Schärfentiefe-Rechner für Portraits
Welche Blende und Brennweite fürs Portrait, vom Headshot bis zur Gruppe? Der Rechner zeigt bei festem Ausschnitt, was scharf wird und wie weich der Hintergrund.
Die meisten Schärfentiefe-Rechner fragen nach der Entfernung. Beim Portrait steht aber zuerst der Bildausschnitt fest: Kopf und Schultern sollen ins Bild, und mit der Brennweite änderst du den Abstand, nicht den Ausschnitt.
Dieser Rechner hält deshalb den Ausschnitt fest und zeigt, wie viel vom Gesicht oder der Person scharf bleibt und wie unscharf der Hintergrund wird. Denn häufig möchte man beides erreichen – ein scharfes Portrait vor einem unscharfen Hintergrund.
Mit „Feste Hintergrundunschärfe“ fixierst du den aktuellen Wert der Hintergrundunschärfe: Änderst du die Brennweite, wird die Blende automatisch angepasst und umgekehrt. Die Schärfentiefe des Portraits ändert sich entsprechend.
Fünf Situationen stehen zur Wahl: das Close-up, der Kopf, die Halbfigur, die ganze Figur und die Gruppe.
- AufnahmeabstandAbstand
- 1,49 m
- Bildwinkel über die BildhöheBildwinkel
- 19°
- Schärfentiefe am MotivSchärfentiefe
- 6,8 cm
- Scharf von … bisScharf von … bis
- 1,46–1,52 m
- Unschärfe 1 m hinter dem MotivUnschärfe 1 m
- 0,51 mm
- Unschärfe 10 m hinter dem MotivUnschärfe 10 m
- 1,1 mm
- Unschärfe im fernen HintergrundUnschärfe ∞
- 1,3 mm
So liest du den Rechner
- Ganz oben wählst du die Situation. Brennweite und Blende bleiben beim Umschalten stehen, so siehst du direkt, was dasselbe Objektiv in der anderen Situation macht.
- Der Lageplan zeigt die Kamera vor der Person, von der Seite gesehen. Mit längerer Brennweite rückt sie weiter weg, damit der Ausschnitt gleich bleibt. Das rote Band ist der scharfe Bereich.
- Die drei Kreise zeigen, wie stark ein Licht im Hintergrund verschwimmt: dicht hinter der Person, weiter weg und ganz weit weg. Je größer der Kreis, desto weicher der Hintergrund.
- Unten ist der Kopf vergrößert, beim Close-up das Gesicht, bei der Halbfigur der Oberkörper, bei der ganzen Figur die Person im Profil, bei der Gruppe die Köpfe der drei Reihen. Die kräftige Zone ist scharf, die helleren sind leicht weich und weich. Die Zahlen an Nase, Ohr, Hand, Fußspitze oder Reihe geben den Zerstreuungskreis als Vielfaches des zulässigen an: bis 1 ist scharf, bis 2 leicht weich, bis 4 weich, darüber deutlich unscharf.
- Bedienung: Unter den Reglern stehen gängige Brennweiten und Blenden, bei den Brennweiten rastet der Regler ein. Der Knopf stellt einen typischen Wert für die Situation ein, beim Kopf den Startwert 100mm bei f/5,6. „Feste Hintergrundunschärfe“ hält den fernen Hintergrund fest: Änderst du die Brennweite, zieht die Blende mit. Bei der Gruppe wählst du außerdem, auf welche Reihe scharfgestellt ist.
Vom Close-up bis zur Gruppe
Für die Ausschnitte gibt es eingeführte Namen, in der Fotografie, im Film und im Englischen:
| Im Rechner | Fotografie | Film | Englisch |
|---|---|---|---|
| Close-up, Gesicht, 30 cm | Großaufnahme | Groß | Close-up |
| Kopf, mit Schultern, 50 cm | Kopfportrait, Headshot | Nah | Headshot |
| Halbfigur, bis zur Taille, 90 cm | Brustbild, Halbfigur | Halbnah | Half-length |
| Ganze Figur, oft mit Umgebung, 2 m | Ganzkörperportrait, Environmental Portrait | Halbtotale | Full-length, Environmental Portrait |
| Gruppe, 3 m breit | Gruppenbild | – | Group Portrait |
Zwischen Halbfigur und ganzer Figur liegt das Kniestück bis zum Knie, auch Dreiviertelportrait genannt; seine Werte liegen dazwischen. Vorsicht beim Namen: Dreiviertelportrait meint manchmal auch den zu drei Vierteln gedrehten Kopf.
