30 Jahre Leica R8

Die Leica R8 ist eine Manuell-Fokus-Hochleistungs-Spiegelreflexkamera für das Kleinbildsystem und wurde 1996–2002 hergestellt. Wer eine moderne Kamera mit manuellem Fokus sucht und die R8 in die Hand nimmt, vergisst schnell, dass sie 30 Jahre alt ist.
Ich bin über einen langen Weg zur R8 gekommen. Die R3 meines Vaters weckte meine Leidenschaft für Leica, und nach der Leicaflex und der R7 landete ich schließlich bei der R8. Mit diesem Bericht gebe ich einen Einstieg in die Bedienung und teile meine Erfahrungen mit der Kamera.
Für mich ist die R8 die beste Manuell-Fokus-Kamera von Leica, die aufgrund ihres Designs und ihrer hochwertigen Verarbeitung sich kein bisschen veraltet anfühlt.
Kurzanleitung
Für die ganz Ungeduldigen hier ein Schnelleinstieg, um die Kamera im Blendenvorwahlmodus mit Integralmessung zu nutzen:
- Programmwahlrad auf A
- Belichtungsmessart auf Integral (Rechteck-Symbol)
- Verschlusszeitenrad: egal
- Blende wählen, auslösen
Oberseite

- Belichtungsmessart: Mit dem Schieber am Verschlusszeitenrad einstellen.
- Selektivmessung: Misst nur die Mitte des Bildfeldes.
- Integralmessung: Mittenbetont über das gesamte Bildfeld.
- Mehrfeld: Mehrere Messzonen werden abgetastet und verrechnet. Bei ROM-Objektiven wird die Brennweite in die Berechnung einbezogen.
- Verschlusszeitenrad: Halbstufig von 16 s bis 1/8000 s. Keine harte Begrenzung; X und B sind bewusst schwergängiger.
- Rückspulen: Den R-Knopf neben dem Transporthebel drücken. Für Mehrfachbelichtungen: Den Schieber neben dem Transporthebel betätigen (er verdeckt dann den R-Knopf).
- Programmwahlrad (linke Schulter) zur Wahl des Automatikbetriebs:
- M: Manuell (Blende und Zeit). Über-/Unterbelichtung über die Lichtwaage im Sucher.
- A: Blendenvorwahl. Blende vorwählen, Zeit wird automatisch bestimmt. Die Stellung am Verschlusszeitenrad wird ignoriert.
- P: Programmautomatik. Zeit und Blende werden automatisch gewählt. Die Blende muss auf der kleinsten Blende stehen (z. B. 22), damit sie sich über den gesamten Bereich schließen kann. Mit dem Verschlusszeitenrad können passende Zeit-Blenden-Kombinationen durchgeschaltet werden.
- T: Zeitenvorwahl. Zeit vorwählen, Blende wird automatisch bestimmt.
- F: Blitzsteuerung. Verschlusszeit wird automatisch auf 1/250 s gestellt, falls eine kürzere Zeit als 1/250 s eingestellt ist. Über die Abblendtaste kann ein Messblitz ausgelöst werden; die passende Blende wird am rückseitigen Display angezeigt.
- Schnellspannhebel Verschlussaufzug und Filmtransport
Vorderseite

- Abblendtaste: Links vom Objektiv (Blickrichtung zur Frontseite).
- Objektiventriegelung
- Spiegelvorauslösung: Oberer Hebel rechts vom Objektiv (Blickrichtung zur Frontseite). Bleibt für Folgeaufnahmen
aktiv, bis sie mit dem Hebel wieder deaktiviert wird.
- Erste Auslösung: Spiegel klappt hoch.
- Zweite Auslösung: Belichtung.
- Blitzsynchronisationsmodus: Unterer Schalter rechts vom Objektiv (Blickrichtung zur Frontseite). Unter dem
Hebel befindet sich die Buchse für die Blitzsynchronisation.
- I: 1. Vorhang (Blitz zu Beginn der Belichtung)
- II: 2. Vorhang (Blitz am Ende der Belichtung)
Rückseite

- Belichtungskorrektur: In halben Schritten. Zum Verstellen den kleinen Schieber Richtung Sucher schieben.
