Öland - Sommerferien auf Schwedens Sonneninsel

Der Familienrat hat getagt und entschieden: dieses Jahr fahren wir in den Sommerferien nach Schweden. Aber vertragen sich die Mücken mit Karls Insektenallergie? Freundin Martina rät uns, auf der Insel Öland Urlaub zu machen. Der Boden besteht dort aus Karstgestein, und es ist immer windig, dadurch hat es wohl nicht so viele Mücken. Sie sei dort als Jugendliche ein paar Mal dort gewesen und fand es sehr schön.

Also gut, wir buchen bei AirBnb und finden ein schnuckelig anzuschauendes Häuschen bei Källa.

Källa

Öland liegt direkt vor der Ostküste Südschwedens und ist über eine 6 (!) Kilometer lange Brücke mit dem Festland verbunden. Öland ist ein langer Lulatsch - maximal 16 km breit aber 135 km lang. Unser Quartier liegt im Norden bei Källa, dort wird die Insel zunehmend schmaler. Namenspatron unseres Ortes Källa ist die Quelle („Källa“) bei einer alten Kirche („Gamla Kyrka“).

Ein paar Häuser weiter beginnt schon die Ostsee. Eine kleine Insel ist bei unserer Ankunft über einen steinigen Damm erreichbar; den Rest des Urlaubs steht diese unter Wasser. Der Weg dahin ist steinig, und abends brennen die Füße von den Brennnesseln.

Der Küstenbereich ist flach und voller Blumen; überall liegen Steine herum. Über unseren Köpfen fliegen die Vögel und alarmieren mit lautem Geschrei ihre Angehörigen vor uns Eindringlingen.

Der Hafen von Källa (“Källahamn”) beherbergt ein paar Hütten die man mieten kann. Vor vielen Jahrhunderten war dieser Hafen eine wichtige Verbindung nach Gotland und Deutschland, aber davon ist nichts mehr zu spüren.

Wir sind zufrieden mit unserer Unterkunft. Alles ist schön und liebevoll eingerichtet. Im Garten zieht ein Mähroboter seine Bahnen, der sich auch durch Millis Gebell nicht aus der Ruhe bringen lässt. Später dann wird er eine von der Leine gefallene Hose von Karl versuchen zu mähen und diese modisch aufwerten.

Gamla Kyrka

Die Ursprünge des Kirchengebäudes stammen noch aus vorchristlicher Zeit (Öland wurde im 11. Jahrhundert christianisiert). Auf dem Kirchengelände liegen riesige Grabplatten; einige wenige mit keltischen, die meisten mit christlichen Symbolen. Die Kirche ist seit dem Bau einer neuen Kirche vor hundert Jahren nicht mehr genutzt worden und kann für 20 Kronen besichtigt werden. Links neben der Kirche sind die Reste der versiegten Quelle zu sehen, hinter der Kirche wehen Spinnweben befüllt mit Maden von einem Baum inmitten der Grabplatten. Schön gruselig. Im Nachbarsgarten mäht ein Junge den Rasen und trällert „Always look at the bright sight of life“.

Wir nützen die gespenstische Stimmung für ein paar Zombie Fotos.

Ölands Norden - Trollskogen

Im nördlichen Teil Ölands finden sich Wälder mit einem dichten Blaubeergestrüpp.

Ganz hoch im Norden findet sich das Waldgebiet Trollskogen, deren uralte Kiefern und Eichen vom Wind eigenartig verwachsen sind. Eine 5 Kilometer lange Wanderung führt durch den Wald und an menschenleere Kieselstrände.

Nebenan steht der lange Erik - der Leuchtturm an der Nordspitze. Sein Bruder, der lange Jan, bewacht dagegen … erraten: die Südspitze.

Südöstlich liegt Böda mit einem kilometerlangen Sandstrand, zugänglich über einen großen Campingplatz. Dünen und Gräser wie an der deutschen Ostsee, aber weitgehend menschenleer.

Ölands Nordwesten

Es gibt eine wunderschöne Küstenstraße im Nordwesten, die abwechslungsreich und lohnenswert ist.

