Olympus Mju II und Mju 1 im Test
Die Olympus Mju II (Stylus Epic) im Test: Bedienung, Filmwahl und der Vergleich mit der Mju 1
Beim Herumkramen im Karton der alten Kameras ist mir die gute alte Olympus Mju II in die Hände gefallen. Äußerlich etwas abgeschabt, aber ansonsten schaut sie gut aus.
Ob die wohl noch funktioniert? Also hab ich sie mit einer neuen Batterie und einem Film (Ilford HP5) beladen und von Zeit zu Zeit mitgenommen und fotografiert. Heute - gut ein halbes Jahr später :-) - hab ich den Film dann endlich aus der Kamera geholt und entwickelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Modell: Olympus µ[mju:]-II, bei uns meist “Mju 2” geschrieben; in den USA lief sie als Stylus Epic. Gebaut ab 1997.
- Objektiv: 35mm f/2,8, vier Linsen in vier Gruppen - eine Festbrennweite, kein Zoom.
- Belichtung: Programmautomatik, 4 Sekunden bis 1/1000 s. Kein manueller Eingriff möglich.
- Autofokus: aktives Multi-Beam-System mit drei Messzonen, Naheinstellgrenze 0,35 m.
- Film: Kleinbild (135), Empfindlichkeit automatisch über DX-Codierung, ISO 50 bis 3200.
- Batterie: eine Lithiumzelle CR123A.
- Gewicht: 135 g, spritzwassergeschützt.
- Der Vorgänger Mju 1 (ab 1991, in den USA Infinity Stylus): 35mm f/3,5, 1/15 bis 1/500 s, 170 g, nicht spritzwassergeschützt.
Wer nur wissen will, welche der beiden er kaufen soll: direkt zum Vergleich.


Die Kamera
Die Olympus ist eine sehr kleine und handliche analoge Kamera, die ab 1997 gebaut wurde - also zu der Zeit, als die Fotowelt gerade im Umbruch der Digitalisierung war. In Europa heißt sie µ[mju:]-II oder kurz Mju 2, in den USA wurde dieselbe Kamera als Stylus Epic verkauft. Beide Namen meinen dasselbe Gehäuse; entsprechend findet man sie im Gebrauchtmarkt unter beiden Bezeichnungen.
Die Kamera ist spritzwassergeschützt und hat ein sehr gutes Objektiv mit 35mm 2.8 und Autofocus. Das Objektiv sitzt hinter einem Schieber; der Strahlengang des Suchers ist gefaltet, so dass er direkt über dem Objektiv austritt (zur Vermeidung des Parallaxen-Fehlers); er hat zwei Farbdioden: grün: Scharfstellung erfolgt; orange: Blitz wird auslösen.
Die Kamera ist vollautomatisch; die Blende und Zeit (zwischen 4 Sekunden und 1/1000) werden automatisch geregelt. Und sie hat auch ein Stativgewinde - sonst würden die 4 Sekunden wohl keinen Sinn machen.
Mit Strom versorgt wird sie von einer einzigen Lithiumzelle vom Typ CR123A - dieselbe Batterie steckt auch in der Mju 1. Die gibt es nach wie vor überall zu kaufen, und sie hält lange; ein Akku ist nicht vorgesehen. Wer die Kamera länger nicht benutzt, nimmt die Zelle besser heraus, sonst ist sie irgendwann leer, wenn man sie braucht.
| Olympus Mju 2 | |
|---|---|
| Modell | Olympus Mju 2 |
| Varianten | µ[mju:]-II, Stylus Epic (USA) |
| Herkunftsland | Japan |
| Filmformat | Kleinbild (135 / 24×36) |
| Produktionszeitraum | 1997 – 2007 |
| Verschluss | Zentralverschluss |
| Verschlusszeiten | 4s – 1/1000s |
| Selbstauslöser | Elektronisch |
| Blitz | Aufhellblitz |
| Belichtungssteuerung | Programmautomatik |
| ASA | 50 – 3200 |
| Fokussiermethode | Autofokus |
| Autofokuspunkte | Aktiv Multi-Beam, 3 Messzonen, über 400 Fokusstufen |
| Sucher | Newton Sucher |
| Objektiv | Zuiko 35mm f/2,8 (4-Linser) |
| Stromversorgung | CR123A |
| Gewicht | 135g |
Welcher Film für die Olympus Mju 2?