- Dioptrienkorrektur
- Okularverschluss: zur Verhinderung von Streulichteinfall bei Langzeitbelichtungen.
- Info-LCD: Anzeige für Batterie und Bildzählwerk. Wird die unter dem Display liegende Klappe geöffnet, kann eine manuelle ASA und der Selbstauslöser eingestellt werden.
- Filmtransport kontrollieren: Über das Sichtfenster auf der rechten Seite der Rückwand prüfen, ob der Film sauber transportiert.
- Rückwand öffnen: Den Schieber auf der linken Seite hochschieben; vorher den Sicherungsknopf unter dem Schieber drücken.
Leica Kamera wird eigenständig
Die R8 wurde 1996 nach Jahren der Entwicklung auf den Markt gebracht – in einer Umbruchphase bei Leica Camera AG. Die Kamerasparte wurde aus der Holding herausgelöst und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht. Von nun an musste sich Leica wirtschaftlich eigenständig behaupten. Während die Mitbewerber sich einen Wettkampf um den zuverlässigsten Autofokus und die höchsten Serienbildraten lieferten, blieb Leica bei der Leica R8 beim manuellen Fokus. Dafür schuf Leica eine Kamera, die in Design, Verarbeitungsqualität und Technik ein kompromissloses Statement setzte: ein radikaler Neuanfang nach 20 Jahren Kooperation mit Minolta.
Das Design
Die Entwicklung der R8 begann 1990. Für das Erscheinungsbild war der Industriedesigner Manfred Meinzer verantwortlich, der später auch das Design der Leica S2 mitprägte.
Die Gestaltung folgt „form follows function“. Die Bedienelemente sind gut erreichbar, eindeutig und zeigen den Zustand der Kamera klar an. Auf Doppelbelegungen wurde weitgehend verzichtet.
Diese Bedienphilosophie führt zu einem entspannten Arbeiten mit der Kamera. Eigentlich gibt es ja die Grundregel: Investiere in Objektive, nicht in Kameras. Aus Investmentsicht ist das vernünftig. Aber Kameras entscheiden mit, wie entspannt wir fotografieren. Denn wenn Werkzeuge wenige kognitive Hürden aufbauen, dann schaltet das Bewusstsein sie aus. Sie werden zur Verlängerung des Körpers. Die Kamera wird zum Auge, und die Aufmerksamkeit kann beim Motiv bleiben.
Für mich ist die R8 genau so ein Werkzeug. Das Fotografieren mit ihr macht Spaß, weil sie nicht im Weg steht.
Der Sucher
Der Sucher ist auch für Brillenträger sehr gut einsehbar (High-Eyepoint-Sucher mit 0,75-facher Vergrößerung) und zeigt 93 % des Sucherbildes - das entspricht genau dem Ausschnitt eines gerahmten Dias. Im Gegensatz zu 100-%-Suchern kann man sich also sicher sein, stets mindestens den Ausschnitt zu sehen, den man auch im Sucher gewählt hat. Wir fotografieren heutzutage zwar kaum noch Dias, aber auch beim Scannen gibt es ja einen technisch bedingten Beschnitt.
Die Mattscheibe ist wechselbar; die mitgelieferte Universalmattscheibe bietet Gewohntes: einen Mikroprismenring und im Inneren einen Schnittbildindikator. Des Weiteren gibt es zur R8:
- eine Vollmattscheibe - diese vermeidet das Verdunkeln des Mikroprismenringes bei Nahaufnahmen und langen Brennweiten
- eine Mikroprismenscheibe ohne Schnittbildindikator
- eine Vollmattscheibe mit Gittereinteilung, zum Beispiel für die Architekturfotografie
- eine Klarscheibe, zum Beispiel für die Astrofotografie
Unterhalb des Sucherbildes erscheint nach Antippen des Auslösers eine dezente, klare LCD-Anzeige, in der die Einstellungen kompakt dargestellt sind: Programmart, Belichtungsmessart, Blende, Lichtwaage, Verschlusszeit, Bildzähler sowie Blitzbereitschaft und -korrektur.
Ist der Verschluss nicht gespannt, verschwindet die Anzeige gleich nach dem Loslassen des Auslösers; nur bei Aufnahmebereitschaft bleibt sie stehen. Das ist clever gelöst - man versteht sofort, dass man den Verschluss spannen muss, wenn man fotografieren will.