Auch hier ist die Landschaft karg. An vielen Stellen kann man direkt ans steinige Ufer mit malerischen Fischerhütten.

Bei Jordhamn findet sich eine Scheuermühle, mit der Steinplatten glatt geschliffen wurden.

Zwischendrin immer wieder tolle Eindrücke.

Mal ist es ein Gebiet mit aufgetürmten Bruchsteinen:

An anderer Stelle liegen zwischen Kieselstrand und Meer durchfurchte völlig ebene steinerne Flächen, die gerade so aus dem Wasser ragen.

Mühlen

Neben der Steinmühle in Jordhamn - die in Schweden einzigartig ist - stehen Unmengen an Bockwindmühlen herum. Ursprünglich waren es 2000, jetzt sind noch 400 übrig geblieben. Die Bockwindmühlen können in die Windrichtung gedreht werden, dazu sitzen sie auf einem Bock (beispielsweise auf einem abgesägtem Baumstamm einer Eiche - besser kann mans nicht am Boden verankern).

Später wurden die kleinen Bockwindmühlen abgelöst durch die Holländermühlen, bei denen nur der obere Mühlenkopf gedreht wird und die deutlich größer sind. Auch von dieser Art gibt es ein paar auf Öland, beispielsweise in Sandvik nähe Jordhamn.

Byrums Rauken

Im Norden befindet sich der schönste Abschnitt der Nordwestküste in der Nähe des Dorfes Byrum. Bei den Rauken handelt es sich um Kalksteinsäulen, die vom Meerwasser freigewaschen worden. Man kann prima auf ihnen herumklettern und tolle Fotos schießen.

Wir waren zweimal dort, und beim zweiten Mal hatten wir wirklich ein begnadetes Licht für Fotos:

Ölands Süden - Alvaret und Gettlinge

Das untere Viertel Ölands ist das Alvaret Gebiet - eine sehr spezielle Karstlandschaft, mit Gräsern bewachsen und Mäuerchen durchzogen wird es vornehmlich für die Viehwirtschaft genutzt.

Von unserer Unterkunft aus sind das doch gute 1,5 Stunden Autofahrt (Öland ist laaaang). Hauptziel dieses Tagesausflugs sind die Steingräber bei Gettlinge. Ein schönes Fotomotiv ist eine sogenannte Schiffsetzung im nördlichen Bereich - hier sind die Grabsteine im Umriss eines Schiffes angeordnet, das Schiff, dass die Toten in das Totenreich bringen soll.

So richtig packt uns Ölands Süden nicht. Wir essen eine Pizza und fahren wieder zurück, und lassen die Burg Eketorp unbesichtigt zurück.

Radfahren in Öland

Ich hab mein Rennrad mitgenommen, aber nur wenig genutzt. Zum einen, weil wir viele Ausflüge zusammen mit dem Auto gemacht haben, zum anderen weil die schönen Straßen und Wege häufig Schotterpisten sind, was mit den dünnen Reifen des Rennrades nicht gut geht. Und der Wind, der ist auch ziemlich heftig. Wenn es in Berlin mal richtig stürmisch ist, dann entspricht das in Öland einem eher windstillen Tag … Es gibt aber tatsächlich extra ausgewiesene Radstrecken, die auf dem 380 km Rundkurs „Ölandsleden“ liegen. Eine schöne führt an Källa vorbei bis Byrum.

Am besten ist man auf Öland mit einem Gravelbike (ein Rennrad mit breiten Stollenreifen) bedient; schnell genug um die langen Distanzen zu meisten, aber unempfindlich gegenüber den Schotterpassagen.

Wandern

Mit dem Wandern hatten wir nicht so viel Glück. Die als Wanderwege ausgezeichneten Strecken gehen häufig über bewirtschaftete Viehweiden, was wir mit unserem Hund vermeiden wollen. Oder sind Naturreservate, die von April bis August für Wanderer gesperrt sind. Egal in welche Richtung wir von unserer Unterkunft gewandert sind - spätestens nach 2 km war Schluss. Besser geht das wohl im Süden der Insel.