Optisch unterscheiden sich die Situationen nur im Ausschnitt. Zeigst du doppelt so viel von der Person, wächst die Schärfentiefe auf das Vierfache, und der Hintergrund wird nur noch halb so unscharf. Die Faustformel gilt dabei in jeder Situation: Halbe Brennweite mit halber Blendenzahl ergibt denselben fernen Hintergrund. Was sich ändert, ist die Frage an das Bild. Beim Close-up, beim Kopf und bei der Halbfigur ist es die Schärfe im Gesicht, bei der ganzen Figur der Hintergrund, bei der Gruppe die Schärfe über die Reihen.
Close-up: Reicht die Schärfe bis zur Nasenspitze?
Beim Close-up füllt das Gesicht das Bild, 30 cm Bildhöhe statt 50 cm. Mit dem 100mm stehst du 0,93 m vor der Person, und die Schärfentiefe schrumpft auf gut ein Drittel. Bei f/8 sind es 3,6 cm: Die Augen sind scharf, die Nasenspitze ist leicht weich, für sie brauchst du f/16. Der Hintergrund bleibt dabei weich, bei f/8 sogar weicher als beim Kopf mit f/5,6. Mit dem 85mm bist du an der Naheinstellgrenze vieler Objektive.
Kopf: Wie viel vom Gesicht ist scharf?
Augen und Nase scharf
So startet der Rechner: 100mm bei f/5,6. Das Gesicht ist von der Nasenspitze bis hinter die Augen scharf, die Ohren werden schon weich. Der Hintergrund ist deutlich unscharf, Lichter werden zu Bokeh-Kreisen. Ein guter Ausgangspunkt für das klassische Portrait.
Probier von hier aus die Brennweite: Bei f/5,6 bleibt der scharfe Bereich im Gesicht immer gleich, ob mit 50mm oder 200mm. Nur der Hintergrund ändert sich. Mit dem 50mm wird er halb so unscharf, mit dem 200mm doppelt so unscharf.
Nur die Augen scharf: 85mm f/1,4 oder 50mm f/1,8?
Bei offener Blende ist nur noch die Augenpartie scharf, schon die Nasenspitze wird weich. Das ist der Look, bei dem alles außer dem Blick verschwimmt. Das 85mm f/1,4 macht den fernen Hintergrund gut doppelt so unscharf wie das 50mm f/1,8. Steht die Person aber dicht vor einer Wand oder Hecke, schrumpft der Vorsprung: Das 50mm steht näher dran, und aus der Nähe wird ein naher Hintergrund schneller unscharf.
Noch weicher: 135mm f/2
Das 135mm bei f/2 schlägt das 85mm f/1,4 gleich doppelt. Der ferne Hintergrund wird noch weicher, und trotzdem ist im Gesicht etwas mehr scharf. Der Preis ist der Abstand: Du stehst rund 2 m vor der Person statt gut einem Meter. Nur bei einem nahen Hintergrund liegt das 85mm vorn.
Bis zu den Ohren scharf
Sollen auch die Ohren scharf werden, musst du weit abblenden, auf f/13 bis f/14. Der Hintergrund wird dabei ruhig: Mit dem 50mm bleibt nur ein leichter Weichzeichner, mit dem 200mm sind Lichter noch klar als Kreise zu sehen. Mit einem Trick reicht auch f/10, dazu der nächste Abschnitt.
Augen-Autofokus: Die halbe Schärfe liegt vor dem Gesicht
Der scharfe Bereich reicht etwa gleich weit vor und hinter die Stelle, auf die du scharfstellst. Der Augen-Autofokus stellt auf die Augen, und davor ist bis auf die Nase nur Luft. Im vergrößerten Kopf siehst du das an den blassen Zonen vor dem Gesicht. Stellst du stattdessen ein kleines Stück hinter die Augen scharf, rund 2,5 cm, rutscht der scharfe Bereich ins Gesicht: Dann reicht für Nasenspitze bis Ohr schon f/10, und die Augen bleiben trotzdem scharf. Das geht nur mit manuellem Fokus oder, wo die Kamera es erlaubt, mit einem kleinen Dreh am Entfernungsring nach dem Autofokus. Die Rechnung dazu steht im Beitrag Halbe Brennweite, halbe Blendenzahl.
Halbfigur: Gesicht scharf, Hände weich?
Bei der Halbfigur siehst du die Person bis zur Taille, die Kamera steht fast doppelt so weit weg wie beim Kopf. Das Gesicht wird damit viel leichter scharf: Für Augen und Nase reicht f/2 statt f/5,6. Schwieriger sind die Hände. Verschränkte Arme liegen rund 10 cm vor den Augen, schon das ist mehr als der Abstand zwischen Nase und Augen. Mit dem 85mm bei f/2,8 bleiben Augen und Nase scharf, Ohr und Hände werden leicht weich. Sollen auch die Hände scharf sein, blende auf f/5,6 ab.
Ganze Figur: Erzählen oder freistellen?
