Letztes Wochenende war ich mit meinem Sohn unterwegs – Fotografieren mit Mittelformat, mit der Hasselblad 500cm

Die Hasselblad 500

Fotografieren mit einer Ikone: Die Hasselblad 500 ist keine Kamera für Schnappschüsse. Sie ist ein Werkzeug für bewusste Fotografie – und ein perfekter Begleiter für einen besonderen Vater-Sohn-Ausflug.

Diese legendäre Kamera aus der analogen Ära ist ein Meisterstück mechanischer Präzision: modular aufgebaut, mit einem großen Film beladen und ganz ohne Elektronik. Alle Teile greifen mechanisch ineinander – ein Uhrwerk aus Zahnrädern, Hebeln und Drehstiften. Ein riesiger Lichtschachtsucher zeigt das Bild seitenverkehrt – ein Blick in eine gespiegelte Parallelwelt.

Mein Sohn teilt wie ich die Freude an der analogen Fotografie. Er nutzt seit Jahren meine Pentax ME Super. Als wir kürzlich über einige technische Grundlagen der SLR-Fotografie sprachen, griff ich zur Hasselblad 500 als Demonstrationsobjekt. Denn ihr modulares Prinzip erlaubt es, die Kamera in ihre Einzelteile zu zerlegen: Body mit Spiegel und Mattscheibe, Objektiv, Magazin mit Filmbühne und Filmaufnahme.

Auch das Objektiv eignet sich hervorragend zum Erklären: Durch die Kopplung von Blende und Verschlusszeit bei festem Lichtwert versteht man unmittelbar, dass man beide Parameter immer gemeinsam betrachten muss. Und dann ist da noch die Schärfentiefenanzeige – mit ihren bewegten kleinen roten Markierungspfeilen eine wunderbare, mechanisch gesteuerte Veranschaulichung.

Der Faszination dieser Kamera konnte er sich natürlich nicht entziehen. Und so beschlossen wir, am Wochenende einen kleinen Ausflug zu machen – mit der Hasselblad, drei Objektiven (80 mm, 50 mm, 120 mm) und dem Stativ im Gepäck.

Die Magazine laden wir mit Ilford FP4, und nehmenn noch zwei Kleinbikdkameras mit, fürs flinke Dokumentieren: die Pentax ME super, und die Contax RTS.

Kloster Lehnin

Ich hatte das Kloster Lehnin ausgewählt. Man findet dort auf engem Raum viele Motive – und das Hasselblad-Equipment ist nun mal kein Leichtgewicht.

Während der Fahrt erzähle ich ihm, was diesen Ort so besonders macht. Kloster Lehnin gehört wie der Dom zu Brandenburg an der Havel zu den Geburtsreliquien der Mark Brandenburg. 1180 gegründet, war es das erste Zisterzienserkloster der Region. Von hier aus wirkten die Mönche mit ihrem produktiven Ora et Labora-Mantra als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung – über Jahrhunderte hinweg. Mit der lutherischen Reformation wurde das Kloster 1542 säkularisiert. Später nutzte man Teile der Anlage als Jagdschloss und Domänenamt.

Diese Schichten der Geschichte sind heute noch sichtbar – in den Resten der alten Klostermauern ebenso wie in der eindrucksvollen Klosterkirche. Im 19. Jahrhundert wurde sie restauriert; sie gilt als bedeutendes Zeugnis der norddeutschen Backstein-Gotik.

Und natürlich sprechen wir auch über Fotografie. Mein Sohn hat aufgefrischte Kenntnisse aus dem Kunst-Leistungskurs, bringt die klassischen Gestaltungsregeln mit. Ich schwärme vom quadratischen Bildformat der Hasselblad, das weder Hoch- noch Querformat ist – und bei dem die Bildmitte, so finde ich, eine ganz eigene Kraft entfaltet. Wir beide haben zusätzlich noch unsere analogen Kleinbildkameras dabei – ideal für spontane Beobachtungen und Dokumentationen zwischendurch.

Fotografieren bei Minusgraden

In Lehnin angekommen: Es sind minus zwei oder drei Grad. Wie gut, dass wir das Stativ dabei haben! So lässt sich die Kamera auch mit Handschuhen ausrichten. Wir können uns in aller Ruhe Perspektive und Bildaufbau suchen. Der Lichtschachtsucher zeigt die Welt spiegelverkehrt – man muss sich daran gewöhnen, in die jeweils andere Richtung zu schwenken. Die Belichtung messen wir mit Handbelichtungsmessern – vorzugsweise als Licht-, nicht als Objektmessung.

