detmans world
Projekte Fotografie Reiseberichte Wanderungen Radtouren Über

Mit der Fuji X-T5 auf den Hund gekommen

Actionfotografie statt Landschaft: Erfahrungen mit Tieraugen-Autofokus, Objektivwahl und Serienbildern bei der Hundefotografie mit der Fuji X-T5.

23.8.2026 · Technik

Eigentlich gehöre ich eher zu den langsamen Fotografen. Ich bin vor allem in der Landschafts-, Reise- und Reportagefotografie unterwegs. Dort kann ich mir meistens Zeit nehmen, einen Standort suchen, das Bild aufbauen und auf das richtige Licht warten. Mit Actionfotografie hatte ich bislang nur gelegentlich zu tun. Manchmal fotografiere ich meinen Hund beim Rennen. Dann braucht es eine kurze Verschlusszeit – oder im Gegenteil eine bewusst lange, wenn Bewegungsunschärfe entstehen soll.

Nun habe ich ein Buchprojekt übernommen, bei dem es um Hunde geht. Ich fotografiere Hunde im Hochformat, als Porträt, in Bewegung und vor allem in ihrer jeweiligen Umgebung. Das bringt mich ziemlich aus meiner fotografischen Komfortzone.

Genau darin liegt aber auch der Reiz des Projekts: Ich muss mich mit einer Art der Fotografie auseinandersetzen, die für mich neu ist. Einige Wochen liegen inzwischen hinter mir. Zeit für ein erstes Resümee.

Hundefotografie gab es auch schon vorher

Ganz neu ist die Hundefotografie für mich natürlich nicht. Milli begleitet mich seit fast zehn Jahren, und in dieser Zeit sind bereits viele schöne Aufnahmen von ihr entstanden. Einige davon habe ich noch mit der Fuji X-T2 fotografiert – ohne Tiererkennung und ohne Tieraugen-Autofokus.

Milli läuft in der Abendsonne am Strand auf die Kamera zu, hinter ihr steht die Sonne tief über dem Meer
Milli am Strand, X-T2 mit XF 23 mm f/2. Eines meiner Lieblingsbilder – fantastisch wäre es, wenn es auch noch scharf wäre.

Das hat durchaus funktioniert. Allerdings arbeitete ich meistens mit einer größeren Schärfentiefe. Die Hunde bewegten sich dabei häufig innerhalb eines begrenzten Bereichs und nicht direkt auf mich zu. Außerdem waren sie im Bild meist klar von ihrer Umgebung getrennt. Der Autofokus musste daher keinen Hund und schon gar kein Auge erkennen, sondern lediglich ein gut abgrenzbares Objekt erfassen. Die Entfernung veränderte sich weniger schnell, und die größere Schärfentiefe glich kleinere Abweichungen des Fokus aus.

Milli liegt im hohen, taunassen Gras und blickt zur Seite, das Morgenlicht fällt weich durch die Halme
Nicht wirklich scharf, aber gerade dadurch verträumt – X-T2 mit dem XF 35 mm f/1.4 bei Offenblende.

Einige dieser älteren Fotos sind im Querformat oder quadratisch aufgenommen. Sie passen damit zwar nicht unmittelbar zu den Anforderungen des Buchprojekts, begleiten diesen Artikel aber trotzdem: Nach wenigen Wochen mit der X-T5 fehlen mir schlicht noch zu vielen Situationen die passenden neuen Aufnahmen – und sie zeigen, dass gute Hundefotos keineswegs erst mit der X-T5 und ihrer Motiverkennung möglich wurden. Die neue Technik vergrößert vielmehr meinen Spielraum: Ich kann offener fotografieren, mich stärker auf die Bewegung konzentrieren und auch in unübersichtlicheren Situationen auf eine hinreichend hohe Trefferquote hoffen.

Schwarzweißes Porträt eines alten Drahthaar-Hundes mit grauer Schnauze, der direkt in die Kamera blickt
Ruhiges Motiv, klassisch freigestellt – solche Porträts gelangen auch ohne Tiererkennung. X-T2 mit XF 50 mm f/2.

Endlich ein brauchbarer Tierautofokus

Die Fuji X-T5 besitzt einen brauchbaren Autofokus. Für mich ist sie die erste Fuji-Kamera, bei der ich das so sagen würde. Während die Motiverkennung bei anderen Herstellern schon seit Jahren zuverlässig funktionierte, musste man bei Fuji etwas länger darauf warten.

