Der Coronabauer von Westberlin

Im Winter 2019 - 2020 bin ich es leid geworden, die Bioabfälle der Küche in den Müll zu werfen. Ein bemerkenswertes Mädchen namens Greta aus Schweden hat der ganzen Welt gezeigt, dass man etwas thun muss, wenn man möchte dass sich etwas ändert.

Kompost

Also hab ich aus den Resten eines Ikea Holzregals eine kleine Kompostkiste gebastelt - meine Gretabox.

Als ich dann die Buchenhecke schneiden musste, meinte meine Schwester: “Dann kannst Du dir gleich ein Hochbeet anlegen. Mit Strauchschnitt und Kompost hast Du ja schon fast alles an Füllmaterial”

Hochbeet

Okay, also dann bauen wir ein Hochbeet. Im Februar hatte ich es fertig; gebaut aus Lärchenholz. Samen in die Erde, ab und zu wässern, und die Früchte der Erde genießen - herrlich!

So hatte ich es mir zumindest vorgestellt.

Terasse

Das Bastlerfieber hatte mich mal wieder gepackt. Tool-Time!

“Die Morgensonne beleuchtet den hinteren Winkel unseres Gärtchens - wäre es nicht schön, dort einen kleinen Sitzplatz zu haben?” säuselte ich meiner Frau ins Ohr. Sie willigte ein, und ich machte mich ans Werk.

Zwei Beete sind besser als eins

Ich begann mich zu verwandeln. Das durch Corona bedingte Homeoffice ersparte mir die Fahrtwege; die gewonne Zeit investierte ich in die Pflege des Beetes und in enthemmte Träumerein: Als frisch geborener Bauer am Westrand Berlins sah ich mich bereits als Selbstversorger. “Ein Beet reicht nicht, wir brauchen zwei! Schau mal, unter der Hecke ist Platz” säuselte ich.

Beet Nummer zwei wurde gebaut.

Warum wächst da nix?

Den Cappuccino auf meiner Morgenterasse schlürfend begann ich mich langsam zu wundern, warum in meinen Beeten nichts wächst. Meine Vermutung waren Vögel, die die jungen Triebe wegschnabulieren. Also wurde noch ein Vogelnetz angebracht. Irgendwann las ich dann in einem Ratgeber, man möge doch mal nachts ins Beet schauen. Das tat ich, und die Träume des sorgenfreien Coronabauers zerplatzten augenblicklich. Das ganze Beet voller Schnecken. 30 habe ich weggepflückt, Tag für Tag.

Vermutlich hatte ich mir die Schneckeneier eingeschleppt. Mit der zum Holzschutz angebrachten Noppenfolie ans der Hochbeetwand haben die Schnecken eine prima Siestalounge, bevor sie zur Dämmerung ans Salatbuffet gehen.

Okay, Coronabauer, geh beiseite. Ich hab Schneckenkorn geholt, und hatte einigermaßen Ruhe.

Interessanterweise hatte ich die Schnecken nur im Hochbeet, und nicht im niedrigen Beet unter der Hecke. Bei jener hatte ich auf Noppenfolie verzichtet…

Nun endlich

Mit der Beseitigung der Scheckenplage hat dann auch das Wachstum eingesetzt.

Gut funktioniert haben im Hochbeet:

  • Kopfsalat
  • Rote Bete
  • Mangold
  • Kresse

Nicht gut funktioniert:

  • Radieschen
  • Karotten
  • Petersilie

Im niedrigen Beet funktionieren:

  • Karotten
  • Radieschen

Nicht gut funktioniert:

  • Pflücksalat

Harvest!

Heute haben wir die Rote Beete aus der Erde gezogen. Da der größte Teil der Pflanze die Blätter sind, will ich die nicht wegwerfen (bzw in den Kompost tun).

Also haben wir ein leckeres Pesto gemacht:

  • Rote Beete Blätter
  • Macademie Nüsse, gehackt
  • Knoblauch
  • Olivenöl

Die gekochten Rote Bete hab ich in kleine Würfel geschnitten, mit weißem Balsamico und etwas Zucker verfeinert.

Auch wenn die Ernte der beiden kleinen Beete ja spärlich ist - sich ein solches Essen dann zuzubereiten und zu essen macht glücklich.

Man bekommt dann doch etwas Ehrfurcht vor den Bauern, die es schaffen ohne Chemie der Erde gute Produkte abzugewinnen.