Die Pfaueninsel in Schwarzweiß
Ein Geburtstagswunsch, eine Insel aus der Kindheit – und eine Kamera, die keine Farben kann.

Als meine Mutter sich wünschte, ihren Geburtstag auf der Pfaueninsel zu verbringen, war ich sofort entzückt.
Denn die Pfaueninsel ist für mich so etwas wie eine vergessene Nabelschnur zur eigenen Kindheit. Tatsächlich war ich nur ein einziges Mal dort – als Knirps, vor weit über fünfzig Jahren.
Und natürlich ist das Geschenk, das ich meiner Mutter machen sollte, in Wirklichkeit auch eines für mich: mit ihr über die Insel zu schlendern, den Erinnerungen nachzuspüren – und zu fotografieren.
Ziemlich schnell war klar, dass die Leica Q2 Monochrom mitkommt: Schwarzweiß, Weitwinkel, eine einzige Festbrennweite. Ich wollte gar nicht erst versuchen, mit der Fuji und einer Tasche voller Objektive auf die Jagd zu gehen und jedes Motiv zu erwischen, sondern einfach schauen, was sich unterwegs ergibt. Das Wetter versprach einen Sonne-Wolken-Mix – gut, dann wird der Himmel eben selbst zum Motiv.
Dass ich dem Pfau dabei seine Farbenpracht nehmen würde, nahm ich in Kauf. Im Gegenteil: Die Vorstellung, mich entgegen aller Erwartungen zu bewegen, machte mir nur noch mehr Freude. Man fährt auf die Pfaueninsel wegen der Farbe. Ich fuhr wegen des Lichts.

Die Insel ist ein wirklich dankbares Ziel für einen Fotoausflug. Die von Lenné angelegten Wege bieten die typischen Sichtachsen, sodass sich die Gebäude stets in schöner Inszenierung präsentieren: das weiße Schloss zwischen den alten Bäumen, die Meierei, die als gotische Ruine über der offenen Wiese steht, und die kleinen Bauten, die sich hinter der nächsten Wegbiegung aufbauen, als hätte jemand sie dort für den Betrachter abgestellt. Genau so ist es ja auch gemeint.

Was mich am meisten überrascht hat: wie gut dieser Park in Schwarzweiß funktioniert. Die Eichenrinde des Beelitzer Jagdschirms – einer Jagdhütte, die komplett mit Rinde verkleidet ist – wird zur Struktur, das Fensterglas zum Spiegel für die Wolken, und ein Fenstersims, in das Generationen von Besuchern ihre Initialen gekratzt haben, erzählt plötzlich mehr als jede Farbaufnahme.

Alleine die langen Wartezeiten an der Fähre trüben das Bild. Das gegenüberliegende Ufer ist zum Greifen nah, die Überfahrt dauert keine zwei Minuten – und trotzdem wartet der Fährmeister, bis das Boot wirklich bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Nachvollziehen kann ich das nicht.

Immerhin: Wer wartet, hat Zeit zum Schauen. Und Motive gibt es auch an der Anlegestelle.

Ein schöner Tag also, ein schöner Geburtstag – und ein kleiner Bogen zurück in die eigene Kindheit. Die Havel und ihre Ufer beschäftigen mich in letzter Zeit ohnehin; erst im Frühjahr bin ich einmal um sie herumgeradelt und dabei am Anleger der Pfaueninsel vorbeigekommen, ohne überzusetzen. Das ist jetzt nachgeholt.