Konst und Loppis

In jedem Dorf finden sich kleine Loppis Schilder, die auf Trödelläden hinweisen. Da scheinen die Schweden mächtig drauf stehen. Außerdem gibt es jede Menge Konst. Ein niedlicher Teller mit witzigen Dekor hat es uns angetan, doch beim Anblick des Preises (120 € umgerechnet) verpuffte der Kaufimpuls rückstandslos.

Kaffee

Es hat uns etwas überrascht, dass Kaffeshäuser und Restaurants etwas dünn gesät und karg ausgestattet erscheinen - dafür, dass es sich hier um die Insel handelt, „wo die Schweden Urlaub machen“. Oder müssen wir uns erst an den skandinavischen Lifestyle gewöhnen? Barocke Tortentürme sind hier nicht zu erwarten, zwei Sorten Blechkuchen und Kaffee von der Wärmeplatte müssen genügen. Es sein denn, man geht in das Glassrestaurang (Eisdiele) in Källa. Dort sind die Auswahl und die Portionen so riesig, dass man sogar vergisst sich zu wundern, dass der Schwede diese Eistürme bei 15 Grad und frostigem Wind im T-Shirt verdrückt. Wir sind Schwedenneulinge und wissen nicht, ob das auch auf dem Festland so ist. Aber es scheint, dass der Schwede wohl lieber sich ins Auto setzt, und draußen in der Natur Picknick macht.

Helikopterflug

Am Mittwoch dann helle Aufregung - ein Heli kreist über uns und landet am Hafen. Für 30 € kann man einen (kleinen) Rundflug machen. Kurz entschlossen steigen wir ein und erheben uns in die Lüfte. Ein kurzes Vergnügen, aber schön dass wir es gemacht haben. Unser Hund Milli indes musste im Haus bleiben.

Öland mit Hund

Unsere Unterkunft war hundefreundlich, aber nicht eingezäunt. Wir haben Mille auf freien Flächen von der Leine gelassen, sie hat diese Gelegenheiten häufig genutzt, den Langohren hinterher zu jagen - gottlob erfolglos. In Restaurants und Cafés wird man mit Hund häufig auf die Außenbereiche verwiesen - mit Hinweis auf möglicherweise allergieempfindliche Gäste. Andere Hunde sahen wir selten, und wenn, dann angeleint.

Am Strand hat Milli die ersten Tage die Vögel gejagt, später hat sie ihr Chancenlosigkeit eingesehen und es gelassen.

Eine Bilderbuchinsel

Gleich kommen Michel, Annika,Pippi und Bootsmann um die Ecke gerannt - das Bild haben wir die ganze Zeit über im Kopf. Die Häuser sehen aus wie aus einem Lindgren Film. Rot gestrichene Holzfassaden, Vasen im Fenster, Blumen davor, Milchkannen am Weg … man kann sich nicht satt sehen. Dazu kommt, dass im Gegensatz zu Deutschland der protzige Gigantismus der besser betuchten fehlt. Weite Wiesen, ein großer Himmel, Wind der das Haar zerzaust und Zeit mit Freunden und Familie - was braucht es mehr zum Glück im Leben? Ich weiß es: eine Gitarre, ein Fotoapparat und ein Fahrrad. Aber mehr braucht’s dann wirklich nicht.

Letzte Impressionen

Kurios: Briefkästen finden sich nicht am einzelnen Haus, sondern an zentraler Stelle. Bisweilen ist dort auch der Kasten für die abgehende Post.

Der weite Himmel. Mal regnet es, ab dank des Windes ist das nicht von Dauer. Am häufigsten haben wir blauen Himmel mit Schäfchenwolken gehabt.

Das steinerne Kreutz und die Ruine der Sankt Brigitta Kapelle befinden sich in der Mitte Ölands am Ostufer.

Nicht ale Häuser sind rot. Dieses hier sieht aus wie das Haus von Gilbert Grape - irgendwo in Iowa.

Vor vielen Häusern finden sich Milchkannen - ich denke eher zur Zierde als für die tatsächliche Benutzung.

Wer die Natur liebt kommt auf seine Kosten!