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Die Canon 50D - große Kamera, kleine Bilder

23.5.2026 · Kamera

Canon 50D in 2026

Die Canon 50D ist keine Kamera, die man heute wegen ihrer Leistung benutzt, sondern wegen der Art, wie sie einen wieder in eine ältere Form des digitalen Fotografierens versetzt.

Mein Bandkumpel Axel hat ausgemistet und mir seine Canon 50D überlassen – eine wirklich nette Geste. Wie fotografiert es sich mit einer knapp 20 Jahre alten DSLR?

Die APS-C-Serie von Canon

Die Canon 50D ist eine APS-C-Kamera aus dem Jahr 2008, die 5. Generation der semiprofessionellen Modelle mit ausgesprochen robustem Gehäuse.

Die 50D sitzt in dieser Reihe an einem interessanten Punkt. Sie ist schon deutlich moderner als die frühen digitalen Spiegelreflexkameras, mit Live-View, hochauflösenderem Display und 15 Megapixeln. Gleichzeitig liegt sie noch vor der Zeit, in der DSLR-Kameras mit Video, Schwenkdisplay, Touchscreen und immer besserem Autofokus auf dem Sensor zu kleinen Allround-Maschinen wurden. Sie ist nicht alt genug, um wirklich archaisch zu sein, aber auch nicht modern genug, um sich heute noch selbstverständlich anzufühlen.

Organspende

Ich hatte mir 2005 die Canon 20D - einen Vorgänger der 50D - zugelegt und intensiv genutzt, bis ich 2013 auf Fuji X umgestiegen bin. Die meisten Objektive hatte ich verkauft, einzig das für Vollformat taugliche 50mm f/1,8 hatte ich zusammen mit der Kamera behalten. Kamera und Objektiv hatte ich verliehen, doch leider sind die beiden Geräte bei einem Wohnungseinbruch entwendet worden.

Ohne Objektiv macht die Kamera natürlich keinen Sinn … und ein Objektiv extra dafür anzuschaffen, ist mir auch zu aufwändig. Aber von meiner Schwägerin hatte ich vor vielen Jahren die analoge Canon EOS 500 mit Kit 28–80mm f/3,5–6,5 geschenkt bekommen. Eigentlich bräuchte ich ja ein für den kleinen APS-C-Bildkreis gerechnetes EF-S-Objektiv, aber EOS ist EOS – das Objektiv passt, und die Steuerung des Autofokus funktioniert auch. Mehrfach hatte die Canon EOS schon verkauft werden sollen, aber keiner wollte sie haben. Schön, dass sie sich jetzt als Spender des Objektivs nützlich macht.

Aus den 28–80mm werden mit dem 1,6-fach-Crop 45–128mm. Also am unteren Ende ein Normalobjektiv mit Anfangsblende f/3,5, beziehungsweise einem Bokehlook von etwa 5,6. Naja.

Der Charme der SLR

Die 50D fühlt sich sofort vertraut an. Das Gehäuse ist fantastisch verarbeitet, Spuren der knapp 20 Jahre sind kaum zu erkennen. Eine Sollbruchstelle bei den Kameras sind die Gummi-Abdeckungen der Anschlüsse. Diese ermüden gerne im Laufe der Zeit, werden spröde und reißen dann ab. Davon ist bei meinem Modell nichts zu sehen.

Ist das schon digital?

Wenn ich normalerweise digital fotografiere, dann meistens mit elektronischem Sucher. Fuji X, manchmal auch das Smartphone, jedenfalls Kameras, bei denen ich schon vor der Aufnahme ein fertiges, elektronisch erzeugtes Bild sehe. Belichtung, Weißabgleich, Filmsimulation, Kontrast – alles ist schon da, bevor das Foto überhaupt gemacht ist.

Es ist ein überrraschender Moment, wieder eine digitale Spiegelreflex ans Auge zu nehmen, nach den vielen Jahren Fuji-EVF. Der Blick durch den Spiegelreflexsucher ist eben kein kleines Display, keine Vorschau, keine Interpretation. Man sieht nicht, was der Sensor später daraus machen wird, sondern das Licht, das durch das Objektiv fällt. Genauso, wie das Objektiv es sieht, bevor es vom Sensor verarbeitet wird.