Beim Environmental Portrait gehört der Ort zur Geschichte: der Arbeitsplatz, die Werkstatt, die Küche. Die ganze Figur füllt das Bild in der Höhe, und damit kehrt sich die Frage um. Die Person ist fast immer scharf genug, schon bei f/1,4 ist sie von der Fußspitze bis zum Ohr so gut wie scharf. Spannend ist der Hintergrund: Bleibt er erkennbar, oder wird er zur Fläche?
Mit dem 35mm bei f/4 bleiben die Kreise winzig, der Ort ist gut zu erkennen. Das 85mm f/1,4, das beim Headshot den Hintergrund in Bokeh verwandelt, schafft bei der ganzen Figur nur ein Viertel der Unschärfe. Eine längere Brennweite hilft hier wenig: Das 135mm f/2 lässt den Hintergrund 1 m und 10 m hinter der Person sogar etwas schärfer als das 85mm f/1,4, nur ganz in der Ferne wird er etwas weicher.
Ein 35mm f/1,2 wie das Nokton oder das Noctilux macht einen nahen Hintergrund 1 m hinter der Person so weich wie das 85mm f/1,4 und zeigt dabei viel mehr vom Ort. Gegenüber f/1,4 bringt f/1,2 kaum mehr. Beim Environmental Portrait steht der Kopf aber meist außerhalb der Bildmitte, und dort sind solche Objektive offen oft weich: Prüf den Rand oder blende auf f/2 ab.
Gruppe: Wohin scharfstellen?
Bei der Gruppe stehen die Gesichter nicht mehr Zentimeter, sondern einen halben Meter hintereinander, im Rechner in drei Reihen. Der Hintergrund ist dabei fast egal, bei 3 m Bildbreite lässt er sich ohnehin kaum unscharf machen. Die Frage ist: Reicht die Schärfe von der vorderen bis zur hinteren Reihe?
Die Gesichtserkennung der Kamera greift meist das nächste Gesicht, also die vordere Reihe. Dann geht es wie beim Augen-Autofokus: Ein Teil der Schärfe liegt vor der Gruppe in der Luft. Bei f/4 wird die hintere Reihe eine Spur weich, bei f/2,8 sieht man es. Stellst du auf die mittlere Reihe scharf, reicht f/2,8 für alle drei Reihen. Das sind zwei Blendenstufen gewonnen, denn mit dem Fokus vorn brauchst du dafür f/5,6.
Die Brennweite spielt dabei kaum eine Rolle. Bei gleichem Ausschnitt und gleicher Blende sind die Reihen mit 35mm und 85mm fast gleich scharf, nur der Abstand ändert sich: knapp 3 m oder gut 7 m. Das ist die Faustformel von der anderen Seite: Bei festem Ausschnitt hängt die Schärfentiefe nur an der Blende.
Annahmen und Grenzen
- Kleinbild. Scharf heißt: höchstens 0,029 mm Unschärfe auf dem Sensor, der übliche Wert für Kleinbild.
- Close-up: Hochformat mit 30 cm Bildhöhe am Motiv, das Gesicht wie beim Kopf.
- Kopf: Hochformat mit 50 cm Bildhöhe am Motiv. Die Nasenspitze liegt 3 cm vor den Augen, das Ohr 9 cm dahinter.
- Halbfigur: Hochformat mit 90 cm Bildhöhe, die Hand 10 cm vor den Augen.
- Ganze Figur: Hochformat mit 2 m Bildhöhe, die Fußspitzen 14 cm vor den Augen.
- Gruppe: Querformat mit 3 m Bildbreite, drei Reihen im Abstand von 50 cm. Der Abstand zählt bis zur mittleren Reihe, der Hintergrund ab der hinteren.
- Abstände gerechnet wie für eine dünne Linse. Bei echten Objektiven weicht der Abstand etwas ab, die Unschärfe im fernen Hintergrund nicht.
- Beugung ist nicht eingerechnet. Ab etwa f/16 macht sie das ganze Bild etwas weicher.
- Andere Sensoren: Teile Brennweite und Blende durch den Cropfaktor, dann bekommst du dasselbe Bild. Ein 56mm f/1,2 an APS-C entspricht dem 85mm f/1,8 an Kleinbild.
Woher die Zahlen kommen
Die Formeln und ihre Herleitung stehen im Beitrag Faustformel: Halbe Brennweite – halbe Blendenzahl. Warum die Schärfentiefe-Anzeige der Fuji X anders rechnet als die Tabellen, steht in Fuji X Schärfentiefe: Filmformat Basis oder Pixel Basis?, die hyperfokale Distanz in Hyperfokale Distanz bei Fuji X. Weitere Faustregeln sammelt die Seite Faustformeln für die Fotografie.