Neben der Erkennung menschlicher Gesichter und Augen bietet die X-T5 eine automatische Tiererkennung. Bei einem einzelnen, klar sichtbaren Hund arbeitet der Tieraugen-Autofokus häufig zuverlässig. Sobald jedoch mehrere Hunde gleichzeitig durchs Bild laufen und sich dabei überdecken, stößt die Objektverfolgung an ihre Grenzen. Die Kamera verliert das zuvor erfasste Tier, wechselt zum falschen Hund oder stellt vorübergehend auf eine andere Bildebene scharf. Sie muss sich entscheiden, welchem Tier sie folgen soll – und diese Entscheidung entspricht nicht immer meiner eigenen.

Ein Mischlingshund läuft im Wald dicht auf die Kamera zu und schaut direkt hinein, dahinter folgt Milli unscharf im Hintergrund
Zwei Hunde im Bild – die Kamera hat sich für den vorderen entschieden. X-T5 mit dem XF 16–55 mm bei 16 mm.

Entsprechend hoch ist bei schnellen Serien der Anteil unscharfer Aufnahmen, die ich später aussortieren muss. Immerhin findet der Autofokus das Motiv meistens relativ schnell wieder. Innerhalb einer Serie können deshalb einige Bilder deutlich defokussiert sein, während die nachfolgenden Aufnahmen wieder richtig auf dem Auge liegen.

Erste Versuche hatte ich bereits mit Vögeln im Flug und dem Fuji XF 150–600 mm gemacht. Das klappte erstaunlich passabel. Hunde sind jedoch noch einmal eine andere Herausforderung. Sie fliegen zwar nicht, bewegen sich dafür aber oft völlig unvorhersehbar: Sie beschleunigen, bremsen, wechseln abrupt die Richtung, verschwinden hintereinander und tauchen an einer ganz anderen Stelle wieder auf.

Den Hund zeigen – aber auch den Ort

Bei den Aufnahmen für das Buch geht es nicht allein darum, einen Hund möglichst schön freizustellen. Auch sein Umfeld soll zu sehen sein. Schließlich fotografiere ich die Tiere an Orten, die später im Buch vorgestellt werden.

Milli sitzt in einer verschneiten, raureifbedeckten Hügellandschaft im weichen Morgenlicht und schaut zur Seite
Der Hund und sein Ort – Milli in der Winterlandschaft, aufgenommen mit der X100V.

Das Bild soll trotzdem nicht rein dokumentarisch wirken. Der Maschendrahtzaun des benachbarten Sportplatzes ist selten der Hintergrund, den ich mir wünsche. Besser wären eine gemütliche Sitzecke, ein charakteristisches Detail des Ortes oder ein idyllischer Blick in die Natur.

Das ist gar nicht so einfach. Die Hunde bewegen sich ständig um mich herum, und ich kann meinen Standort nicht so schnell wechseln, wie sie hin und her rennen. Außerdem würde ich das Geschehen eher stören, wenn ich ihnen fortwährend mit der Kamera hinterherliefe.

Meine bisher beste Strategie besteht deshalb darin, mir zunächst einen geeigneten Platz mit einem attraktiven Hintergrund zu suchen. Dann heißt es warten und hoffen, dass sich das Geschehen irgendwann in die richtige Richtung bewegt.

So betrachtet hat selbst die Actionfotografie eine erstaunlich langsame Seite. Die eigentliche Aufnahme entsteht in einem Sekundenbruchteil. Bis sich Hund, Bewegung, Blickrichtung, Licht und Hintergrund passend zusammenfinden, kann jedoch einige Zeit vergehen.

Schnell in den Actionmodus wechseln

An der X-T5 habe ich mir die Einstellungen so eingerichtet, dass ich sehr schnell in einen Actionmodus wechseln kann. Eine Taste, in meinem Fall die AE-L-Taste, habe ich so belegt, dass ich die Tiererkennung unmittelbar aktivieren kann. Dadurch kann ich von einer normalen Aufnahmesituation, in der ich vielleicht den Augenautofokus für Menschen oder gar keine automatische Motiverkennung verwende, schnell zur Hundefotografie wechseln.

