Auf der Suche nach dem passenden Body für das Contax 50mm 1.4

Contax RTS III

Ich habe das Vintage-Objektiv Contax Zeiss Planar 50mm 1.4, das ich mit großer Freude an einer Sony A7 (erste Generation) nutze. Da ich auch gerne analog fotografiere, juckt es mich seit jeher in den Fingern, mal eine Contax-Kleinbildkamera zu bekommen – zu einem vernünftigen Preis.

Aber welche Kamera soll ins Sortiment? Wertstabil soll sie sein, damit ich sie benutzen und beizeiten auch wieder ohne Verlust veräußern kann – was einen guten Zustand und eine robuste Technik voraussetzt.

Aber irgendwie bin ich nie fündig geworden. RX? Aria? 167? Oder eine Yashica? Die hat schließlich dasselbe Bajonett wie Contax, seit Zeiss, der Hersteller der Linsen und Contax-Kameras, mit Yashica eine Affaire d’Amour einging, um den schwächelnden Absatz anzukurbeln.

Das Flaggschiff der Contax-SLR-Linie war die RTS-Serie, die aus drei Kameragenerationen bestand. Und nun ist es passiert: Ich habe eine gut aussehende und laut Händler (Foto Meyer) funktionierende RTS III zu einem fairen Preis entdeckt – und gekauft.

Die Contax RTS III mit 50mm 1,4 Planar
Die Contax RTS III mit 50mm 1,4 Planar

Die RTS-Serie – kurz eingeordnet

  • RTS I (1975–1982) – Klassischer Einstieg, robuste Mechanik, aber alterungsanfällig. Kein Motor integriert.
  • RTS II (1982–1990) – Weiterentwickelt mit verbessertem Sucher, neuer Elektronik, aber ebenfalls teils fehleranfällig.
  • RTS III (1990–2002) – Das technische Meisterstück mit Motor, Vakuumansaugung des Films für absolute Planlage und allerlei weitere Features.

Weltmeister im Superschwergewicht

Kurz darauf trudelte die Kamera bei mir ein, und ich nahm sie in die Hand. Verdammt, ist die schwer! Und auch noch sechs AA-Batterien will sie haben – sonst macht sie keinen Mucks. Also mit Strom gefüttert und ausprobiert.

Die Haptik ist toll – muss sie auch sein bei einem Gewicht von etwa 1,2 kg mit Batterien (!). Der Motor lässt sich in Einzelbild- oder Serienmodus schalten (wahlweise 3 oder 5 Bilder pro Sekunde), die Mattscheiben sind wechselbar, es gibt einen integrierten Hochformatauslöser, automatisches Belichtungs-Bracketing, Integral- und Spotmessung, ein verriegelbares Okular, Spiegelvorauslösung, und als Highlight ein cleveres System, mit dem der Film an die Andruckplatte gesaugt wird, um absolute Planlage zu erreichen. Und die Kamera hat 1/8000 Sekunde als kürzeste Verschlusszeit, was bei einem lichtstarken Objektiv wie dem Planar 1.4 wirklich nützlich ist.

Eigentlich braucht man fast nichts davon für ein entspanntes analoges Fotovergnügen. Ich habe sie mir auch nicht wegen der Features gekauft, sondern weil sie das jüngste Modell der Contax-Kameras mit diesem Anschluss ist: 1990 kam sie auf den Markt; das ist zwar auch schon 35 Jahre her, aber da sollte man noch keine Altersgebrechen haben, dachte ich mir.

Bedienelemente
Bedienelemente

Bleeding LCD

Dann ein Blick in den Sucher: eine Digitalanzeige in Blau – rechts und unten im Bildfeld. Was ist das? Ein Live-Histogramm als kleines Balkendiagramm? Bei einer analogen Kamera? Verdammt, das ist cool!

Nur leider bewegt es sich kein bisschen. Nein, die Kamera hat kein Histogramm. Die Kamera hat ein „bleeding LCD“ – eine Krankheit alternder Sucheranzeigen. Der Blaue Star der RTS.

Bei diesem Defekt sind die LCD-Anzeigen gestört. Ein LCD besteht aus mehreren Schichten. Zuerst wird das Licht durch einen Polarisationsfilter in eine feste Schwingungsrichtung gebracht. Am Ende sitzt ein zweiter Polarisationsfilter, der das Licht nur dann durchlässt, wenn seine Schwingungsrichtung dazu passt. Dazwischen befindet sich die dünne Schicht der Flüssigkristalle. Diese können sich unter elektrischer Spannung so ausrichten, dass sie die Polarisation des Lichts verdrehen – dadurch wird gesteuert, welche Bildbereiche hell oder dunkel erscheinen.

