen. Der Verschluss selbst funktioniert vollständig mechanisch – fotografieren kann man also auch ohne Batterie.

Das Gehäuse wiegt nur rund 320 Gramm. Zusammen mit dem kleinen 15-mm-Heliar und dem Aufstecksucher entsteht eine erstaunlich leichte Kombination.

Zusätzlich zum 15er gab es weitere Objektive mit Schraubgewinde. Besonders das Snapshot-Skopar 25 mm f/4 bot sich als Alternative an. Auch bei 25 Millimetern lässt sich gut mit Zonenfokus arbeiten: Auf die Hyperfokaldistanz eingestellt, reicht die Schärfentiefe bei Blende 4 ungefähr von 2,6 Metern bis unendlich, bei Blende 8 bereits ab etwa 1,3 Metern.

Noch extremer ist das 12mm f5.6, das Voigtländer im Jahr 2000 herausbrachte - ebenfalls rektilinear, also ohne Fisheye-Effekt.

Anmerkung: Bei meinem Objektiv ist der Beschriftungsring mit der Produktbezeichung abgefallen - deswegeb sieht es etwas “nackig” aus.

Technische Daten

  Voigtländer Bessa-L
Modell Voigtländer Bessa-L
Objektivanschluss M39
Filmformat Kleinbild (135 / 24×36)
Produktionszeitraum 1999 – 2003
Verschluss Mechanisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten 1s – 1/2000s
Selbstauslöser Mechanisch
Belichtungssteuerung Manuell
Fokussiermethode Manuell
Sucher Aufstecksucher
Standardobjektiv Super-Wide Heliar 15mm f4.5
Stromversorgung 2x LR44
Gewicht 450g
Modell
Voigtländer Bessa-L
Objektivanschluss
M39
Filmformat
Kleinbild (135 / 24×36)
Produktionszeitraum
1999 – 2003
Verschluss
Mechanisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss
Verschlusszeiten
1s – 1/2000s
Selbstauslöser
Mechanisch
Belichtungssteuerung
Manuell
Fokussiermethode
Manuell
Sucher
Aufstecksucher
Standardobjektiv
Super-Wide Heliar 15mm f4.5
Stromversorgung
2x LR44
Gewicht
450g

Handhabung

Die Kamera bedient sich überraschend gut. Das ist zum Teil dem Konzept geschuldet: Scharfstellen muss man im normalen Gebrauch praktisch nicht.

Zum anderen sind die Leuchtdioden für die Belichtungseinstellung sehr geschickt platziert. Sie sitzen schräg in der Gehäusekante und lassen sich deshalb sowohl von oben als auch von hinten erkennen – sogar mit dem Auge am Aufstecksucher und sowohl im Quer- als auch im Hochformat.

Zu beachten ist bei einem 15-mm-Objektiv natürlich, dass sich sehr viel Himmel im Bild befinden kann. Das kann die mittenbetonte Belichtungsmessung beeinflussen. Ich habe deshalb häufig etwas nach unten auf den Boden gezielt, dort die Belichtung eingestellt und anschließend den endgültigen Bildausschnitt gewählt.

Auslösen kann man erst, wenn der Filmtransporthebel aus seiner Ruheposition herausgeklappt ist. Nikon lässt grüßen.

Der Auslöser selbst hat einen relativ langen Weg. Daran muss man sich etwas gewöhnen; drückt man ihn zu beherzt durch, verreißt man die leichte Kamera schnell. Bei dem starken Weitwinkel können dann Linien schnell kippen.

Der Aufstecksucher lässt sich für mich als Brillenträger nicht vollständig überblicken, aber fast. Im Gegensatz zum Objektiv bildet er gerade Linien zum Rand hin sichtbar gekrümmt ab. Das betrifft vor allem die Randbereiche; der spätere Bildausschnitt lässt sich trotzdem ausreichend gut einschätzen.

Erfahrung

Eigentlich hatte ich mir das Kit als Objektivspender für die Leica M6 angeschafft, aber am Bessa-L-Body ergibt das Objektiv für mich mehr Sinn.

Zum einen ist die Perspektive eines 15-mm-Objektivs schon sehr extrem. Für die Art von Reportagefotografie, für die ich die M6 hauptsächlich nutzte, gefiel mir das nicht immer. Das Super-Wide-Heliar ist kein etwas weiteres 28er oder 21er, sondern erzeugt mit seinem Bildwinkel von rund 110 Grad eine ganz eigene Bildsprache. In einer Mischung mit 35- und 50-mm-Aufnahmen können die Bilder des 15ers schnell grotesk wirken.

Zum anderen ist die Bessa L so klein und leicht, dass es kaum einen Grund gibt, das Objektiv abzuschrauben. Mit montiertem Sucher und Objektiv kann man sie einfach als zweiten Body mitnehmen.

Bei einer Reise in den Schweizer Kanton Tessin hatte ich die Bessa L dabei und fotografierte schließlich einen großen Teil des Urlaubs ausschließlich mit ihr. Herausgekommen sind Bilder, die allesamt einen ungewöhnlichen Blick besitzen – und gerade deshalb als Serie sehr gut funktionieren.

Kreativität entsteht manchmal eher aus dem Mangel an Möglichkeiten. Nur mit einem 15-mm-Objektiv unterwegs zu sein, stellt besondere Anforderungen an das fotografische Sehen. Für mich bestand die Herausforderung darin, nicht jedes Mal die Extremperspektive spektakulär einzusetzen und damit jedes Foto mit demselben Effekt zu überzeichnen, sondern sie passend zum Motiv einzusetzen.

