Teufelsmauer, Sandhöhlen und eine wunderbare Pension

Schloss Blankenburg
Schloss Blankenburg

Aus einer geplanten Urlaubswoche wurde leider nichts, aber ein Wochenende von Freitag bis Sonntag konnten wir uns dennoch gönnen. Anstatt wie gewohnt nach Ilsenburg in den Harz zu fahren, schlug Moni diesmal Blankenburg am Harz vor. Der Vorschlag kam nicht von ungefähr: Bei einer Wanderung oberhalb von Ilsenburg hatten wir einst eine Frau in einem Catering-Bauwagen getroffen, die dort ein kleines, idyllisches Paradies geschaffen hatte. Sie erzählte uns damals, dass sie inzwischen eine Mühle übernommen habe.

“Das muss die Obermühle in Blankenburg sein!”, meinte Moni – und so buchten wir für zwei Nächte.

Mittelalterliche Gassen

Die Hinfahrt verlief reibungslos. In zweieinhalb Stunden waren wir da, doch das Navi führte uns durch enge, mittelalterliche Kopfsteinpflastergassen immer höher hinauf – bis wir schließlich in der falschen Fahrtrichtung vor der letzten Auffahrt standen und den Rest des Weges rückwärts bewältigen mussten. Wie eine Berghütte liegt das Haus am Hang: hinter uns der Fußweg zum Schloss, vor uns das Panorama von Blankenburg.

Die Obere Mühle
Die Obere Mühle

Von Blankenburg selbst wussten wir nicht viel. Umso überraschender wurde unser Kurzurlaub. Am Freitag erkundeten wir die Wälder hinter dem Schloss, und am nächsten Tag lasen wir von der Teufelsmauer, die direkt in Blankenburg beginnt. Ein kilometerlanger Klippenzug, der über einen Kamm verläuft – je nach Trittsicherheit kann man ihn entweder an seinem Fuß oder direkt oben auf dem Grat entlangwandern.

Barocke Gärten von Blankenburg
Barocke Gärten von Blankenburg

Wege im Wald bei Blankenburg
Wege im Wald bei Blankenburg

Teufelsmauer

Unser freundlicher Wirt versicherte mir auf meine Frage, ob der Weg auch für Brandenburger Plattfüße geeignet sei, zunächst: “Ja, ja, kein Problem.” Dann schlug er uns jedoch lieber eine Route über die Sandhöhlen vor – wohl um nicht verantwortlich zu sein, falls wir uns übernahmen.

Großvaterfelsen an der Teufelsmauer
Großvaterfelsen an der Teufelsmauer

Blick vom Großvaterfelsen
Blick vom Großvaterfelsen

Die Sandhöhlen hoben wir uns für den Nachmittag auf. Nach einem großartigen Frühstück – mit viel frischem Obst und Gemüse, gebratenen Würstchen, geräuchertem Fisch … es blieben keine Wünsche offen – brachen wir auf. Der Weg führte uns an den Barockgärten des Schlosses vorbei, und nach gerade einmal 15 Minuten standen wir bereits auf dem Kamm. Durch den Wald stiegen wir weiter hinauf, bis die ersten Felsen auftauchten. Der Großvaterfelsen durfte sogar erklommen werden: Über in den Stein gehauene Stufen und Eisenanker gelangt man durch enge Spalten nach oben, bis man schließlich auf einem kleinen Plateau steht. Ein tolles Erlebnis – und für mich, der nicht ganz schwindelfrei ist, eine kleine Mutprobe.

Den Kammweg folgten wir weiter – mal schlängelt er sich durch die Felsen, mal führt er direkt darüber hinweg. Milli mussten wir von der Leine lassen, denn sie hätte uns sonst ins Straucheln gebracht. Doch Klettern ist sie nicht gewohnt und überholte uns an den schmalsten Stellen sorglos, sodass wir sie fortan nur noch auf Kommando die engen Passagen passieren ließen. Irgendwann wurde es mit ihr dann doch zu anspruchsvoll, also suchten wir einen Abstieg. Auf Komoot entdeckte ich eine schmale Pfadlinie und erkannte von oben den darunter verlaufenden Hauptweg. Ein großer Spagat, ein Schritt auf die Schräge mit der Hoffnung, dass der Fuß Halt findet – dann an einer Birke entlang weiter hinunter. Geschafft! Die anderen Wanderer schüttelten nur den Kopf, aber es war ja gut gegangen.

Auf dem Rückweg kamen wir am imposanten Schlosshotel vorbei und gönnten uns eine Kaffeepause. Der junge Kellner wurde dabei von der älteren Bedienung streng überwacht (“Ich bin noch in der Ausbildung!”), aber der Kaffee und der selbstgebackene Kuchen waren hervorragend.

Sandsteinhöhlen

Nach einer kurzen Erholungspause für die inzwischen geschwollenen Oberschenkel und Waden starteten wir erneut – diesmal mit dem Auto. Der Weg zu den Sandhöhlen beginnt an der Burg Regenstein, oder besser gesagt an deren Ruine, die auf einem massiven Felsen thront. Die Sandhöhlen wurden zur nächsten Blankenburger Überraschung: Ich fühlte mich wie in Kappadokien! Mitten im Wald erstreckt sich eine sandige Lichtung, aus der Sandsteinfelsen ragen, in denen sich große Höhlen gebildet haben. Viele Menschen waren unterwegs – Familien mit Kindern, Hundebesitzer – und genossen die bizarre Landschaft.

Sandsteinhöhlen
Sandsteinhöhlen

Sandsteinhöhlen
Sandsteinhöhlen

Sandsteinhöhlen
Sandsteinhöhlen

Später am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg. Da wir nicht noch einmal losziehen wollten, entschieden wir uns für ein Abendessen im Hotel Voigtländer in Blankenburg, das wir auf der Hinfahrt entdeckt hatten. Das Restaurant war noch leer, und wir bekamen problemlos einen Tisch. Die Tagliatelle mit Rote Bete und das Wildragout waren okay, aber leider nicht überzeugend – man wird eben anspruchsvoller mit den Jahren.

Hundemüde fielen wir ins Bett. Ich schlief bereits vor 21 Uhr ein und wachte erst um 6 Uhr wieder auf. Die Sonne kämpfte sich durch den Hochnebel, und als ich um 7 Uhr mit Milli meine Morgenrunde drehte, tauchte sie die Landschaft in ein zartes, wunderbares Licht.

Noch einmal genossen wir das herrliche Frühstück, und unser Wirt erzählte uns dabei noch mehr über Blankenburg und seine Mühle, die über einem Bach steht, der einst riesige Turbinen im angrenzenden Gebäude antrieb. Blankenburg war die erste elektrisch beleuchtete Stadt.

Wir packten das Auto, bezahlten die Rechnung – und buchten direkt unseren nächsten Aufenthalt. So fiel der Abschied nicht ganz so schwer.

Alte Hasúsfassade in Blankenburg
Alte Hasúsfassade in Blankenburg

Leider gesperrt: Schloss Blankenburg
Leider gesperrt: Schloss Blankenburg

Im Park der barocken Gärten
Im Park der barocken Gärten

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