Dann stelle ich auf AF-C und Auto-ISO um und wähle zunächst eine Verschlusszeit von 1/1000 Sekunde. Das reicht bei meinen Aufnahmen in vielen Situationen aus. Bei sehr schnellen Sprüngen oder beim Abschütteln von Wasser darf es allerdings auch 1/2000 Sekunde sein. Das führt bei bedecktem Himmel wiederum sehr schnell zu hohen ISO-Werten.

Milli trabt mit offener Schnauze über einen schattigen Waldweg, der Wald hinter ihr löst sich in weiches Bokeh auf
1/2000 Sekunde im schattigen Wald: Die Auto-ISO landet bei 12.800. X-T5 mit dem XF 16–55 mm.

Die Blende hängt vom Objektiv und von der Situation ab. Meistens fotografiere ich möglichst weit offen. Zum einen benötige ich das Licht, zum anderen möchte ich den Hund vom Hintergrund lösen. Die Umgebung soll erkennbar bleiben, aber nicht mit jedem Zweig, Zaunpfosten und Gartenstuhl um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Mein wichtigstes Objektiv: das XF 16–55 mm f/2.8

Für die meisten Aufnahmen verwende ich das Fuji XF 16–55 mm f/2.8. Es ist bereits bei Offenblende sehr scharf und besitzt einen schnellen Autofokus.

Das ist wichtiger, als es zunächst klingt. Die Kamera kann das Auge eines Hundes noch so zuverlässig erkennen – das Objektiv muss mit dieser Bewegung auch Schritt halten. Beim 16–55 mm funktioniert das in den meisten Situationen gut.

Der Brennweitenbereich ist für meine Zwecke ausgesprochen praktisch. Mit den längeren Brennweiten zwischen etwa 30 und 55 mm kann ich Hunde fotografieren, die sich in etwas größerer Entfernung bewegen. Am kurzen Ende entstehen Weitwinkelaufnahmen, bei denen der Hund unmittelbar und die Umgebung trotzdem deutlich sichtbar ist.

Gelegentlich sind mir die 55 mm allerdings zu kurz. Wenn ich etwas Abstand halten muss oder ein Hund auf der anderen Seite einer Wiese läuft, wünsche ich mir mehr Brennweite. Doch ein längeres Objektiv bringt neue Probleme mit sich.

Fast alles im Hochformat

Die Bilder für das Buch müssen überwiegend im Hochformat entstehen. Dafür verwende ich den zusätzlichen Handgriff an der X-T5. Er ist enorm hilfreich, auch wenn die Kamera leider keinen echten Hochformatauslöser besitzt. Einen Batteriegriff wie seinerzeit für die X-T2 gibt es für die X-T5 nicht.

Ich halte die Kamera im Hochformat mit vier Fingern am Griff, der Zeigefinger liegt auf dem Auslöser, der Daumen stützt die Kamera von hinten. Zusammen mit dem 16–55 mm ist das System so gut ausbalanciert, dass ich es kurzzeitig sogar einhändig halten kann. Drücke ich den Daumen etwas fester gegen die Rückseite, kippt die Kamera wie an einem unsichtbaren Gelenk nach unten – so kann ich die Perspektive verändern, ohne umzugreifen. Das Display lässt sich seitlich anwinkeln, sodass ich dabei von oben auf die Kamera schauen kann. Gerade bei Hundefotos ist das ausgesprochen hilfreich.

Von Vorteil ist eine Handschlaufe, die die Kamera sichert. Ein langer Gurt baumelt sonst auf dem Boden oder deaktiviert das Display, wenn er vor den Augensensor am Sucher gerät. Ich nutze die Schlaufen von Peak Design und kann damit schnell zwischen Handschlaufe und Gurt wechseln.

Milli trabt auf einem schmalen Graspfad unter Bäumen hindurch auf die tief gehaltene Kamera zu
Fast alle Bilder für das Buch entstehen im Hochformat – wie hier auf dem Morgenspaziergang mit dem XF 16 mm.

Runter auf Hundeaugenhöhe

Weitwinkelaufnahmen, die aus menschlicher Kopfhöhe auf einen Hund hinabschauen, sehen meistens ausgesprochen dämlich aus. Man sieht viel Rücken und Boden, während die Umgebung hinter dem Hund nahezu verschwindet. Die interessantere Perspektive liegt auf Augenhöhe des Hundes.