Die möglichen Fehler in diesen Schichten sind vielfältig. Das Display muss nicht „auslaufen“; schon eine Störung in der Ausrichtung der Flüssigkristalle oder eine Beschädigung in der Schichtstruktur führt zu sichtbaren Flecken. Reparabel ist das nicht – die komplette LCD-Einheit muss ausgetauscht werden.

Im Fall meiner Kamera wirkt sich der Defekt so aus, dass ich im unteren Bereich einen weißen Fleck sehe, der an ein Histogramm erinnert. Die Zahlenanzeigen für Blende und Zeit sind sichtbar, aber sehr, sehr schwach. Die Verschlusszeiten werden über eine Skala dargestellt, wobei der aktuell eingestellte oder berechnete Wert leuchtet. Leuchten soll. Ich kann es zumindest schwach erkennen; vielleicht kann ich damit leben.

Praxis

Bei Trockenaufnahmen erscheinen die Verschlusszeiten plausibel – das ist das Wichtigste. Ich nehme sie mit auf einen Ausflug mit der Hasselblad.

Bei hellem Tageslicht zeigt sich jedoch: Ich kann die Anzeige im Sucher gar nicht erkennen. Für mich ist direkt klar, dass ich die Kamera nicht behalten werde, den Film will ich aber noch vollmachen.

Die gemessenen Verschlusszeiten kann ich nicht sehen, also orientiere ich mich an der Lichtsituation, wähle die Blende, und höre am Verschluss, dass die Zeiten kurz genug sind. Das Fotografieren macht Spaß, trotz des Gewichts. Die Griffwulste sorgen dafür, dass sie leicht aus der Tasche in die Hand gleitet. Und auch der Motoraufzug ist ganz schick – mal so zur Abwechslung. Besonders dann, wenn es schweinekalt ist und jeder Handgriff weh tut.

Auch der Hochformatauslöser ist toll, ich hab so einen am Batteriegriff meiner Fuji XT-2. Der Sucher ist hell, das Scharfstellen mit dem offenblendigem Planar 50mm 1.4 fällt leicht. Das schwere Gewicht spürt man weniger, als ich dachte, die Kamera liegt wirklich gut in der Hand. Besser als eine Leica R8, die ja auch ein Gewichtsmonster ist.

Dann will die Kamera plötzlich nicht, und die Batterien zeigen an, dass sie alle sind. Ich hab zwar gelesen, dass die Kamera sehr hungrig auf Strom ist, aber das ist wirklich verdammt kurz. Ich öffne das Batteriefach, wackel an den Batterien, und es geht wieder.

Zu Hause mache ich noch ein paar Fotos – Porträts im Türrahmen – und jetzt spinnt auch die Belichtungsmessung, die Zeiten gehen in die Sekunden. Bin ich froh, dass ich das Ding beim Händler gekauft habe und zurückgeben kann.

Rückgabe

Trotzdem ist es für mich sehr nervig, die Kamera zurückzubringen – ich muss mit einer Stunde Anfahrt rechnen. Ich beiße in den sauren Apfel und fahre zu Foto Meyer, wo die Kamera anstandslos zurückgenommen wird - und man sich für die Unanehmlichkeiten entschuldigt. Die Kamera sei wegen des Defekts so günstig gewesen, sagt ein hinzugezogener Kollege. Klar, kann ich nachvollziehen - aber das muss mit auf die Beschreibungsseite des Shops.

Wie sich herausstellt, ist der Mann, mit dem ich das verhandle, auch ein Freund der alten Contax-Gläser, die er mit Freude an seiner Sony nutzt. Er empfiehlt mir die teuren Novoflex-Adapter (die sind wirklich schweineteuer), weil sie besser beschichtet sind.

Das sei nämlich das Problem an den billigen Adaptern wie K+F, Urth & Co: Die Auflagemaße und Bajonettanschlüsse sind super gefertigt, aber die Innenbeschichtung ist mangelhaft. Das führt dann dazu, dass durch die Innenreflexionen die Fotos flau werden, als hätte man unbeschichtete Gläser aus den 50ern.

Interessant … aber wer weiß, vielleicht gefällt mir der nostalgische Flair gerade wegen dieser Effekte so gut. Vielleicht bin ich deswegen so zufrieden mit dem Zeiss-Glas an der Sony. Sollte ich auch sein, denn eine analoge Kamera, mit der mein Contax-Objektiv wieder Licht auf Film einfangen kann, ist erneut in weite Ferne gerückt.

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