Vergleich der beiden kompakten Kameras von Fuji mit 26 Megapixel APS-C Sensor

Fuji X-E4 (links) und Fuji X100V (rechts)
Fuji X-E4 (links) und Fuji X100V (rechts)
Fotografiert mit: X-T2 50.0mm (≙ 75mm Vollformat); f2; 1/320 sec; ISO 1250

Ich habe und nutze die beiden Fuji Kameras seit längerer Zeit häufig, und obgleich beide Kameras denselben exzellenten Sensor haben und die wunderbaren Fuji Farben produzieren, ärgere ich mich ziemlich über die X-E4.

Warum? Weil die Fuji X-E4 eine ergonomische Katastrophe ist. Müsste ich mich entscheiden, wäre die Sache klar.
Weg mit der X-E4.

Zeit, dem Ärger mal Luft zu machen und zu notieren, was mich an der X-E4 so stört, und warum die X100V so großartig ist.

Verschiedene Kameras, verschiedene Einsatzgebiete

Fuji hat seit jeher die Strategie verfolgt, denselben Sensor in verschiedene Gehäuse mit unterschiedlichen Nutzungskonzepten zu integrieren. Was die reine Bildqualität angeht, unterscheiden sich die Kameras dann nicht, aber von dem Nutzungszweck und der Bedienung.

Die X-E ist die kompakteste Version unter den Bautypen mit Wechselobjektiven, die es sonst noch gibt (X-T, X-Pro sowie X-H und X-S).Natürlich muss man da Abstriche in der Handhabung machen. Allerdings hat Fuji aber auch die X100V mit Festbrennweite im Programm, die ebenso kompakt ist wie die X-E4.

Für diejenigen, die nicht mit den Specs der Kameras vertraut sind, hier ganz kurz zusammengefasst die wichtigsten Infos:

  • Beide Kameras haben denselben Sensor (APS-C mit 26,1 Megapixel)
  • Die X-E4 hat die Möglichkeit, Objektive zu wechseln, die X100V nicht
  • Die X-100V hat einen hybriden Sucher (also EVF und optischer Sucher, umschaltbar). die X-E4 hat nur einen EVF
  • Beide Kameras haben ungefähr dieselbe Größe (wenn man sich das eingebaute Objektiv der X100V wegdenkt)

Ich verwende die Kameras ausschließlich zum Fotografieren und nicht zum Filmen; Videofunktionen benötige ich nicht. Meine hauptsächlichen Motivbereiche sind Natur/Landschaft und Reportage.

Erst kam die Fuji X100V

Naja, nicht ganz. Die Fuji X100V hatte ich vor der X-E4, aber davor hatte ich schon 10 Jahre Fuji Kameras mit Wechselobjektiven: erst die X-E1, dann die X-T2.

Als ich dann eine Hochzeit fotografieren wollte, brauchte ich eine Backupkamera. Die X-E1 ist doch arg langsam und hat einen schlechten EVF - kurzum: für eine Hochzeit, bei der man schnell und spontan reagieren muss, ist die X-E1 keine Option.

Eine X100V wollte ich immer schon haben. Mit dem Honorar für die Hochzeit und dem Erlös aus dem Verkauf meiner Fuji GSW 690 hatte ich das Geld für die X100V zusammen.

Die X100V zu kaufen war die beste Kaufentscheidung, die ich jeh für eine Kamera getroffen habe.

Die Bedienung der X100V ist ein Traum

Bei der X100V ist alles am Platz. Das festeingebaute Objektiv lässt sich super bedienen, obgleich es verdammt kurz ist. Der ISO-Regel sitzt im Zeitenrad, wie bei meinen analogen Kameras. Es gibt zwei Funktionsräder (eines vorne und eines hinten), und einen zusätzlichen belegaren Button im Umschalter für den Viewfinder. Die Kamera ist ein Handschmeichler. Es macht einfach Spaß, sie in die Hand zu nehmen, sie mitzunehmen, sie zu verwenden.

Das Objektiv der X100V ist super

Das Objektiv der X100V muss sich nicht hinter den Festbrennweiten verstecken. Und es besitzt zudem noch eine Naheinstellgrenze, die an den Makrobereich rankommt. Und selbst in diesem extremen Bereich sind die Bilder brauchbar.

X100V - Makro und verträumtes Bokeh
X100V - Makro und verträumtes Bokeh
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/32000 sec; ISO 640

X100V - Makro und schönes Bokeh
X100V - Makro und schönes Bokeh
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/950 sec; ISO 160

Das Bokeh der X100V ist schön und angenehm ruhig. Dazu passt, dass es einen eingebauten ND-Filter gibt, der sich ruck-zuck einschwenken lässt. So kann man auch bei hellem Licht offenblendig mit dem mechanischem Verschluss arbeiten, und muss nicht auf den elektronischen Verschluss wechseln.

Apropos Verschluss: die X100V hat einen Zentralverschluss, der einen zarten kurzen Klick von sich gibt. Wunderbar!