Das ist in der Praxis leichter gesagt als getan. Sobald ich in die Hocke gehe, kommt Milli zu mir. Kurz darauf folgen meistens die anderen Hunde. Plötzlich habe ich ein Getümmel unmittelbar vor und um mich herum, aber kein vernünftiges Motiv mehr vor der Kamera.

Deshalb gehe ich häufig gar nicht selbst nach unten. Stattdessen halte ich die Kamera am ausgestreckten Arm knapp über dem Boden und kontrolliere den Bildausschnitt zumindest ungefähr über das angewinkelte Display.

Besonders gut funktioniert das, wenn ich vorlaufe und die Hunde hinter mir herlaufen. Ich lasse die nach hinten gerichtete Kamera seitlich neben mir herunterhängen, schaue von oben auf das Display und löse aus. So entstehen dynamische Aufnahmen aus einer sehr niedrigen Perspektive, ohne dass ich rückwärtslaufen oder mich auf den Boden legen muss.

Milli läuft auf einem Waldweg direkt auf die tief gehaltene Kamera zu, im Hintergrund folgen zwei Spaziergängerinnen
Kamera knapp über dem Boden, Milli läuft hinterher – Weitwinkelperspektive auf Hundeaugenhöhe.

Das XF 16 mm f/1.4 für besondere Perspektiven

Neben dem Zoom verwende ich gelegentlich das fantastische Fuji XF 16 mm f/1.4. Es eignet sich besonders gut für Aufnahmen, bei denen ich die Kamera am ausgestreckten Arm nach unten und nach hinten halte.

Bei Blende 1.4 findet die Kamera meistens das Auge des Hundes und stellt darauf scharf. Der Hintergrund wird trotz der kurzen Brennweite sichtbar unscharf. Durch die niedrige Kameraposition befindet sich alles auf der richtigen Höhe: Hund, Horizont und Umgebung.

Milli läuft aus Bodenperspektive fotografiert über einen Wiesenpfad, das Gesicht scharf, Gräser und Wolkenhimmel weich verschwommen
Das XF 16 mm bei f/1.4 und niedrigem Standpunkt: das Auge scharf, Gräser und Himmel weich – Hund, Horizont und Umgebung auf einer Höhe.

Diese Bilder wirken vollkommen anders als Aufnahmen aus normaler Augenhöhe. Der Hund erscheint nicht als kleines Objekt irgendwo unten im Bild. Er wird zu einem Teil der Landschaft und wirkt trotzdem unmittelbar und präsent. Gerade bei einem Buch, in dem sowohl der Hund als auch der jeweilige Ort eine Rolle spielen, ist das eine sehr interessante Bildwirkung.

Nahaufnahme eines Drahthaar-Hundekopfes im warmen Morgenlicht, das Auge scharf, die frostige Wiese dahinter in weicher Unschärfe
Das XF 16 mm f/1.4 bei Offenblende – hier noch an der X-T2: das Auge scharf, die Umgebung weich.

Natürlich ist die Trefferquote bei Offenblende, laufendem Hund und einer Kamera, die knapp über dem Boden hinter mir hängt, nicht hundertprozentig. Wenn es funktioniert, entstehen dabei aber einige der ungewöhnlichsten Bilder.

Ganz exakt komponieren kann ich das Bild in diesen Situationen ohnehin nicht. Aber dafür gibt es die Serienaufnahme.

Serienbilder: CL oder CH?

Noch bin ich mir nicht sicher, ob für diese Aufnahmen die langsamere Serienaufnahme CL oder die schnelle Variante CH besser geeignet ist.

CH produziert in kürzester Zeit eine gewaltige Zahl von Bildern. Der Speicherbedarf ist dabei nicht einmal das größte Problem. Viel aufwendiger ist es, anschließend all diese Aufnahmen durchzusehen und aus einer nahezu identischen Serie das eine passende Bild herauszusuchen.

Andererseits können bei einem laufenden oder springenden Hund wenige Hundertstelsekunden einen erheblichen Unterschied machen. Schauen die Augen gerade in die richtige Richtung? Sind die Pfoten in einer günstigen Position? Wirkt der Sprung leicht und elegant oder sieht es aus, als würde der Hund im nächsten Moment auf der Nase landen? Verdeckt ein zweiter Hund das Gesicht?