Man kann sich alle Zeit der Welt lassen. Wenn alles eingestellt ist, schließt der Druck auf den Auslöser – mit diesem unnachahmlichen Hasselblad-Klick – die Vorarbeiten ab. Das Licht trifft auf das Zelluloid.

Die Freude, meinen Sohn beim konzentrierten Arbeiten mit der „Hassi“ zu sehen, ist so groß, dass ich zeitweise ganz vergesse, selbst Fotos zu machen. Zwölf Aufnahmen passen in ein Magazin. Nach eineinhalb Stunden haben wir sechs Bilder gemacht – Halbzeit. So sieht entschleunigtes Fotografieren aus.

Café und letzte Fotos

Zum Aufwärmen kehren wir in das Café am Ostufer des Klostersees ein. Kuchen, Cappuccino – und ein paar weitere Motive im angrenzenden Skulpturengarten.

Auf dem Rückweg nehmen wir den Berliner Ring, überqueren die Havel mit Blick auf das Naturschutzgebiet Wolfsbruch am Dreieck Havel/Wublitz, und entscheiden uns spontan für einen letzten Halt in Grube. Dort führt ein kleiner, kaum bekannter Deichdamm zwischen Havel und alten Erdelöchern entlang – mit idyllischem Blick auf die Häuserfront von Grube. Die letzten Aufnahmen werden gemacht.

Labor & Scan

Zu Hause entwickeln wir zunächst seinen Film. Fast alle Fotos sind technisch einwandfrei, nur das letzte Bild – ein Innenraumfoto zu Hause – ist unterbelichtet. Es ist jedes Mal ein Erlebnis, selbst zu entwickeln. Wenn die Entwicklerdose geöffnet, der Film aus der Spule gezogen und zum Trocknen aufgehängt wird! Die analoge Fotografie – besonders im Mittelformat – schärft die Sinne. Beim Fotografieren ist die Welt seitenverkehrt. Nach dem Entwickeln ist sie invertiert, negativ.

Dann wird gescannt. Nun sehen wir die Bilder in voller Größe, seitenrichtig, positiv am Monitor. Ein paar Kontraste anpassen, ein wenig beschneiden – mehr braucht es oft nicht. Wir besprechen die Fotos: Was gefällt, was nicht, was man beim nächsten Mal anders machen kann.

Mein Film ist noch nicht voll. Also nehme ich am nächsten Morgen das Equipment – und Milli – mit zum Hahneberg. Es hat geschneit. Ich mache die restlichen Bilder und entwickle den Film danach.

Ein Bild ist unscharf – ein Close-Up meines Sohnes. Aber vielleicht gerade deshalb besonders: Wegen – oder trotz – seiner Unschärfe hat es einen eigenen Touch. Die Fotos vom Hahneberg-Schneeausflug sind etwas flau, leicht überbelichtet – wie zu erwarten an diesem bedeckten Tag.

Ein paar Tage später poste ich einige der Ergebnisse in einer Hasselblad-Gruppe – mit dem Hinweis auf unser Vater-Sohn-Adventure. Ich bekomme anrührendes Feedback: Einige Väter schicken mir Fotos ihrer eigenen Hasselblad-Ausflüge mit ihren Söhnen.

Fotografieren bewahrt schöne Momente. Gemeinsam fotografieren erschafft solche.

Fotos

Im Kreuzgang. Hasselblad 500
Im Kreuzgang. Hasselblad 500

Der Kornspeicher im Kloster Lehnin. Hasselblad 500
Der Kornspeicher im Kloster Lehnin. Hasselblad 500

Der Kornspeicher im Kloster Lehnin. Hasselblad 500
Der Kornspeicher im Kloster Lehnin. Hasselblad 500

Graffity am Ufercafe. Hasselblad 500
Graffity am Ufercafe. Hasselblad 500

Das Elisabethhaus. Hasselblad 500
Das Elisabethhaus. Hasselblad 500

Auf dem Deichdamm bei Grube, Hasselblad 500
Auf dem Deichdamm bei Grube, Hasselblad 500

Auf dem Deichdamm bei Grube, Hasselblad 500
Auf dem Deichdamm bei Grube, Hasselblad 500

Klosterkirche, Elisabethhaus. Hasselblad 500
Klosterkirche, Elisabethhaus. Hasselblad 500

Verschneiter Hahneberg. Hasselblad 500
Verschneiter Hahneberg. Hasselblad 500

Birken am Hahneberg. Hasselblad 500
Birken am Hahneberg. Hasselblad 500

Hasselblad-Fotograf. Aufgenommen mit Contax RTS, Zeiss Planar 1.4 50mm
Hasselblad-Fotograf. Aufgenommen mit Contax RTS, Zeiss Planar 1.4 50mm

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