Die Kamera ist eine Kleinbildkamera, das heisst, die kann mit Kleinbild Filmpatronen geladen werden. Es gibt die Patronen mit 24 Bildern (135-24) oder mit 36 Bildern (135-36). Gleichwertige Bezeichnungen für dieses Filmformat sind:
- Kleinbild
- 24x36 (das belichtete Negativ hat eine Fläche von 24mm x 36mm)
- 35mm (das ist die Breite des Films mit Perforation)
- 135 (das war die ursprünglich von Kodak vergebene Bezeichnung für die Filmpatrone)
Es gibt die Filme mit verschiedenen Empfindlichkeiten: Die Spanne reicht von ISO 100 bis ISO 3200 und darüber hinaus. Meistens nutzt man ISO 100, ISO 200 oder ISO 400. Höherempfindliche Filme (wie zb ISO 400 und höher) eignen sich bei schwachem Umgebungslicht (z.B. in Innenräumen, am Abend, an trüben Tagen).
Die Kamera stellt mittels DX Kodierung automatisch die Empfindlichkeit (ISO) des Films ein. Zulässige Empfindlichkeiten liegen zwischen ISO 50 und ISO 3200.
Letztlich kann man mit unterschiedlichen Filmtypen schön experimentieren; Standardfilme sind
- der Farbfilm Kodak Gold 200
- der Schwarzweiss-Film Ilford HP5 plus mit ISO 400
Film einlegen und zurückspulen
Das Filmladen geht recht einfach: Man öffnet die Rückwand, legt die Patrone in der rechten Seite ein, zieht den Film etwas heraus und fädelt/klemmt das Ende auf der linken Seite in der Spule ein. Kamera schließen, und man hört den Motor summen, der den Film bis zum ersten Bild transportiert.

Film zurückspulen
Um das Zurückspulen muss man sich normalerweise nicht kümmern: Ist das letzte Bild belichtet, spult die Kamera den Film von selbst zurück in die Patrone. Man hört den Motor laufen und sieht im Display, wie das Bildzählwerk rückwärts zählt.
Will man den Film vorher herausnehmen - weil man ihn wechseln möchte oder weil man nicht mehr weiß, was drin ist -, geht das über die Rückspultaste. Bei der Mju 2 ist das der kleine runde, versenkte Knopf auf der Rückseite rechts neben den beiden ovalen Tasten, erkennbar am Rückspul-Symbol. Bei der Mju 1 sitzt die Taste an anderer Stelle am Gehäuse; sie trägt aber dasselbe Symbol.
Wichtig: Diese Taste ist absichtlich versenkt, damit man sie nicht versehentlich drückt. Olympus schreibt in der Anleitung ausdrücklich, dass man sie mit dem Fingernagel betätigen soll - keine Nadel, kein spitzer Kugelschreiber, sonst beschädigt man den Kontakt.
Und ja: Ein halb belichteter Film, den man aus Versehen zurückspult, ist erst mal weg. Wieder einlegen und die schon belichteten Bilder überspringen geht bei diesen Kameras nicht, weil sie den Filmanfang immer bis Bild 1 vorspulen.
Tipps zur Bedienung
Beim Einschalten der Kamera (das geschieht automatisch durch das Öffnen des Schiebers) ist die Kamera immer im Auto-Blitz Modus. Wer das nicht will, muss einfach auf der Rückseite zweimal die linke Mini-Taste mit dem Blitzsymbol drücken und schaltet den Blitz aus - bis zum nächsten Einschalten der Kamera.
Die Blitzeinstellungen der linken Taste sind der Reihe nach:
- Default: Autoblitz
- Blitz immer an
- Blitz immer aus
- Autoblitz mit Rote-Augen Vorblitz
- Blitz immer an mit Rote-Augen Vorblitz
Das Autofokussystem der Olympus Mju
Die Kamera hat einen Multi-AF, das heißt, die Kamera misst an verschiedenen Punkten und berechnet daraus die Zone, die scharf gestellt werden soll. Das System dahinter nennt sich “active multi-beam autofocus”; Aktiv bedeutet, dass die Kamera selber Messtrahlen aussendet, die von den Objekten reflektiert werden; passive Systeme im Gegensatz dazu nutzen das natürlich vorhandene Licht (und versagen dann in der Dämmerung).
Der Sucher zeigt einem nicht an, welche Objekte scharf gestellt werden. Wenn man mehr Kontrolle bei der Scharfstellung haben möchte, so kann man das Messsystem auch wechseln zu einem zentralen Messkreuz (welches im Sucher eingeblendet ist). Aktivieren tut man das zentrale Messkreuz indem man beide obenliegende Tasten (die linke Blitztaste und die mittlere Selbstauslöser-Taste) gemeinsam drückt.