Die hohe Seriengeschwindigkeit ist kein Ersatz für den richtigen Augenblick. Bei einem unvorhersehbaren Motiv erhöht sie aber die Wahrscheinlichkeit, diesen Augenblick tatsächlich zu erwischen.

Vermutlich wird es auf eine Arbeitsteilung hinauslaufen: CL für ruhigere Interaktionen und überschaubare Bewegungen, CH für schnelle Läufe, Sprünge, wildes Spiel und das Abschütteln nach dem Baden.

Wenn die Speicherkarte nicht hinterherkommt

Die vielen Serienbilder füllen nicht nur die Speicherkarte, sondern zunächst auch den Puffer der Kamera. Speicherplatz habe ich genügend. Meine Karten sind jedoch offenbar nicht immer schnell genug, um längere Serien zügig wegzuschreiben.

Es ist ärgerlich, wenn nach einer Serie die rote Lampe der X-T5 längere Zeit leuchtet und die Kamera noch damit beschäftigt ist, den Inhalt ihres Puffers auf die Karte zu übertragen. Der Hund wartet schließlich nicht, bis die Technik wieder vollständig bereit ist. Der nächste Sprung oder die nächste interessante Begegnung kann genau in diesem Moment stattfinden.

Ein sandverkrusteter Australian Shepherd schüttelt sich, Sand und Dreck fliegen vom Fell, der Blick geht nach oben in die Kamera
Nach solchen Serien leuchtet die rote Lampe – der Puffer schreibt, der Hund macht weiter.

Aktuell nutze ich eine Lexar 64 GB 1667x (250 MB/s, SDXC UHS-II V60). Der limitierende Faktor ist die Schreibgeschwindigkeit auf die Karte – und die hängt direkt am RAW-Format. Ich fotografiere RAW: Mit unkomprimierter Speicherung komme ich auf etwa 10 bis 15 Bilder, dann wird die Serie langsamer, nach insgesamt etwa 20 Bildern stockt sie. Komprimiere ich verlustbehaftet, schaffe ich die dreifache Menge – rund 60 Bilder in Folge. Bei verlustfreier Komprimierung sind es wieder ungefähr 20.

Damit ich schnell wechseln kann, habe ich mir zwei Custom-Settings angelegt – eines für verlustbehaftet komprimiertes RAW, eines für verlustfrei komprimiertes – und beide auf die AF-On-Taste gelegt. Stelle ich den Drive-Schalter auf CL oder CH, kann ich so mit einem Tastendruck auch die Speicherart wechseln.

Ob zusätzlich eine schnellere Speicherkarte hilft, hängt auch von der Verarbeitung in der Kamera ab. Die Karte ist nur ein Teil der gesamten Kette.

Das XF 70–300 mm stößt an seine Grenzen

Ausprobiert habe ich auch das XF 70–300 mm. Der längere Brennweitenbereich wäre eine gute Ergänzung zu den manchmal etwas kurzen 55 mm des Standardzooms.

In der Praxis hat das Objektiv für diese Aufgabe jedoch zwei Probleme. Das erste ist seine relativ geringe Lichtstärke. Schon an einem normalen bedeckten Tag lande ich bei 1/1000 Sekunde und einer Anfangsblende von f/5 oder f/5.6 schnell bei ISO 6.400 oder sogar ISO 12.800.

Das größere Problem ist aber der Autofokus. Besonders bei einem Hund, der mit hoher Geschwindigkeit direkt auf mich zurennt, kann das Objektiv nicht immer schnell genug nachführen. Durch die längere Brennweite ist die scharfe Zone relativ klein. Der Fokus muss deshalb wirklich auf dem Auge sitzen.

Das tut er leider nicht zuverlässig. Die Kamera erkennt den Hund, aber die Schärfe liegt dann mitunter auf dem Körper oder sogar auf dem Hinterteil. Wenn der Hund im Bild nur klein abgebildet wird, kann eine solche Aufnahme noch funktionieren. Sobald er jedoch einen größeren Teil des Formats ausfüllt, wird die fehlende Schärfe an den Augen sichtbar.