Das Bokeh des 23mm f2.0 entspricht einem 35mm 2.8 bei Vollformat. Schöner wäre zwar eine 2.0 oder 1.4, aber das lässt sich physikalisch nicht in einer so kurzen Kamera unterbringen.

Doch das Bokeh genügt, um bei Peopleshots im Freien den Hintergrund mit einer Unschärfe zu belegen: Kurzum: Bokeh ist da und nutzbar.

X100V - Portrait und Backgroundblur bei 23mm 1.4 an APS-C
X100V - Portrait und Backgroundblur bei 23mm 1.4 an APS-C
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/950 sec; ISO 160

X100V - Portrait und Backgroundblur bei 23mm 1.4 an APS-C
X100V - Portrait und Backgroundblur bei 23mm 1.4 an APS-C
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/210 sec; ISO 160

Der EVF der X100V ist besser

Die X100V hat ja einen Kombisucher, umschaltbar zwischen optischem Sucher (also quasi Glas mit eingeblendeten Infos) und einen EVF. Ich verwende zu über 90% den EVF, den optischen Sucher verwende ich nur in einem dynamischen Umfeld, um zu schauen was gleich ins Bild kommt. Aber der EVF der X100V ist deutlich besser als der der X-E4. Das mag zum einen daran liegen, dass er mehr Pixel hat; ich empfinde den Einblick als Brillenträger auch viel angenehmer.

Es macht einfach Freude, durch den Sucher zu schauen.

Die Kamera ist immer dabei

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Die X100V kann man immer dabei haben. Bei meinen Radtouren hab ich häufig die X-E4 und Wechselobjektive dabei, ordentlich in Taschen verstaut. Die X100V hab ich zusätzlich dabei, sie hängt um den Hals bzw ziehe ich sie auf den Rücken. Sie ist so schlank und schmal, die bleibt einfach da und schlabbert nicht hin und her. Und so ist die X100V immer zur Hand, und die meisten Fotos mache ich mit der X100V.

X100V - Immer dabei. Spaziergang am Hahneberg mit Milli
X100V - Immer dabei. Spaziergang am Hahneberg mit Milli
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/2200 sec; ISO 160

X100V - Immer dabei. Morgenrunde auf dem Feld
X100V - Immer dabei. Morgenrunde auf dem Feld
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/3000 sec; ISO 160

Das Gehäuse X-E4 ist tatsächlich noch ein bisschen kleiner als die X100V, aber das ändert sich wenn man ein Objektiv ansetzt. Selbst mit dem kompakten XF 27mm flutscht sie nicht einfach in eine Jackentasche wie die X100V.
Dazu kommt, dass das XF 27mm eben kein Weitwinkel ist, und mit Anfangsblende 2.8 auch kein Licht- oder Bokehwunder.

Eine Schule für das Sehen

Weil ich die X100V immer dabei habe, kenne ich den Bildwinkel des 23mm (umgerechnet 35mm) sehr gut, und das wirkt sich auf den Arbeitsprozess aus. Ich weiß wie das Objektiv wirkt und suche die Motive und den Kamerastandpunkt ganz automatisch aus.

Und dann kaufte ich mir noch die X-E4

Für mein Buchprojekt (Radtouren im Havelland) brauche ich natürlich Wechselobjektive (Superweitwinkel und Tele), und meine X-T2 hat im Vergleich zur X100V einen älteren Sensor - das merkte ich schnell bei der Nachbereitung. Es ist fantastisch, was man bei den RAWs der X100V noch rausholen kann - im Gegensatz zur X-T2. Da ich bei meinen Fototerminen häufig bei Sonnenschein mit hohem Kontrastumfang unterwegs war, muss ich heftig nacharbeiten und brauche einen großen Dynamikumfang.
Also hab ich ein neuen Body gekauft. Eine X-T4 war mir zu teuer und zu groß, ich kaufte eine günstige X-E4.

Die Freude war groß, als ich sah, was der neue Sensor der X-E4 aus meinen Objektiven rausholte, aaaaber:

Die Ergonomie ist X-E4 ist furchtbar

Ich hatte einfach gedacht, dass eine kleine Fuji sich automatisch anfühlt und bedienen lässt wie die X100V. Großer Fehler!

Kein ISO-Rad und nur ein Funktionsrad

Die X-E4 hat nur ein Funktionsrad (auf der Vorderseite) und kein eigenes ISO Rad. Also muss ich ISO da drauf legen und aus die Maus - keine weiteres Funktionsrad frei.

Schlecht bedienbare Räder und Buttons

Die Buttons der X-E4 sind zum Teil so versenkt, dass sie keinen richtigen Druckpunkt bieten. Das Funktionsrad sitzt tief und ist schwergängig, meine Finger rutschen immer drüber weg anstelle es zu drehen. Aber das ist vermutlich besser, als wenn es zu leicht drehbar wäre.