Olympus Mju 1 vs. Mju 2: die Unterschiede
Die Mju 1 (1991) und die Mju 2 (1997) sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich aber in Form, Objektiv und - was oft übersehen wird - im Verschluss:
| Olympus Mju 1 | Olympus Mju 2 | |
|---|---|---|
| Modell | Olympus Mju 1 | Olympus Mju 2 |
| Varianten | Infinity Stylus (USA) | µ[mju:]-II, Stylus Epic (USA) |
| Herkunftsland | Japan | |
| Filmformat | Kleinbild (135 / 24×36) | |
| Produktionszeitraum | 1991 – 1996 | 1997 – 2007 |
| Verschluss | Zentralverschluss | |
| Verschlusszeiten | 1/15s – 1/500s | 4s – 1/1000s |
| Selbstauslöser | Elektronisch | |
| Blitz | Aufhellblitz | |
| Belichtungssteuerung | Programmautomatik | |
| ASA | 50 – 3200 | |
| Fokussiermethode | Autofokus | |
| Autofokuspunkte | Aktiv, ca. 100 Fokusstufen | Aktiv Multi-Beam, 3 Messzonen, über 400 Fokusstufen |
| Sucher | Newton Sucher | |
| Objektiv | Zuiko 35mm f/3,5 (3-Linser) | Zuiko 35mm f/2,8 (4-Linser) |
| Stromversorgung | CR123A | |
| Gewicht | 170g | 135g |
Was das in der Praxis heißt:
- Die Olympus Mju 2 ist noch etwas schlanker, sie ist keilförmig und passt super in die Hosentasche
- Die LCD Anzeige und die beiden Bedientasten sitzen bei der Olympus Mju 1 auf der Oberseite (was mir persönlich besser gefällt), bei der Olympus Mju 2 sind sie auf der Kamerarückseite
- die Olympus Mju 1 hat eine Lichtstärke von 3,5 und besitzt 3 Linsen,
- die Olympus Mju 2 hat die bessere Lichtstärke 2,8 und besteht aus 4 Linsen.
- Die Olympus Mju 2 ist spritzwassergeschützt
- Der praktisch wichtigste Unterschied steht nicht auf dem Gehäuse: Die Mju 1 belichtet nur zwischen 1/15 und 1/500 Sekunde, die Mju 2 zwischen 4 Sekunden und 1/1000. Bei wenig Licht ist die Mju 1 deshalb schnell am Ende und zündet den Blitz, während die Mju 2 - auf dem Stativ oder aufgelegt - noch eine lange Belichtung hinbekommt.
- Auch der Autofokus ist ein anderer: Die Mju 2 misst über drei Zonen und stellt in über 400 Stufen scharf, die Mju 1 in rund 100. In der Praxis merkt man das vor allem an der Geschwindigkeit - die Mju 1 braucht spürbar länger, bis sie sitzt.

Außerdem wurde der Platz für die Filmpatrone getauscht, diese sitzt bei der Mju 1 rechts, bei der Mju 2 links. Wobei das natürlich keinen Einfluss auf die Bilder hat.

Ich habe nachgelesen, dass die Olympus Mju 2 eher versucht auf der Blende 2,8 zu bleiben, während die Olympus Mju 1 frühzeitiger abblendet.
Welche soll ich kaufen?
Wenn es allein um die Bildqualität bei Tageslicht geht: Nimm die, die du günstiger bekommst. Ich kann zwischen den Negativen der beiden keine großen Unterschiede erkennen, und beide Objektive sind knackscharf.
Für alles andere ist die Mju 2 die bessere Kamera - wegen der langen Verschlusszeiten, des lichtstärkeren Objektivs und des Spritzwasserschutzes. Genau deshalb ist sie gebraucht aber auch deutlich teurer.
Die Mju 1 ist die vernünftige Alternative, wenn man vor allem draußen bei Licht fotografiert und den Aufpreis nicht zahlen will. Mir persönlich gefällt außerdem die Bedienung von oben besser: Man sieht das Display und die Tasten, ohne die Kamera umzudrehen.
Welche Mju-Modelle gibt es?
Der Name “Mju” steht bei Olympus für eine ganze Familie, und da wird viel durcheinandergeworfen. Gemeint ist in den meisten Diskussionen nur eine davon:
- Mju 1 (ab 1991, US: Infinity Stylus) und Mju 2 (ab 1997, US: Stylus Epic) - die beiden Kameras aus diesem Artikel. Sie haben eine Festbrennweite von 35mm. Von beiden gab es außerdem Panorama- und Sondervarianten, die sich technisch nicht unterscheiden.
- Mju Zoom (Zoom 80, 105, 115, 140, 170 …) und Mju III (80, 100, 120, 135, 150 …) - das sind Zoomkameras. Die Zahl steht für die längste Brennweite. Ihre Objektive sind deutlich lichtschwächer, am kurzen Ende typisch f/4,5 und am langen Ende f/9 und schlechter. Sie sind billiger zu haben, aber sie sind nicht die Kamera, die den Ruf der Mju begründet hat.