Die Lichtwaage ist nur im manuellen Modus sichtbar und zeigt den Abstand zwischen Messwert und eingestelltem Lichtwert an. Im Automatikmodus erscheint die Lichtwaage erst nach Eingabe einer Belichtungskorrektur.
Verschlusszeiten
Die Zeiten werden bei der R8 elektronisch gebildet und reichen von 16 Sekunden bis zur 1/8000s als kürzester Verschlusszeit. Die Zeiten sind in halben Stufen für den ganzen Bereich über das Zeitenrad einstellbar.
Die ultrakurze 1/8000 s ist besonders gut geeignet, um bei hellem Licht und lichtstarken Objektiven nicht abblenden zu müssen - allerdings sind lichtstarke Leica-Objektive recht teuer (siehe Kapitel “Empfehlungen für den Kauf”).
Hier zeigt sich die Bedienphilosophie der R8: Während andere Hersteller die Zeitenwahl aufteilen in Einstellung über Tastenwippen und Kontrolle über LCD-Displays, hält Leica am klassischen Bedienkonzept fest.
Das Zeitenrad bedient sich sehr gut, auch mit dem Auge am Sucher. Es ist sehr groß und fast vollständig in die Oberfläche eingelassen und wird von vorne mit dem Zeigefinger verstellt.
Für Langzeitbelichtungen ist das Okular verschließbar, um Streulichteinfall zu vermeiden. Im B-Modus bleibt der Verschluss so lange geöffnet wie der Auslöser gedrückt ist, und im rückwärtigen Display wird dann die verbrauchte Zeit angezeigt. Leider ist das Display nicht beleuchtet, sodass man es im Dunkeln nicht ohne Hilfsmittel ablesen kann.
Die Blitzsynchronzeit ist eine 1/250 s. Ist eine kürzere Zeit eingestellt und man arbeitet in der Betriebsart Flash, so schaltet die Kamera automatisch auf die 1/250 s um.
Der Auslöser und der Messwertspeicher
Der Auslöser hat drei Stufen:
- sanft angedrückt schaltet sich die Kamera ein und die Belichtungsmessung erfolgt. Das Sucherdisplay und das rückwärtige Display werden aktiviert.
- tiefer eingedrückt erfolgt die Messwertspeicherung
- ganz durchdrücken und die Auslösung erfolgt.
Es gibt Kameras, die auf kurze Auslösewege Wert legen, die R8 gehört nicht dazu. Man muss sich etwas an diese drei Stufen gewöhnen. Eigentlich muss man sich nur an die zweite Stufe gewöhnen, denn wenn man den Messwert nicht speichern will, drückt man einfach ganz durch und macht die Aufnahme.
Messwertspeicher
Für Automatikprogramme A (Zeitautomatik), T (Blendenautomatik) und P (Vollautomatik) hilfreich ist das Zwischenspeichern der Belichtungswerte. Die eingestellten bzw. berechneten Zeit- und Blendenwerte werden so lange gespeichert, wie der Auslöser halb gedrückt ist. Das ist vor allem bei der Selektivmessung von zentraler Bedeutung und funktioniert auch nur dort. Wenn man das A (Blendenvorwahl) Automatikprogramm verwendet, kann man - während der Auslöser gedrückt bleibt - auch die Blende verstellen, und die Verschlusszeit wird automatisch angepasst.
Prinzipiell geht das auch im Automatikprogramm T, wo man währenddessen die Verschlusszeit anpassen kann und sich die Blende automatisch nachregelt. Das ist allerdings mit einiger Fingerakrobatik verbunden, denn der Zeigefinger sitzt ja auf dem Auslöser und kann folglich das Zeitenrad nicht bedienen.
Praktisch ist der Messwertspeicher für Ersatzmessungen auf die Handfläche, deren Helligkeit bei mir so ungefähr dem Graukartenwert (18 % Grauwert) entspricht. Schade ist, dass die Messwertspeicherung nicht bei der Integralmessung funktioniert, so muss man gegebenenfalls vorher auf die Selektivmessung umschalten.