Milli läuft bei 300 Millimetern Brennweite frontal auf die Kamera zu, die Wiese vor und hinter ihr verschwimmt
Frontal anlaufender Hund bei 300 mm – die härteste Aufgabe für den Autofokus des XF 70–300. Hier sitzt der Fokus auf dem Hintern statt auf dem Auge.

Auch die Rauschreduzierung wird dann problematisch. Sie glättet die durch die hohen ISO-Werte entstandenen Störungen, macht aber die ohnehin nicht ganz scharfen Augen zusätzlich weich. Spätestens dann ist deutlich zu sehen, dass der Fokus nicht richtig saß.

Mit einer KI-Schärfung ließe sich manche Aufnahme wahrscheinlich noch retten. Ich möchte daraus aber keinen regulären Arbeitsschritt machen. Lieber soll das Bild bereits bei der Aufnahme richtig scharf sein.

Das XF 56 mm f/1.2 für maximale Freistellung

In Bezug auf die Freistellungsmöglichkeiten ist das 56 mm f/1.2 natürlich ungeschlagen. Allerdings ist seine Autofokus-Performance für Hundefotos nur bedingt geeignet. Die besondere Freistellung kommt vor allem bei Offenblende zur Geltung, und dort ist die Schärfeebene entsprechend schmal. Dass sie bei einem laufenden Hund tatsächlich dort sitzt, wo sie sitzen soll, ist dann fast schon Glückssache.

Die Serien, die ich mit dem Objektiv fotografiert habe, zeigen dabei ein auffälliges Muster: Geht der Fokus einmal verloren, findet er innerhalb der Serie meist nicht wieder zurück. Am besten funktioniert es deshalb, vorzufokussieren, dafür zu sorgen, dass keine Hindernisse zwischen Kamera und Hund geraten, und dann zu hoffen, dass es passt. Den Hund aus größerer Entfernung auf mich zulaufen zu lassen und einfach eine lange Serie zu fotografieren, funktioniert dagegen weniger gut. Je länger die Sequenz, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Autofokus irgendwann aussteigt.

Besser ist es, möglichst nah an der eigentlichen Aufnahmesituation zu beginnen und darauf zu setzen, dass die ersten fünf bis zehn Bilder den Fokus halten. Wenn die Schärfe dann allerdings sitzt, entstehen mit dem 56er wirklich wunderbare Fotos. Besonders schön finde ich Aufnahmen, bei denen die schmale Schärfeebene nicht nur den Hund erfasst, sondern auch einzelne Gräser oder andere Elemente um ihn herum. Dann wird die geringe Schärfentiefe nicht nur zum Mittel der Freistellung, sondern selbst zu einem Teil des Bildes.

Milli läuft auf einem schmalen Pfad zwischen hohen Gräsern auf die Kamera zu, das Gesicht scharf, Gräser davor und dahinter in weicher Unschärfe
Wenn die Schärfe sitzt: das XF 56 mm bei f/1.2 und 1/1000 Sekunde – die schmale Schärfeebene erfasst neben Milli auch einzelne Gräser.

Beim Handling ist die Kamera-Objektiv-Kombination mit dem 56er perfekt ausbalanciert. Für die Einhandbedienung eignet sie sich allerdings nicht: Bei diesem leichten Tele muss ich mit beiden Händen führen, um den Ausschnitt nicht zu verreißen.

Badeplätze: Wasser, Sand und Feuer frei

Besonders ergiebig sind Badeplätze. Wenn Hunde aus dem Wasser kommen, wälzen sie sich gerne im Sand oder auf der Wiese. Danach schütteln sie sich ausgiebig.

Mehrere Hunde stürmen aus einem glitzernden See ans Ufer, das Wasser spritzt in alle Richtungen
Badestelle im Gegenlicht – wenn die Meute aus dem Wasser kommt, ist für Nachschub an Motiven gesorgt.

Das ergibt großartige Bilder. Wasser, Sand und Fell fliegen in alle Richtungen, die Bewegungen sind dynamisch und die Hunde nehmen die unterschiedlichsten Formen an. Für solche Situationen eignen sich kurze Brennweiten, eine niedrige Kameraposition und eine schnelle Serienaufnahme.

Dann heißt es tatsächlich nur noch: Kamera runter, Verschlusszeit hoch – und Feuer frei.