Man könnte sagen: der beste Raw-EVF, den es gibt.

Ein wenig erinnert mich das an die Bedienung einer digitalen Leica M. Der optische Sucher verbindet einen stärker mit der physischen Welt da draußen, als es das digitale Abbild eines EVF tut.

Am meisten macht es mit dem manuellen Fokussieren Spaß. Dann kann die Kamera auch ausgeschaltet sein und man kann mit der Perspektive und dem Fokus spielen.

Abgesehen davon, dass bei dieser Kamera das Bild von einem Sensor und nicht von einem Film aufgenommen wird, ist ja eigentlich vieles wie bei einer analogen Spiegelreflex. Ist das jetzt schon analoges Fotografieren?

Vielleicht ist das Medium am Ende weniger eindeutig, als man denkt. Denn wenn ich analog fotografiere, scanne ich die Ergebnisse später sowieso und verarbeite sie noch einmal digital.

Ergebnisse

Ich hatte die Kamera bei ein paar Spaziergängen dabei. Anders als bei einer manuell zu fokussierenden Analogkamera ist die Canon 50D schnell am Auge und ich fotografiere gedankenloser und mutiger – und produziere mehr Ausschuss. Denn der begrenzte Kontrastumfang erlaubt nicht so viele Freiheiten. Gerade bei sonnigen Tagen mit hellen Lichtern und schwarzen Schatten sind die Ergebnisse schnell grenzwertig. Überstrahlte Lichter sehen bei Digitalsensoren halt nicht so doll aus. Und leider ist auch das Objektiv nicht gut. Was will man erwarten bei einer Kitlinse, die von einer Budget-Consumer-Analog-SLR stammt?

Aber als ich sie an einem nebligen Apriltag mit draußen hatte, kamen gute Bilder dabei heraus. Schön gezeichnete Farben und ein nostalgischer Touch.

Kaum EF-S Festbrennweiten

Fairerweise muss man sagen: Ich beurteile hier nicht nur die Kamera, sondern auch diese spezielle Kombination mit einem alten, einfachen Kitobjektiv. Mit einem guten EF- oder EF-S-Objektiv würde die 50D natürlich bessere Ergebnisse liefern. Ich habe rund 12.000 Fotos mit meiner Canon 20D gemacht, bis ich zu Fuji umstieg.

Die besten Ergebnisse hatte ich dabei mit dem 17–85mm f/4–5.6 Standardzoom gemacht, und diese sind ausreichend scharf und kontrastreich. Aber mir fehlten immer die lichtstarken, kompakten Festbrennweiten im Lineup des EF-S-Objektivprogramms. Solche Linsen gab es für Vollformat, nicht für APS-C.

Und das war dann auch das ausschlaggebende Kriterium für den Wechsel zu Fuji X. Meine erste Festbrennweite war das 35mm f/1.4 – ein tolles Objektiv, das immer noch sehr geschätzt wird aufgrund seines Bildcharakters.

Großer Body, kleine Bilder

Für einen Moment mal wieder eine Kamera mit begrenzten Möglichkeiten in die Hand zu nehmen, ist schön, unter anderem, weil es einen erinnern lässt.

Aber ich erinnere mich auch wie ich mit dem fetten Body der 20D und den dicken Zooms durch die Landschaft stapfte und komme mir wie ein Poser vor. Große Kamera, kleine Bilder.

Wenn jemand all meine Kameras klauen würde und nur diese hier übrig bliebe, dann würde ich mich schon ziemlich ärgern. Denn für das digitale Vergnügen ist der Kontrastumfang nicht gut genug, der Autofokus zu lahm. Die Bilder sind gut, aber weder haben sie die technische Brillanz moderner Sensoren noch den nostalgischen Charme der fast analogen Digicams der ersten Stunde.

Da ist mir dann die Canon PowerShot G3 tatsächlich noch lieber. Technisch hoffnungslos rückständig, aber die Fotos überraschen mich mit ihrem Look.

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