Das Drehrad für die Dioptrienverstellung am Okular ist extrem leichtgängig. Wenn ich die Kamera aus einer engen Tasche ziehe, ist regelmäßig die Dioptrieneinstellung verstellt und das Bild unscharf.

Gleiches gilt für die Belichtungskorrektur: ein viel zu leichtgängiges Drehrad, das sich regelmäßig verstellt.

Kein Schalter für den Wechsel der Fokussierungs-Verfahren

Die X-E1 hat ihn, die X-T2 und die X100V: den kleiner Schalter, mit dem man den Autofokus von Single-Shot zu Continuous umschalten kan, oder ihn ganz deaktiert, um manuell zu fokussieren. Diesen Schalter gibt es nicht an der X-E4! Die Funktion muss man sich also auf eine Taste, auf das Kurzmenu oder Quickmenu legen.

Fazit

Ich werde das Gefühl nicht los, dass beim Design der X-E4 das Aussehen eine größere Rolle spielte als die Bedienbarkeit. Vielleicht bin ich auch die falsche Zielgruppe, aber ich werde mit der X-E4 nicht warm. Die Fotos, die sie macht, sind großartig, und Wechselobjektive sind bei Fotoprojekten häufig unverzichtbar, aber die Bedienung macht keinen Spaß, wenn man die X100V kennt.

Wozu braucht man denn die X-E4?

Ich habe ausgewertet, wie häufig ich welche Kamera bei meinen Radtouren für mein Buchprojekt im Einsatz hatte - also bei den Gelegenheiten, wo ich auch beide Kameras mitgeführt hab.

Kamera Longlist Shortlist
gesamt 100 % (1.389) 100 % (281)
X100V 65% (897) 63% (213)
X-E4 35% (492) 37% (126)

Longlist: Auswahl nach erster Sichtung: technisch OK, Bildaussage erkennbar.
Shortlist: Weitere Auswahl: ca 20 Foto pro Tour.

Etwa 2/3 (65% versus 35%) aller Fotos der Longlist hab ich mit der X100V gemacht, was nicht weiter verwundert, denn die X100V hab ich immer zur Hand, sie hängt um den Hals. Spannender ist, wie die Verteilung aussieht nach der Auswahl der Fotos zur Übergabe an den Verlag (Shortlist). Interessanterweise hat sich das Verhältnis nur ganz leicht verändert, die Megrheit der Fotos stammt immer noch von der X100V.

Präferierte Brennweiten an der X-E4

Wenn man die X100V und die X-E4 dabei hat, nimmt man kein 23mm Wechselobjektiv für die X-E4 mit, sondern eher Weitwinkel oder Brennweiten im Normal- und Telebereich.

Mit welchen Brennweiten habe ich also an der X-E4 bei den Radtouren fotografiert?

Kamera Longlist Shortlist
gesamt 100 % (514) 100 % (125)
XF 10-24 70% (360) 78% (98)
XF 70-300 14% (71) 6% (8)
XF 35mm f1.4 2% (10) 7% (9)
XF 16mm f1.4 > 1% (55) 3% (4)
XF 50mm f2.0 > 1% (18) 5% (6)

Überwiegend kam das 10-24mm zum Einsatz mit eingestellten Brennweiten von weniger als 14mm. Das Telezoom benötigte ich für gestaffelte Perspektiven oder Fotos von Vögeln.

Auf das Tele hätte ich zur Not verzichten können. Ein Weitwinkelzoom hätte es nicht sein müssen, eine 12mm Festbrennweite würde auch funktionieren.

Du hast gut reden

Ja stimmt, ich hab gut reden; ich musste mich nicht für eine der beiden Kameras entscheiden, sondern hab beide. Allerdings ist mein Buchprojekt nun zu Ende, und ich überlege die X-E4 wieder zu verkaufen - aus obigen Gründen, weil die Bedienung einfach keinen Spaß macht.

X100V - Gülper Havel bei Parey
X100V - Gülper Havel bei Parey
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f4; 1/240 sec; ISO 160

X100V Groß-Behnitzer See
X100V Groß-Behnitzer See
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f5.6; 1/220 sec; ISO 500

X100V - Saaringen
X100V - Saaringen
Fotografiert mit: X100V 23.0mm f2; 1/3800 sec; ISO 160

X-E4 mit 70-300 - Krämer Forst
X-E4 mit 70-300 - Krämer Forst
Fotografiert mit: X-E4 72.7mm (≙ 109mm Vollformat); f14; 1/50 sec; ISO 1000

X-E4 mit 10-24 - Kurfürstendenkmal in Rathenow
X-E4 mit 10-24 - Kurfürstendenkmal in Rathenow
Fotografiert mit: X-E4 12.0mm (≙ 18mm Vollformat); f5.6; 1/550 sec; ISO 160

X-E4 mit 10-24 - Weinbergbrücke in Rathenow
X-E4 mit 10-24 - Weinbergbrücke in Rathenow
Fotografiert mit: X-E4 15.1mm (≙ 23mm Vollformat); f4.5; 1/950 sec; ISO 160

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