Die Belichtungskorrektur
Die Belichtungskorrektur wird üblicherweise verwendet, wenn man die Schwächen der automatischen Belichtungsmessung kennt und korrigieren möchte. Das Mehrfeld-Messsystem der R8 liefert in der Regel sehr gut belichtete Bilder, aber bei den typischen Fällen wie bei Schnee oder Abendstimmungen möchte man vermeiden, dass die Kamera zu ausgeglichen belichtet: Bei Schnee gibt man etwas mehr Licht, bei Dämmerung etwas weniger.
Bei der R8 ist der Hebel zur Einstellung der Korrektur vorbildlich zugänglich platziert. Man schiebt den Hebel ein Stück zum Sucher, und kann ihn dann nach oben oder unten wippen, um in Halbstufen mehr oder weniger Licht zu geben. Die Lichtwaage erscheint im Sucher und zeigt den Korrekturwert an, die Belichtung wird automatisch angepasst.
Um die Korrektur auszuschalten, muss man nicht mehrfach nach oben oder unten wippen, es genügt, den Hebel etwas länger in diese Richtung zu drücken.
Die Abblendtaste
Die Abblendtaste ist bei der R8 ein großer Schieber, der ziemlich leichtgängig mit dem Zeigefinger nach unten gedrückt werden kann. Bei Verwendung eines Blitzes wird hierüber auch ein Messblitz ausgelöst.
Bei Objektiven, die keine Blendeninformationen zur Kamera übertragen, muss man zur Belichtungsmessung abblenden. Hierzu kann man die Abblendtaste verwenden (siehe unten).
Objektive
Leica baute und baute hervorragende Objektive, die sich durch hohe Schärfe bei Offenblende und einen harmonischen Unschärfeverlauf auszeichnen. Das Spiegelreflexsystem von Leica hat zwar über alle Modellreihen (Leicaflex, R3–R7, R8–R9) stets dieselbe Bajonettfassung, allerdings haben sich die Techniken zur Übertragung von Informationen zwischen Kamera und Objektiv im Laufe der Zeit geändert.
Je nachdem, wie viele Steuernocken im Objektiv verbaut sind, spricht man von 1-Cam-, 2-Cam- oder 3-Cam-Objektiven. Diese Steuernocken übertragen die Information über den eingestellten Blendenwert vom Objektiv zur Kamera und umgekehrt und lösen die Springblende aus. Mit jeder Kamerageneration wurde bei Leica das Übertragungssystem angepasst und erweitert, was (leider) zu einem Durcheinander führt. Auch andere Hersteller mussten die technische Weiterentwicklung von Kameras und Objektiven in den Anschlusssystemen realisieren - entweder haben sie einfach gleich den Anschluss gewechselt (alte Objektive ließen sich gar nicht mehr montieren), oder sie mussten wie Leica zusätzliche Koppelungen integrieren. Nikon beispielsweise hat F-, Ai- und Ais-Objektiven). Bei Leica ist es leider auch deswegen so unübersichtlich, weil sich die Kompatibilität - im Gegensatz zu Nikon - nicht an der Objektivbezeichnung feststellen lässt.
Die Anschlusssysteme im Verlauf der Modellentwicklung:
- Leicaflex: 1-Cam
- Leicaflex SL, SL2: 2-Cam
- Leica R3–R7: 3-Cam
- Leica R: 3-Cam und ROM
Die R8 führte eine elektronische Koppelung ein: die ROM-Kontakte. Die ROM-Kontakte übertragen die Brennweite zur Kamera, so dass die Mehrfeldmessung die verschiedenen Bildanteile abhängig zur Brennweite gewichten kann.
Um die Mehrfeldmessung der R8 also richtig auszunutzen, empfehlen sich ROM-Objektive, die aber entsprechend teuer sind. Optisch ebenfalls herausragend sind die 3-Cam-Objektive, die sich an der R8 anschließen lassen.
Problematisch wird es mit den 1- und 2-Cam-Objektiven, denn hier wird nicht der eingestellte Blendenwert zur Kamera übertragen: Die Belichtungssteuerung funktioniert nicht - im Display wird stets die Blende 1,4 angezeigt, egal welche Lichtstärke das Objektiv hat und welche Blende konkret eingestellt ist.