Meine Einstellungen im Überblick

BereichEinstellung
AutofokusAF-C mit Tiererkennung, Aktivierung auf der AE-L-Taste
Verschlusszeit1/1000 Sekunde, bei Sprüngen und beim Schütteln 1/2000 Sekunde
ISOAuto-ISO
Blendemöglichst offen
SerienaufnahmeCL für ruhigere Interaktionen, CH für Läufe, Sprünge und wildes Spiel
RAW-Speicherungverlustbehaftet komprimiert für lange Serien (ca. 60 Bilder), verlustfrei komprimiert (ca. 20 Bilder) – Wechsel per Custom-Settings auf der AF-On-Taste
SpeicherkarteLexar 64 GB 1667x, SDXC UHS-II V60
ObjektiveXF 16–55 mm f/2.8 als Standard, XF 16 mm f/1.4 für bodennahe Perspektiven, XF 56 mm f/1.2 für maximale Freistellung (Autofokus mit Glücksfaktor), XF 70–300 mm nur eingeschränkt
HaltungHochformat mit Zusatzhandgriff und Handschlaufe, Display seitlich angewinkelt

Gemeinsam raus aus der Komfortzone

Meine Milli wird bald zehn Jahre alt. Ihre Sprünge sind nicht mehr ganz so hoch wie früher, aber rennen kann sie noch immer wie ein Pfeil. Allerdings muss ich sie inzwischen etwas mehr motivieren, wenn ich möchte, dass sie für ein Foto etwas Bestimmtes tut: über einen Baumstamm balancieren, durch einen Reifen springen oder in die gewünschte Richtung laufen.

Mit ein paar „Hundedrogen“ funktioniert das erstaunlich gut. Seit ich eine Tüte mit winzigen Leckerlis dabeihabe, gehört Millis Aufmerksamkeit ganz mir. Allerdings riechen die kleinen Dinger offenbar so verführerisch, dass sich manchmal eine ganze Schleppe fremder Hunde hinter mir bildet. Sie folgen mir über den Platz und schnuppern erwartungsvoll an meinen Händen.

Das Projekt ist deshalb nicht nur eine schöne Gelegenheit, fotografisch etwas Neues zu lernen. Es ist auch wunderbar, gemeinsam mit Milli neue Erfahrungen zu machen. Die Hundefotografie bringt nicht nur mich aus meiner gewohnten Komfortzone, sondern manchmal auch sie.

Milli tobt mit einem zotteligen Hund durch tiefen Schnee, der Schnee stiebt auf
Gemeinsam unterwegs, hier im Schnee – aufgenommen mit der X100V.

Ein erstes Zwischenfazit

Wenn ich mir für dieses Projekt eine Kamera frei aussuchen könnte, wäre es wahrscheinlich keine Fuji, sondern eine Nikon oder Canon – eine Kamera also, deren Autofokus bei schnell auf mich zulaufenden Hunden noch etwas zuverlässiger sitzt. Auch der Brennweitenbereich meines Objektivs ist nicht ideal. Es ist zwar sehr scharf und schnell, aber umgerechnet 24 bis 84 Millimeter sind mir am langen Ende manchmal etwas zu wenig. Ein 24–120 mm an einer Nikon-Vollformatkamera wäre vermutlich die passendere Kombination. Mit Blende 4 hätte es zudem ungefähr denselben Freistellungseffekt wie mein 2,8er an der Fuji.

Aber für dieses eine Projekt werde ich sicherlich nicht so viel Geld für eine neue Kamera und ein neues Objektiv ausgeben. Die X-T5 ist hinreichend schnell, und ich komme gut mit ihr klar. Und wenn ich mir die Bilder anschaue, die ich früher mit der X-T2 gemacht habe: Auch darunter sind sehr gute Aufnahmen.

Autofokus ist eben nicht alles. Am Ende kommt es mindestens genauso sehr auf den richtigen Moment an, auf die Hunde, die man zusammenbringt, und darauf, sich auf die Situation einzulassen. Dazu gehört auch das kleine soziale Abenteuer, auf fremde Hundebesitzer zuzugehen und zu fragen, ob man ihre Hunde fotografieren darf. Und manchmal ist die Begegnung, die daraus entsteht, mindestens so viel wert wie das Bild. Vielleicht ist das sogar die wichtigste Erkenntnis: Bei der Hundefotografie geht es um viel Soziales – und nur ein bisschen um Technik.