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Apple Watch - wofür sie gut ist.

15.6.2015

Gut 6 Wochen hat es bei mir gedauert, bis mir die Apple Watch geliefert wurde. Nun habe ich sie seit einer Woche.

der erste Eindruck: puh ist das klein.

Die Watch ist klein. Selbst die große Version, die ich bestellt hatte. Immerhin so klein, dass man sie gerne am Handgelenk trägt. (Wobei ich Uhrenhasser bin). Die Watch stört nicht; sie flutscht unter den Hemdärmel oder in eine Jacke ohne zu stören. Aber das Display ist verdammt klein. Aber auch so klein, dass man kaum Platz für Infos und Interaktionen hat.

Braucht man das wirklich?

Ich hatte senerzeit als ener der ersten mir das iPad zugelegt; das iPad wurde als großes iPhone verspottet. iPad und iPhone nutzen das gleiche Betriebssystem; das iPad ist nur größer. braucht man nicht, hieß es. Aber: size matters. Es macht einen Unterschied, ob man auf dem iPhone oder dem iPad lesen will. Mittlerweile haben die Tablets unsere Nutzungsgewohnheiten digitaler medien und Informationen komplett verändert.

Nun also die Watch, bei der ist alles viel kleiner. Lesen kann man höchstens im Kurzmitteilungsstil. Außerdem befindet sich die Watch im Gegensatz zum Handy und Tablet in einem mehr oder weniger festen Abstand zum Auge. Wer altersbedingte Akkomodationsprobleme mit den Augen hat, braucht eine Lesebrille, oder man stellt den Text größer und fett, wodurch noch weniger drauf passt. Watch Apps müssen so klar strukturiert sein, dass man die Infos gut ablesen kann; keine leichte Übung. Apropos Übung: Ich hätte nicht gedacht, dass es mir sogar Probleme macht, das Handgelenk so zu drehen dass ich direkt von oben auf die Watch schaue. Wie gesagt, ich bin kein Uhrenträger.

Usabilty, Usability

Das Interaktionskonzept für ein so kleines Device ist eine Herausforderung, die bei der Watch immerhin gut klappt. Mit den “Checks” (die deutsche Bezeichnung für Glances) hat man seine wichtigsten Apps im Schnellzugriff; diese bieten zudem eine aktive Vorschau (Bei iOS gibts das ja nicht bzw nur bei derur Uhren-App). Ein Tap darauf, und man aktiviert die App, die einem dann je nach dem Zusatzinfos bietet. Die “Krone” alss Scrollrad neben dem Display lässt sich prima erreichen und hält den Blick auf das Display frei.

Das erste Dutzend Apps ist schon auf der Uhr drauf; man muss sich die Icons merken, wenn man sie in der App Übersicht erkennen will. Wenn man erst mal 30 Apps drauf hat, funktioniert das nicht mehr. Die Icons sind so winzig, dass man sie darüber nicht sofort identifizieren kann. Außerdem sind sie auch nicht in einem klaren Raster angeordnet, was das Auffinden weiter erschwert.

Das Display ist so klein, dass man auch keine Bedienungsanleitungen anzeigen kann. Man muss sehen wie man klar kommt - die Bedienungsanleitungen muss man sich eben auf Desktop, Tablet oder Phone anschauen.

Ich gehe davon aus, dass sich bei den Watch Apps sukzessive Interfacekonzepte sukzessive durch gelungene Musterlösungen einzelner Apps durchsetzen werden - wie bspw das “pull to refresh” Konzept bei iPhones.

Siri

Da keine Texteingabe für virtueller Tastatur möglich ist, spielt Siri eine zentrale Rolle für die Eingabe. Auf dem iPhone habe ich Siri hassen gelernt, nachdem die blöde Kuh auf die Aufforderung “Spiele Blackbird von Alter Bridge” mir einen Kontakt anrief von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn auf dem Telefon hab. Mit den einfachen Kommandos wie “erinnere mich heute 14:00 an XY” oder “navigiere mich nach Hause” klappt das aber ganz gut.

Notifications

Man kann sich auf der Watch die Nachrichten zustellen lassen, die ansonsten (bzw weiterhin auch)  auf dem iPhone landen. Die Watch informiert einen mit taktilem Feedback; das ist ganz prima und  unaufdringlich, und erspart einem das häufige Überprüfen des iPhones. Für mich sind die Notifications das wichtigste Feature der Watch. Gerade wenn man unterwegs ist und das Handy nicht permanent vor der Nase hat, hilft es wenn man per Klopfen auf Neuigkeiten / Infos aufmerksam gemacht wird. Beispielsweise bei der Navigations app, wo man auf bevorstehende Abbiegemanöver mit Klopfen und Blinkergeräusch informiert wird (Rechts- und Linksabbieger haben ein unterschiedliches Blinkergeräusch). Ein Blick auf die Uhr und man bekommt es auch visuell angezeigt.