Sonderfall: 2-Cam Objektive an der R8
Ich habe ein Leicaflex 50mm f2 Objektiv mit 2-Cam-Anschluss, das ich an der R8 benutze. Laut Bedienungsanleitung sollte man das nicht tun, weil dadurch die Kamera beschädigt werden kann. Ich habe es vorsichtig probiert - und keine Probleme dieser Art gehabt. Aber es wird keine Blendeninformation zur Kamera übertragen.
Meine Lösung besteht darin, zur Belichtungsmessung die Abblendtaste zu drücken. Allerdings kann man mit gedrückter Abblendtaste nicht auslösen - das haben die Ingenieure der Kamera ihr nicht zugestanden. Aber mit etwas Fingerakrobatik geht es:
- Manuelle Belichtungssteuerung (Programmwahlrad auf “M”)
- Zeigefinger auf den Auslöser tippen, um die Belichtungsmessung zu aktivieren
- Mit dem Ringfinger die Abblendtaste runterdrücken und halten
- Blende mit der linken Hand und Verschlusszeit mit dem Zeigefinger der rechten Hand einstellen, bis die Lichtwaage ausgeglichen ist - die Unter- oder Überbelichtungsmarker müssen verschwinden.
- Ringfinger von der Abblendtaste nehmen
Die Belichtung ist nun eingestellt und das Sucherbild wieder hell.
Das geht recht schnell und unproblematisch, weil die Abblendtaste leichtgängig ist. Aber nerven tut es doch etwas, weil es nicht zur ansonsten vorbildlichen “dont make me think”-Philosophie der Kamera passt.
Wenn jemand einen anderen Weg kennt, freue ich mich über eine Nachricht oder einen Kommentar.
Zubehör: Winder
An der Bodenplatte kann ein Winder und ein Motordrive angesetzt werden. Hierzu wird die Batteriefach-Halterung abgenommen; der Winder und der Motordrive bringt eine eigene Abdeckung mit, die eine formschöne Linie des Gehäuses ergibt.
Auf den Winder kann man meiner Meinung nach getrost verzichten, allerdings finde ich die Ergonomie mit Winder besser als ohne.
Anschaffung / Gebrauchtmarkt
Wer zu seinen Leica-R-Objektiven eine moderne Film-SLR sucht, wird mit der R8 wahrscheinlich sehr glücklich.
Und wer eine Leica M zu teuer findet, aber unbedingt mit einer Leica fotografieren will, bekommt hier zwar keinen handlichen Messsucher, sondern einen ziemlichen Brocken – dafür aber Kamera und Objektive die auf höchstem Niveau liegen.
Das R-System ist allerdings deutlich weniger beliebt als das M-System. Bei M-Kameras und -Objektiven ist die Chance groß, dass der Wert stabil bleibt oder steigt. Beim R-System ist der Gebrauchtmarkt kleiner. Beliebt sind die R Objektive aufgrund ihres klassischen Looks auch bei Filmern (nach Entfernung der Blendenstopps = “declicking”), das zieht auch die Preise nach oben. Ich erinnere mich an eine Annonce von 6 declicked R-Lenses für 12.000 € bei eBay Kleinanzeigen…
Mit etwa 500 € gebraucht ist die Leica R8 deutlich teurer als die typischen Japan-SLRs, doch diese sind - wenn man bei manuellem Fokus bleibt - auch eher aus den 70ern und nicht den 90ern. Zum Vergleich: Die manuell zu fokussierende Nikon FM3A stammt aus derselben Periode wie die R8 und kostet gebraucht das Doppelte wie die Leica. Da erscheint die R8 fast wie ein Schnäppchen.
Bei der Anschaffung zu berücksichtigen ist allerdings der Preis für die Objektive.
Preisbeispiele:
- 50mm f2 (3-Cam): 450 €
- 50mm f1,4 (3-Cam): 800 €
- 50mm f1.4 (ROM): 1000 - 3000 €
Zusammenfassend lässt sich sagen: Mit 500 € ist der R8 Body für Leica-Verhältnisse vergleichsweise günstig. Objektive im Bereich von 35 mm – 135 mm und moderater Lichtstärke (f2,8) gibt es ab 350 € aufwärts, neuwertige und gut erhaltene R Objektive kommen dann schon in M-Preisregionen.
