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Krughorn, Havelchaussee und müde Beine

31.5.2026 Kategorien: Radfahren

Endlich wieder eine längere Radrunde! Nicht, dass ich den Wanderschuhen Ade sagen will. Aber in den letzten drei Jahren war das Radfahren etwas in den Hintergrund geraten: erst, weil das Wanderbuch geschrieben und recherchiert werden wollte, dann, weil die Wanderstrecken selbst länger wurden und mir neue Routen und Erlebnisse verschafften.

Aber das Radfahren hat mir gefehlt! Nicht das Radeln an sich – im Alltag bin ich auf kurzen Strecken immer mit dem Rad unterwegs. Aber für längere Radtouren brauche ich eine andere Art der Kondition als beim Wandern, die aufgebaut sein will. Mein Brompton G-Line Electric ist da ein passabler Range Extender, mit dem ich die 25 Kilometer zur Arbeit auch körperlich unfit bewältige.

Jetzt hat sich mein ältester Sohn mein Rennrad geschnappt, radelt damit zur Arbeit und fährt aus dem Stand seine erste 100-Kilometer-Runde. Das spornt an — vor allem, wenn man selbst merkt, dass die längeren Strecken zuletzt eher Theorie geworden sind.

Also bin ich zweimal mit dem Rennstahl zur Arbeit gefahren, und heute habe ich mir eine längere Strecke vorgenommen. Eigentlich sollte es die Havellandtour von Staaken nach Rathenow sein, doch die ist mir mit ihren 85 Kilometern noch etwas zu lang – vor allem zeitlich, weil zur Fahrtdauer dann noch die An- oder Abreise mit der Bahn kommt. Also recherchiere ich auf Komoot und bastele mir eine Tour, die ich so noch nicht kenne: eine Runde um die Havel.

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Aus einer Trainingsrunde wird damit auch eine kleine fotografische Mission. Motivation für die Tour ist vor allem ein Ort, den ich schon länger besuchen möchte: das Krughorn, gegenüber der Heilandskirche, auf der anderen Seite der Havel in Glienicke gelegen. Um da hinzukommen, muss man eine größere Runde drehen, wenn man nicht schwimmen will. Im Winter hatte ich bei einem Spaziergang an der Heilandskirche die Ganzjahresschwimmerin Petra getroffen, die dort tatsächlich zwischen Eisschollen schwimmt. Durch ihre Fotos und Videos wurde mir noch einmal bewusst: Von der anderen Havelseite muss die Kirche ganz anders wirken.

Zurück zu meiner Tour. Es geht morgens um 7:00 Uhr los. Auf eine schwere Kamera verzichte ich, stattdessen nehme ich die kleine Fuji X30 mit, die ich unbeschwert die ganze Zeit über der Schulter hängen lasse – für das Foto der Heilandskirche vom Krughorn aus.

Es geht von Spandau aus entlang der Havel durch Gatow und Kladow nach Sacrow. So früh am Morgen ist wenig los: ein Angler, ein paar Hundebesitzer, ansonsten ist die Promenade frei zum Radeln.

An der Heilandskirche treffe ich eine Frau, die verträumt auf der Mauer sitzt und auf die Havel schaut; ich suche im dichten Grün gegenüber das Krughorn. Für die vielleicht 200 Meter Luftlinie dorthin werde ich 75 Minuten brauchen. Danach beginnt die eigentliche Umrundung: durch den Königswald am Jungfernsee entlang nach Krampnitz, über Nedlitz in die Nauener Vorstadt und weiter durch Potsdam Richtung Babelsberg. Vieles kenne ich, manches ist neu — besonders der Abschnitt am Jungfernsee hinter der Nedlitzer Brücke.

Ich habe mir die Route dann durch den Park Babelsberg gelegt, ein kleiner Umweg, bevor es an der Glienicker Brücke in den Glienicker Park geht. Dieser Wald war immer schon Ausflugsziel der Berliner. Hier bin ich seit Jahrzehnten kaum noch gewesen. Zu Zeiten der Berliner Mauer war man als Westberliner hier, besuchte das Wirtshaus Moorlake und spazierte auf der Pfaueninsel. Für uns Piefkes die Côte d’Azur von Westberlin, statt Champagner gab es Berliner Weiße mit Waldmeister.

Zwischen Moorlake und Pfaueninsel finde ich es dann: das Krughorn mit dem Fähranleger. Und dort liegt sie, meine schöne Heilandskirche, im Sonnenschein. Ein Bötchen tuckert vorbei, die Sonne glitzert auf den Wellen. Klick.

Die Hälfte der Tour ist geschafft. Durch den Wald geht es nun zum Bahnhof Wannsee. Hier ist mittlerweile die Stadt aufgewacht. Am Kronprinzessinnenweg brauche ich eine Pause und Energie: Banane, Apfel, Nüsse. Dann geht es auf die Havelchaussee, auch dies eine Strecke, die ich seit Jahrzehnten kenne, wenngleich ich sie nur selten fahre, weil es mich meist ins Havelland zieht.

Der lange Anstieg zum Grunewaldturm wird im Kriechgang bewältigt. Rennräder schnurren an mir vorbei und zeigen mir, dass ein Rennstahl mit Rohloff, Riemenantrieb und Nabendynamo keine Rakete ist. Und ich auch nicht mehr 25.

Ich habe meine GoPro im Zeitraffer mitlaufen lassen – „TimeWarp“ nennt sich das. Über den Nabendynamo und einen Pufferakku kann ich sie beim Radeln mit Ladestrom versorgen. So kann sich mein Sohn die Strecke schon einmal anschauen. Sie ist bei ihm dringend vorgemerkt.

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