- µ[mju:] Digital (Mju 300, 400, 600, 7040, 9000 …) - ab 2003 eine komplett eigene Reihe von Digitalkameras. Mit den Filmkameras haben sie außer dem Namen und dem Gehäusekonzept nichts zu tun.
Wer also “die Olympus Mju” sucht, meint fast immer die Mju 2 mit der 35mm-Festbrennweite - oder ihren Vorgänger, die Mju 1.
Schwarzweiß Film
Einen Testfilm mit einem HP5 habe ich belichtet und mit Rodinal entwickelt. Ich muss sagen, die kleine Kamera hat sich gut geschlagen. Das Objektiv ist knackscharf, die Belichtung war fast immer richtig und meistens saß auch der Fokus (manchmal vertut er sich im Nahbereich).
Bei dem letzten Bild hat die Kamera nicht den Fokus so gesetzt, wie ich ihn mir gewünscht hatte - nämlich auf dem Elefanten:

Praxis: Farbfotos mit der Olympus Mju 2 (Update 2026)
Bei unserer Reise nach Südpolen hatte meine Frau die kleine Olympus dabei, geladen mit einem Kodak Gold 200. Normalerweise fotografiert sie mit dem Handy, und die Analogkamera war zunächst ungewohnt. Ganz besonders die 35mm gegenüber den 28mm des iPhone führten dazu, dass sie die Bilder, die sie eigentlich machen wollte, nicht machen konnte - der Bildwinkel war einfach nicht weit genug. Speziell in den Dörfern und Städten mit engen Gassen muss man da umdenken.
Auch der Blick durch den kleinen Sucher mit den Bildfeldbegrenzungen liefert keinen exakten Bestimmungsrahmen, sondern eher einen unverbindlichen Hinweis darauf, was aufs Bild kommen kann - man muss etwas Luft einplanen.
Der letzte Punkt ist der Blitz: Der löst bedingungslos aus, wenn man ihn nicht abschaltet. Das kann dazu führen, dass ein Landschaftsfoto plötzlich grell überstrahlte Gräser im Vordergrund bekommt.
Entwicklung und Abzüge hat sie bei Rossmann machen lassen. Die Abzüge waren alle ziemlich kontrastarm und dunkel. Ich habe die Fotos dann gescannt und etwas aufgehellt, und nun passen sie besser.
Beispielfotos Olympus Mju 1
Ich kann keine großen Unterschiede zwischen der Olympus Mju 1 und der Olympus Mju 2 entdecken. Auch mit der Olympus Mju 1 sind die Bilder weitgehend scharf und korrekt belichtet, und der Blitz leuchtet gut aus.
Eigentlich hatte ich einen Farbfilm vollgeschossen, der noch in der Kamera war. Aber der war so alt, dass kein Bild etwas geworden ist. Also hab ich nochmal einen HP5 belichtet, diesmal aber im Verhältnis 1:50 entwickelt.
Olympus Mju im Vergleich mit anderen Kameras
Die Olympus Mju 2 ist eine gehobene Point and Shoot Kamera, sie soll in Alltagssituationen vernünftige Bilder machen.
Vernünftig heißt: Nicht verwackelt, richtig belichtet und scharf. Sowohl Fokus als auch Belichtung sind automatisch gesteuert, tun ihren Job, aber erlauben keine manuellen Eingriffe.
Großartige gestalterische Freiheiten darf man also nicht erwarten. Wer eine kompakte Kamera haben möchte und gleichzeitig Kontrolle über die Blende und die Scharfstellung nicht verlieren will, dem sei eine manuelle Kamera ans Herz gelegt. Entweder eine kompakte Spiegelreflex wie die wunderbare Pentax ME super (mit manueller Scharfstellung und zuverlässiger Zeitautomatik), eine Kompaktknipse aus den 60ern oder 70ern wie die schöne Ricoh ZF, oder die puristische großartige kleine Rollei 35. Sowohl die Rollei als auch die Ricoh lassen sich auch ohne Batterien betreiben; zur Belichtungsmessung kann man eine App, einen Handbelichtungsmesser oder einen Aufsteckbelichtungsmesser nutzen, der in den Blitzschuh geschoben wird. Ich nutze am liebsten den Handbelichtungsmesser Gossen Sixtomat digital.
Aber im Vergleich zu solchen Kameras ist die Olympus Mju ein Nobrainer - sie findet überall Platz und ist jederzeit bereit. Genau dafür ist sie gemacht, und das macht sie hervorragend.