Watch ohne iPhone

Die Watch wurde dafür kritisiert, dass sie nicht ohne das iPhone kann. Das ist in manchen Fällen (GPS Tracking beim Sport) wirklich blöd. In vielen Fällen aber funktioniert die Watch als “Ping”-Gadget, dass einen kurz über Ereignisse informiert. Wenn Entscheidungen die über “OK”, “Später”, … hinausgehen zu fällen sind, braucht man doch das iPhone. Auch wenn Apple sich mit Siri die größte Mühe gibt, per Spracherkennung die Anwednungen zu steuern. Die Watch ist eine sinnvolle Ergänzung des iPhones; die Szenarien, wo man alleine mit der Watch klarkommen muss, sind eben rar: Zeitanzeige, Tracking. Wobei die Uhrenapps auf der Watch zugegebenermaßen wirklich super sind.

Aber: Man muss das iPhone in der Nähe haben. Bei mir zu Hause habe ich viele Stellen, wo ich keine Verbindung habe. In diesen Fällen bin ich dann offline und bekomme Anrufe o.ä. nicht mit. Das ist blöd, da ich mich dann nicht auf die Notifications verlassen kann und doch das Telefon dabei haben muss. Dann kann ich auch die Uhr ablegen und das Handy in die Tasche stecken.

Akku

Der Akku der Watch hält 1,5 Tage. Aber: die Apps der Watch saugen nun das iPhone deutlich schneller leer. Bislang kam ich mit meinem 5s anderthalb Tage locker hin; jetzt ist der Akku des iPhones nach einem Tag platt. Dann nützt mir auch die “Gangreserve” der Watch nicht, mit dem diese in den Sparmodus schaltet und nur noch die Uhrzeit anzeigt.

Anwendungsfälle

Ich hatte just  einen Fall, wo mir die Watch genutzt hat. Das Handy war nicht in Reichweite, der Sohn musste zur Schule. Die DB App hatte ich kurz zuvor installiert, aber noch nicht benutzt. Mit dieser App hab ich ruckzuck festgestellt, dass die Bahn ausfällt. Nicht schlecht, wenn man bedenkt wie kompliziert eigentlich diese ganzen Routen- und Reiseapps sind (Standort angeben, Ziel angeben, suchen u.s.w.). Die DB App kennt nur einen Use case: Abfahrtsorte in der Nähe auflisten; einen auswählen und die Verkehrsmittel aufzeigen (Okay, man kann auch in der iPhone App eine Reise planen und diese auf der Watch anzeigen lassen. Ist aber für Pendler nicht zweckmäßig). Das passte in meinem Fall ganz prima. Wenn man die Abfahrtszeiten für den nächsten Tag an einem anderen Ort sehen will, wird es  schwierig. Da werden die App Entwickler sich noch austoben dürfen.

Ich bin ein Wetterberichts-Junkie, auch weil ich viel mit dem Fahrrad unterwegs bin. Wetterberichte hole ich mir mehrfach täglich ab; das funktioniert ganz prima auf der Watch. Unter anderem auch deswegen, weil hier viel mit Icons und Zahlen gearbeitet wird und man keine Texte lesen muss.

Aber: Wo ist die Facebook  App? Wo ist die WhatsApp  App? Beide Dienste arbeiten im iPhone ganz prima mit Notifications, bieten sich für die Watch also an. Unverständlich, dass diese Apps fehlen.

Welche Rolle wird die Watch für App Entwickler spielen?

Die Watch ersetzt das Handy in den Situationen, wo der Weg zum Handy zu lang oder zu unbequem ist. Die Watch hat man immer dabei, und sie steht in direktem Kontakt zu Dir. Location Based Services zum Beispiel haben das Problem, dass Notifications (“5 Min entfernt gibts XYZ”) nicht wahrgenommen werden, wenn man unterwegs ist und das Handy in der Tache/im Rucksack steckt. Die Watch am Arm gibt einem das Ping, und ein Blick genügt um die Info zu lesen.

Wer eine Watch hat, wird erwarten dass die iPhone Apps mit der Watch sinnvoll kooperieren, dass die Apps auf der Watch fortgesetzt werden. Wir sollten uns adarauf einstellen, dass wir künftig bei jeder iOS App die Watch mit berücksichtigen müssen.

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