Alternativen im R-System
Direkter Nachfolger der R8 ist die R9. Sie unterscheidet sich in der Praxis nur wenig, ist aber interessant, weil sich R8 und R9 mit dem Digital-Modul-R (DMR) zu einer digitalen Kamera umrüsten lassen. Das DMR liefert 10 MP mit Crop-Faktor 1,37 und 16-bit Farbtiefe. Das Ganze ist gebraucht allerdings meist deutlich vierstellig – je nach Zustand, Zubehör und Servicehistorie.
Vor der R8 liegt die Ära der Minolta-Leica-SLRs: Die R3 bis R7 entstanden in Kooperation mit Minolta, und die Gehäuseform trägt entsprechend den typischen Stil japanischer SLRs dieser Epoche.
Die R7 als Vorgänger ist solide, wirkt auf mich aber uninspiriert. Sie bietet die Betriebsarten (M, A, P, T) wie die R8 und dazu Integral- und Spotmessung (die Spotmessung ist mit Betriebsarten gekoppelt).
Die R6.2 gilt als Darling unter den R-Kameras. Sie hat dieselben Gehäuseproportionen (aus der Minolta-Partnerschaft hervorgegangen und erst mit der R8 abgelöst), arbeitet aber voll mechanisch.
Die R5 und R4 kenne ich nicht, dafür die R3 – das war die Kamera meines Vaters. Für Leica war sie dank der Kooperation mit Minolta der Einstieg in die moderne Welt der Mikroelektronik. Wenn ich sie heute in die Hand nehme, wundere ich mich über die Begeisterung, die ich ihr seinerzeit entgegenbrachte. Die Kamera selbst bietet zwar gewohnte wertige Verarbeitung, sticht aber aus der Masse der SLR jener Zeit nicht heraus. Außerdem nehme ich es ihr übel, dass sie vor kurzem einfach so kaputt ging - der Auslöser ist blockiert.
Anders ist das bei der Leicaflex SL2. Leicaflex war das Vorgängersystem vor den R-Kameras, entstanden in einer Zeit, als Messsucherkameras wie die M deutlich an Interesse verloren: Viele Anwender wollten Spiegelreflexkameras.
Die SL2 war die letzte Leicaflex vor dem Neuanfang mit den Minolta-R-SLRs – und zugleich ein Höhepunkt dieser Linie. Sie ist vollmechanisch wie die R6.2 und außergewöhnlich gut verarbeitet. Leider braucht sie die 1,35-Volt-Batterien (z. B. Weincell), aber Haptik und Bedienung sind prima. Und sie bietet 1/2000 s als kürzeste Verschlusszeit. Für mich sind die R8, die R6.2 und die Leicaflex SL2 die originärsten SLRs, die Leica je gebaut hat.

| Leica R8 | |
|---|---|
| Modell | Leica R8 |
| Herkunftsland | Germany |
| Objektivanschluss | Leica R |
| Filmformat | Kleinbild (135 / 24×36) |
| Motorisierter Filmtransport | Winder als Zubehör |
| Produktionszeitraum | 1996 – 2002 |
| Gebrauchtpreis ca | 550 - 800 € |
| Verschluss | Elektronisch gesteuerter Metall-Schlitzverschluss |
| Verschlusszeiten | 32s – 1/8000s |
| Selbstauslöser | Elektronisch |
| Blitzsynchronzeit | 1/250s |
| Blitzsteuerung |
|
| Belichtungssteuerung |
|
| Belichtungskorrektur | ± 3 Stufen |
| Belichtungsmessung |
|
| ASA | 6 – 12800 |
| Fokussiermethode | Manuell |
| Mattscheibe | Universalmattscheibe mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator, wechselbar |
| Sucher | Pentaprisma-Sucher |
| Sucherinformationen | Zeit, Blende, Bel.-Waage, Modus, Zähler,Blitzbereitschaft |
| Stromversorgung | 2x CR2 |
| Gewicht | 890g |
- Mittenkontakt, Syncbuchse
- 1.te oder 2.te Vorhang wählbar
- Blitzbelichtungskorrektur
- M=Manuell
- A=Zeitautomatik
- P=Programmautomatik
- T=Blendenautomatik
- F=Blitzsteuerung
- Mittenbetont integral
- Selektiv
- Mehrfeld
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