Die Bessa L heute

Auch heute werden Bessa L und 15-mm-Heliar noch vergleichsweise moderat gehandelt. Ein komplettes Set aus Kamera, Objektiv und Sucher liegt meist im Bereich einiger hundert Euro.

Natürlich ist eine Bessa L weder eine Hasselblad SWC noch eine XPan oder eine Noblex. Technisch spielen diese Kameras in anderen Klassen und verfolgen teilweise ganz andere Konzepte. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie Spezialkameras für ungewöhnlich weite Bildwinkel oder Bildformate sind. Im Gegensatz zu ihnen ist die Bessa L vergleichsweise erschwinglich.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb die spezielle Kombination aus Bessa L und Super-Wide-Heliar heute ihre Berechtigung hat. Die erste Version des 15-mm-Super-Wide-Heliar stammt aus der Filmzeit und wurde nicht für digitale Sensoren gerechnet. Sie lässt sich zwar an digitalen Leica-M- und spiegellosen Kameras verwenden, kann dort aber deutliche Probleme mit Farbverschiebungen, Vignettierung und der Abbildungsqualität in den Randbereichen zeigen. Ursache sind die sehr schräg auf den Sensor treffenden Lichtstrahlen der extrem kurz gebauten Messsucherkonstruktion. Auf Film gibt es dieses Sensorproblem nicht.

Das ursprüngliche Super-Wide-Heliar 15 mm schafft den Sprung ins digitale Zeitalter deshalb nicht wirklich. Es bleibt vor allem eine analoge Linse, die sich an der Bessa L wohlfühlt und ihr ihre Daseinsberechtigung gibt.

Alternativen

Liebhaber analoger Fotografie finden unter den Weitwinkel-Spezialkameras durchaus ein paar spannende Alternativen, wenngleich diese deutlich teurer sind als die Voigtländer Bessa L.

  • Hasselblad SWC – ein Klassiker für das 6×6-Format. Kein Spiegelkasten, fest eingebautes Zeiss Biogon 38 mm f/4,5. Ein Weitwinkel für das quadratische Format ist spannend, der Bildwinkel mit 90° diagonal aber längst nicht so extrem wie beim 15-mm-Heliar.
  • Fuji GSW690 – ebenfalls eine Rollfilmkamera. Ich hatte sie einige Zeit: Sie ist ziemlich groß und schwer, und mit 76° Bildwinkel beziehungsweise etwa 28 mm auf Kleinbild umgerechnet ebenfalls nur ein moderates Weitwinkel.

Im Vergleich zu beiden Kameras ist die Voigtländer Bessa L mit dem 15 mm f/4,5 wirklich ein Superweitwinkel – und zudem leicht und kompakt. Man kann sie ohne Not zusätzlich in die Fototasche packen. Und preislich ist sie deutlich attraktiver.

Ausgesprochen begehrt sind Panoramakameras mit Wechselobjektiven, allen voran die Hasselblad XPan. Sie belichtet normalen Kleinbildfilm wahlweise im klassischen Format 24 × 36 mm oder als echtes Panorama mit 24 × 65 mm. Zusammen mit dem 45 mm f/4 entstehen Panoramabilder mit einem Bildwinkel von 74° diagonal beziehungsweise 71° horizontal. Das 45er ist damit eigentlich gar kein extremes Weitwinkel – die besondere Wirkung entsteht vor allem durch das ungewöhnliche Seitenverhältnis von 2,7:1.

Wer es wirklich weit mag, konnte zum 30 mm f/5,6 greifen. Das erreicht im Panoramaformat 98° diagonal beziehungsweise 94° horizontal und entspricht hinsichtlich der Bildbreite ungefähr einem 17-mm-Objektiv auf Kleinbild. Allerdings verlangt dieses Vergnügen noch einmal einen kräftigen Aufpreis: Gebraucht kostet das 30er mit seinem speziellen Aufstecksucher und Centerfilter heute grob 2.000 Euro mehr als das 45er. Schon für eine XPan mit 45 mm muss man inzwischen meist etwa 3.500 bis 4.000 Euro oder mehr einplanen.

Spannend sind natürlich auch die Widelux-, Noblex- und Horizon-Rotationskameras. So eine würde ich gerne einmal ausprobieren! Hier wird der Film über eine gekrümmte Filmbühne geführt und von einem schwenkenden Objektiv nach und nach belichtet. Dadurch entsteht eine zylindrische Projektion, bei der gerade Linien je nach Lage im Bild gekrümmt erscheinen können. Außerdem wird das Panorama nicht in einem einzigen Augenblick aufgenommen: Während das Objektiv über das Bild schwenkt, werden die verschiedenen Bereiche des Motivs nacheinander belichtet. Gerade bei bewegten Motiven eröffnet das spannende Möglichkeiten.

Preislich bewegt man sich allerdings auch hier schon in anderen Dimensionen: Eine gebrauchte Widelux kostet grob zwischen 1.500 und 3.000 Euro, je nach Modell und Zustand. Jeff Bridges ist bekanntermaßen ein großer Freund dieser Kameras und hat sich zusammen mit seiner Frau Susan und weiteren Beteiligten daran gemacht, das Konzept wiederzubeleben. Die neue WideluxX wird in Deutschland gebaut; die erste Serie ist auf 350 Kameras begrenzt und wird derzeit für 5.200 Euro inklusive Mehrwertsteuer angeboten.

Tolle Kameras – allerdings bringt die komplexe Mechanik der präzisen Schwenkbewegung naturgemäß größere technische Risiken mit sich als eine so simpel konstruierte Kamera wie die Bessa L.

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